Biontech beginnt mit Impfstoffproduktion in Marburg

Annalena DÖRNER
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Biontech-Werk in Marburg

Zwei deutsche Pharmaunternehmen haben am Mittwoch Fortschritte bei der Covid-19-Impfstoffproduktion gemeldet: Das Mainzer Unternehmen Biontech begann nach eigenen Angaben mit der Herstellung in seiner neuen Produktionsstätte im hessischen Marburg, wo nun nun zunächst der mRNA-Wirkstoff hergestellt werde, von dem eine einzelne Charge für die Produktion von acht Millionen Impfdosen reiche. Das britisch-schwedische Pharma-Unternehmen Astrazeneca schloss sich indes laut Mitteilung bei der Produktion seines Corona-Impfstoffs mit der Dessauer Firma IDT Biologika zusammen.

Biontech erklärte, um nun die Herstellung des fertigen Impfstoffs zu ermöglichen, müsse die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) noch die Produktionsprozesse der neuen Anlagen in Marburg genehmigen. Die Einreichung der dazu notwendigen Daten und anderer benötigter Informationen werde im Februar und März erfolgen.

Nach der Zulassung durch die EMA sollen laut Biontech erste Produktchargen des fertigen Impfstoffs zur sterilen Abfüllung an Partnerstandorte geliefert werden. Die Qualität des finalen Impfstoffs werde von zwei Laboren analysiert. Neben einem unternehmenseigenen Labor zähle dazu das offizielle Labor zur Arzneimittelchargenprüfung des Paul-Ehrlich-Instituts in Langen.

Anschließend solle die Verteilung an die Impfstellen gemäß den festgelegten Vereinbarungen mit den Regierungen erfolgen. Die ersten in Marburg hergestellten Impfstoffe würden voraussichtlich Anfang April ausgeliefert.

Biontech arbeite mit seinem US-Partnerunternehmen Pfizer daran, der weltweiten Nachfrage gerecht zu werden. Die Produktionskapazität für den Covid-19-Impfstoff für 2021 sei auf bis zu zwei Milliarden Dosen erhöht worden.

Sobald das Werk in Marburg voll betriebsbereit sei, werde es mit einer jährlichen Produktionskapazität von bis zu 750 Millionen Dosen eine der größten Produktionsstätten in Europa sein. Biontech plant, dort im ersten Halbjahr 2021 bis zu 250 Millionen Impfstoffdosen zu produzieren.

Im September hatte Biontech das Werk in Marburg gekauft. Bereits Anfang Dezember reichte das Unternehmen die Anträge für einen Umbau und den Betrieb der Anlage ein. Diese wurde im Januar von den hessischen Behörden genehmigt.

Die FDP-Gesundheitsexpertin Christine Aschenberg-Dugnus bezeichnete den Start der Impfstoffproduktion in Marburg als "wichtiges Zeichen". Dies zeige, dass Unternehmen in der Lage seien, auch kurzfristig Produktionslinien aufbauen.

Astrazeneca und IDT Biologika wollen mit ihrer angekündigten Kooperation ab dem zweiten Quartal dieses Jahres mehr Corona-Impfstoffe für europäische Abnehmer herstellen. Laut IDT Biologika soll in "zusätzliche Kapazitäten zur Impfstoffherstellung an seinem Hauptsitz Dessau" investiert werden, wobei Details zu der Zusammenarbeit in den kommenden Wochen festgelegt würden.

Insgesamt werde IDT Biologika einen dreistelligen Millionenbetrag für die Kapazitätserweiterung aufwenden. In Betrieb gehen sollen die neuen Anlagen voraussichtlich Ende 2022.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) begrüßte die Kooperation. "Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zur Bekämpfung der Pandemie", erklärte er. Die Kompetenz und die Leistungsfähigkeit der Biotechbranche im Land werde international geschätzt.

Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich erfreut über die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen. "Deutschland wird in dieser Pandemie immer mehr zu einem wichtigen Impfstoff-Hub", erklärte Spahn. Das sei eine Stärkung des Pharmastandorts Deutschland.

ald/cfm