Bischofskonferenz: Lage in Afghanistan "desaströse Niederlage" für Deutschland

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Vertreter kirchlicher Organisationen haben sich entsetzt über die Lage in Afghanistan gezeigt und schnelle Unterstützung für besonders gefährdete Menschen gefordert. "Die Machtübernahme der Taliban in Afghanistan stellt eine desaströse Niederlage der USA und der bis vor Kurzem an ihrer Seite engagierten Länder dar. Das gilt auch für Deutschland", erklärte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Dienstag.

 "Die Szenen am Flughafen Kabul, belagert von Menschen, deren einzige Hoffnung darin besteht, ihre Heimat noch schnell genug verlassen zu können, bedrängen", fügte Bätzing hinzu. "Auch mich empören das um sich greifende Leid und die Hilflosigkeit derer, denen gerade die Zukunft entrissen wird."

 Nun müsse "das Naheliegende getan werden, um die schlimmsten Folgen zu verhindern", forderte der Bischof. Dazu gehöre das Ausfliegen der Ortskräfte, die für die Bundeswehr oder internationale Hilfsorganisationen tätig waren. Großzügige Aufnahmeangebote sollten darüber hinaus all jenen gemacht werden, "die in besonderer Weise gefährdet sind, Opfer der Taliban zu werden".

 Die katholischen Laien forderten die Einrichtung humanitärer Korridore in Afghanistan. "Über diese Korridore muss die Versorgung der notleidenden Bevölkerung durch Hilfsorganisationen aufrecht erhalten werden", erklärte die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann. "Diese Korridore werden unter Umständen bald auch der einzige Weg sein, das Land auf einigermaßen sicherem Wege zu verlassen."

 Der katholische Deutsche Caritasverband forderte "unmittelbare und umfassende Maßnahmen", um eine humanitäre Katastrophe innerhalb Afghanistans und in den Erstfluchtstaaten abzuwenden. Zehntausende Menschen seien bereits auf der Flucht in Richtung der Nachbarstaaten.

 "Besonders bedroht von den Taliban fühlen sich Menschen, die sich in den letzten Jahren für Freiheit und Menschenrechte eingesetzt und die für deutsche Behörden oder für Hilfsorganisationen gearbeitet haben, sowie ihre Familienangehörigen", erklärte der Leiter von Caritas international, Oliver Müller. Er forderte großzügigere Aufnahmeregelungen in Deutschland, von denen etwa auch Mitarbeitende von Nichtregierungsorganisationen profitieren sollten.

 Die evangelischen Hilfsorganisationen Diakonie Deutschland, Diakonie Katastrophenhilfe und Brot für die Welt plädierten gemeinsam für die unbürokratische Aufnahme besonders gefährdeter Menschen. "Was wir dringend brauchen, sind großzügige Schutzkontingente und die sofortige Evakuierung dieser besonders gefährdeten Personengruppen", erklärte die Präsidentin von Brot für die Welt und Diakonie Katastrophenhilfe, Dagmar Pruin.

 Der Präsident der Diakonie Deutschland, Ulrich Lilie, sagte "eine neue Fluchtbewegung" voraus. Anrainerstaaten Afghanistans wie die Türkei, Pakistan und der Iran bräuchten Unterstützung, damit sie die Menschen aufnehmen und mit dem Nötigsten versorgen können. "Perspektivisch müssen Resettlement-Programme zur Aufnahme in der gesamten EU und natürlich auch in Deutschland entstehen. Niemand muss vor der neuen Aufnahme von Geflüchteten Befürchtungen haben."

 cne/bk

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