Biden und Xi betonen bei Treffen auf Bali Bereitschaft zu offenem Austausch

US-Präsident Joe Biden hat am Montag Chinas Staatschef Xi Jinping am Rande des G20-Gipfels in Indonesien getroffen. Biden äußerte bei dem mit Spannung erwarteten Treffen auf Bali die Hoffnung, dass ein "Konflikt" zwischen beiden Ländern vermieden werden könne. Ihm liege daran, "unsere Differenzen" in den Griff zu bekommen und zu verhindern, "dass aus Wettbewerb ein Konflikt wird".

Auch Xi zeigte sich zu einem offenen Austausch mit Biden bereit. China und die USA müssten "die richtige Richtung" für ihre Beziehungen finden, sagte der chinesische Staatschef. Die Welt stehe "an einem Scheideweg" und erwarte, dass China und die USA ihre Beziehungen "richtig handhaben". Vor Beginn ihres persönlichen Treffens - des ersten seit drei Jahren - begrüßten sich die beiden Spitzenpolitiker mit einem Handschlag.

Das Weiße Haus hatte bereits vor dem Treffen mitgeteilt, dass Biden "Leitplanken" und "Verkehrsregeln" für die Beziehungen beider Länder bei dem Treffen festlegen wolle. "Wir stehen im Wettbewerb", sagte ein Vertreter des Weißen Hauses. Biden wolle sicherstellen, dass der "Wettbewerb nicht in einen Konflikt umschlägt". Biden selbst hatte gesagt, er wolle mit Xi "rote Linien" in den angespannten Beziehungen zwischen Washington und Peking festlegen.

Das heikelste Thema dürfte Taiwan sein. China sieht den demokratischen Inselstaat als abtrünniges Gebiet, das es wieder mit dem Festland vereinigen will - notfalls mit militärischer Gewalt. Die USA hatten zuletzt ihre Unterstützung für Taiwan verstärkt, während China seine Drohungen hinsichtlich eines Militäreinsatzes verschärfte. In den vergangenen drei Jahren verschärfte sich die Rivalität zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt infolge Chinas wirtschaftlichem und militärischem Aufstieg. Chinas Erstarken ließ die jahrzehntelange US-Dominanz in der Region bröckeln.

Abgesehen vom Taiwan-Status sind Washington und Peking hinsichtlich Fragen des Handels, der Menschenrechte in der chinesischen Region Xinjiang und der russischen Invasion in der Ukraine uneins. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und zunehmender Spannungen mit Nordkorea wird erwartet, dass Biden China dazu drängen wird, seinen Einfluss auf beide Verbündete geltend zu machen. Eine diesbezügliche Bereitschaft Xis gilt jedoch als eher unwahrscheinlich.

Dennoch dürfte das Treffen zwischen Biden und Xi den Ton für den G20-Gipfel am Dienstag und Mittwoch angeben. Der Ukraine-Krieg steht zwar nicht auf der offiziellen Tagesordnung, doch seine Auswirkungen auf die Lebensmittel- und Energiemärkte dürften bei allen Gesprächen im Vordergrund stehen.

Vor seinem Gespräch mit Xi war Biden am Rande eines südostasiatischen Gipfeltreffens in Kambodscha mit dem japanischen Regierungschef Fumio Kishida und dem südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol zusammengetroffen. Die drei riefen gemeinsam zu "Frieden und Stabilität" in der Straße von Taiwan auf.

Auch Australien und Japan kündigten am Montag Gespräche mit dem chinesischen Staatschef an. So wird der australische Regierungschef Anthony Albanese Xi nach eigenen Angaben am Dienstag auf Bali treffen - es wird die erste richtige Zusammenkunft nach Jahren der angespannten Beziehungen zwischen den beiden Ländern.

Gespräche zwischen dem japanischen Ministerpräsident Kishida und dem chinesischen Staatschef sind einem Sprecher der japanischen Regierung zufolge am Donnerstag beim Gipfel der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (Apec) in Thailand geplant.

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