Billigpasta Stroncatura: Einst verboten, nun kulinarischer Geheimtipp

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Einst war die Stroncatura nur auf illegale Weise zu kaufen, mittlerweile hat sich die Billignudel unter Pasta-Liebhabern zum Geheimtipp entwickelt. Das mag auch an ihrer Geschichte liegen.

Stroncatura werden mit Sardellen, Peperoncino und Oliven serviert. (Bild: Getty Images)
Stroncatura werden mit Sardellen, Peperoncino und Oliven serviert. (Bild: Getty Images)

Schon mal was von Stroncatura gehört? Nein? Kein Wunder, denn die italienische Pasta gibt es zwar schon über 100 Jahre, doch in deutschen Supermarktregalen wird man sie nicht finden.

Die rötliche Pasta, die von ihrer Form her stark an Linguine erinnert, war sogar mal für viele Jahre verboten und wurde nur unter der Hand verkauft. Wer die Pasta haben wollte, musste über gute Kontakte verfügen.

Einst ein absolutes Billigprodukt aus Getreideresten

Dabei galten die Stroncatura noch nicht einmal als hervorragend im Geschmack oder bestachen durch außergewöhnliche und teure Zutaten. Ganz im Gegenteil: Die Stroncatura war ein absolutes Billigprodukt, hergestellt aus Abfallresten.

Erstaunlich daher, dass diese Nudelvariante heutzutage selbst in italienischen Edelrestaurants auf der Speisekarte steht. Was steckt also hinter dieser außergewöhnlichen Pasta?

Heimat der Stroncatura ist die Küstenstadt Reggio Calabria in der italienischen Provinz Kalabrien. Dort wird die Stroncatura schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts serviert.

Damals wurde diese Pasta wirklich aus den billigsten Zutaten zubereitet und zwar aus den Getreideresten, die beim Mahlen in den Fabriken auf den Boden gefallen sind. Am Ende des Tages wurden die Reste einfach zusammengekehrt und zum absoluten Billigprodukt unter den Nudeln weiterverarbeitet. Die Stroncatura hatte daher nicht nur einen säuerlichen Geschmack, sondern war auch noch reichlich mit Dreck versetzt, der zusammen mit den Getreideresten aufgefegt wurde.

Behörden verboten Verkauf von Stroncatura

Der Beliebtheit der Stroncatura hat dies freilich nicht geschadet. Die Landbevölkerung, die damals eher in ärmlichen Verhältnissen lebte, war froh, Pasta für wenig Geld zu bekommen. Der gewöhnungsbedürftige Geschmack wurde einfach mit weiteren geschmacksintensiven Zutaten wie Oliven und Sardellen übertüncht.

Und weil sie eben so billig war, verkaufte sich die Stroncatura auch dann noch so gut, als sie von den Behörden aufgrund ihrer alles andere als hygienischen Herstellungsweise verboten wurde. Nun wurde sie eben illegal unter der Hand verkauft.

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Selbstverständlich hat sich seit damals vieles bei der Herstellung geändert und die Stroncatura, die man heute serviert bekommt, besteht nicht mehr aus Getreideabfällen. Zwar verwendet man auch heutzutage noch Gerste, Wasser und Grieß, Dreck ist nun aber keiner mehr in den Nudeln zu finden.

Die spezielle dunkle Färbung erhält die Stroncatura von den Vollkornmehlen, aus denen die Pasta hergestellt wird, die spezielle raue Textur ist auf den groben Mahlgrad zurückzuführen.

In deutschen Supermärkten nicht zu finden

Mittlerweile kann man die Stroncatura wieder ganz normal kaufen und muss sich nicht auf einen illegalen Deal einlassen. Allerdings kann man diese besondere Pasta nur Kalabrien erstehen, in der Ein-Kilo-Packung und schlicht in Papier eingeschlagen, total traditionell eben. Diese Art der Verpackung soll den speziellen Geschmack erhalten.

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Wer nun nicht extra nach Kalabrien fahren möchte, um sich mit Stroncatura einzudecken, kann diese geschichtsträchtige Pasta auch online bestellen. Zur Not tut es auch eine Vollkorn-Pasta-Alternative, die kommt geschmacklich schon nah an die originalen Stroncatura.

Da die Stroncatura ursprünglich ein Essen für die armen Bevölkerungsschichten war, wurden sie auch sehr einfach und ohne viel zusätzlichen Schnickschnack zubereitet. Die klassische Zubereitungsweise ist hierbei die Version La Stroncatura Calabrese mit Oliven, Sardellen und Peperoncino.

Rezept für La Stroncatura Calabrese

Zutaten:

  • 250 Gramm Stroncatura (oder als Alternative Vollkorn-Spaghetti)

  • Zwei Esslöffel Oliven ohne Steine

  • Eine Knoblauchzehe

  • Sechs Sardellenfilets

  • Drei Esslöffel Paniermehl

  • Eine getrocknete Peperoncino (oder alternativ eine Chili-Schote)

  • Olivenöl

  • Salz und Pfeffer zum Würzen

  • Geriebener Parmesan

Zubereitung:

  • Die Stroncatura im leicht gesalzenen Wasser kochen.

  • Das Olivenöl mit der Knoblauchzehe in eine Pfanne geben, erhitzen und anschließend das Paniermehl darüberstreuen und anrösten lassen. Sobald das Olivenöl aufgesogen wurde, dass Paniermehl aus der Pfanne nehmen.

  • Erneut etwas Olivenöl in die Pfanne geben, die Sardellenfilets und die gehackte Peperoncino dazu geben. Sobald die Sardellenfilets aufgelöst sind, die in Ringe geschnittenen Oliven dazugeben und kurz anbraten lassen.

  • Nun die Stroncatura direkt aus dem Wasser in die Pfanne geben und das geröstete Paniermehl darüber geben.

  • In der Pfanne alle Zutaten miteinander vermengen, evtl. mit Salz und Pfeffer nachwürzen.

  • Auf einem Teller servieren und mit etwas geriebenen Parmesan und Olivenöl beträufeln.

VIDEO: Pasta-Fehler - Nie wieder verklebte Nudeln

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