BGH verhandelt über Kundenbewertungen als Werbung

Hinweisschild am Bundesgerichtshof

Der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe hat am Donnerstag über den Stellenwert von Produktbewertungen im Onlinehandel verhandelt. Streitig ist, ob auch die auf einer Händler-Seite veröffentlichten Kundenaussagen als Werbung angesehen werden können und inwieweit Händler dann dafür haften. Die Beratungen der Karlsruher Richter dauerten am späten Nachmittag noch an. (Az: I ZR 193/18)

Im Streitfall hatte ein Onlinehändler auf der Marketplace-Plattform von Amazon sogenannte Kinesiologie-Tapes zur Schmerzbehandlung angeboten. Weil es keinerlei Nachweise für die Wirksamkeit gibt, hatte er sich verpflichtet, entsprechende Werbung zu unterlassen.

Allerdings hatten Kunden in ihren Bewertungen die Behauptung einer schmerzlindernden Wirkung wiederholt. Ein Wettbewerbsverband klagt auch hier auf Unterlassung.

Der BGH muss daher klären, ob sich eine Unterlassungsklage auch auf Kundenbewertungen beziehen kann. Wenn ja, ergeben sich bei Amazon Marketplace weitere Probleme. Denn die Bewertungen dort können auch von Kunden stammen, die dasselbe Produkt bei anderen Anbietern auf dem Amazon-Portal gekauft haben. Auch haben die eigenständigen Marketplace-Händler keinen Einfluss darauf, welche Kundenbewertungen die Amazon-Software auf ihrer Homepage aufspielt.