„Biscuits for Calais“: Hilfsorganisation aus Köln unterstützt Flüchtlinge in Frankreich

Annika Sangrilé aus Riehl unterstützt geflüchtete Menschen in Calais.

Kekse sind gute Energielieferanten – und ein bisschen wirken sie auch wie ein kleines Präsent. Deswegen befand sich neben anderen Hilfsgütern auch viel Gebäck in dem Lieferwagen, den Annika Sangrilé im Sommer 2016 zum ersten Mal ins nordfranzösische Calais gefahren hat. Mit dem Ziel, dort die Not im Flüchtlings-Camp zu lindern.

Denn die Hafenstadt zieht neben Touristen wegen ihrer Nähe zur britischen Insel auch massenhaft geflüchtete Menschen aus Kriegs- und Krisenregionen der Welt an, die dort in der Hoffnung ausharren, schnell nach England einreisen zu können.

Besonders üble Umstände im „Dschungel von Calais“

„Dschungel von Calais“ lautete der Name des Camps, das sich bereits Ende der 90er Jahre etabliert hat und bis zur Räumung durch französische Behörden im Herbst 2016 regelmäßig durch besonders üble Umstände für die zeitweise bis zu 15 000 Bewohner mediales Interesse hervorrief.

„Obwohl das Lager seit Oktober 2016 offiziell nicht mehr besteht, ist es ein Irrglaube, dass dort keine Menschen mehr leben oder dass sich die Umstände verbessert haben“, sagt Sangrilé. Die 31-Jährige aus Riehl hat mit sechs weiteren Männern und Frauen aus dem Kölner Norden im Alter zwischen 26 und 40 Jahren ein Hilfsprojekt gegründet. Das Motto der ersten Hilfslieferung: „Biscuits for Calais“, also „Kekse für Calais“.

„Willkommen in Europa – Willkommen in der Realität“

Wie viel Elend – aber auch Freude – sie mitten in Europa, gerade mal dreieinhalb Stunden von Köln entfernt miterlebt hat, zeigt Sangrilé derzeit in einer Ausstellung in Nippes. „Willkommen in Europa – Willkommen in der Realität“ lautet der Titel. Neben Fotos und Tagebucheinträgen der Organisatorin werden bis 18. April auch Film-Dokumentationen und Musikbeiträge präsentiert.

Der Wunsch, sich zu engagieren, hat die 31-Jährige im Frühling 2016 dazu bewogen, ihren festen Job gegen die Freiberuflichkeit einzutauschen. „Auslöser war der Vortrag einer Gruppe, die den Menschen in Calais, aber auch entlang der Balkanroute hilft“, erläutert Sangrilé. „Das hat mich beeindruckt.“

Keine Konkurrenz für ehrenamtliches Engagement in Deutschland

Zuletzt waren die Mitglieder von „Biscuits for Calais“ im Februar vor Ort – wieder mit einem Bulli und mit vielen Keksen. Mit dabei: Johannes Kordes. Der 35-Jährige arbeitet in Köln in der Veranstaltungsbranche und half, vor der Fahrt eine Feier mit Infoabend zu veranstalten, bei der um Spenden gebeten wurde.

„Das haben wir mit Unterstützung von knapp 50 Personen auf die Beine gestellt, es kamen viele Gäste. Wir haben mehr als 7000 Euro zusammenbekommen“, so Kordes. Hinzu kamen Sachspenden, die in der Kalker Kneipe „Trash Chic“ gesammelt wurden. Kordes: „Vielen Menschen ist das Schicksal der Flüchtlinge nicht gleichgültig.“

Er und Sangrilé wollen die Arbeit der Kölner Gruppe möglichst breit bekanntmachen – und sehen sich dabei nicht als Konkurrenz für ehrenamtliches Engagement in Köln oder anderswo. „In Deutschland läuft in dem Bereich vieles geordneter ab, in Calais lindert man ständig nur die größte Not“, so Kordes. „Der französische Staat will den Menschen möglichst wenig Anreize bieten und kümmert sich darum nicht um die Verhältnisse im Camp.“

Hoffnung auf Transit nach England

Die Erfahrungen der Gruppe decken sich mit denen von Hilfsorganisationen vor Ort, denen zufolge sich in Calais und im benachbarten Dünkirchen noch immer bis zu 500 Menschen befinden – viele von ihnen aus Syrien, Afghanistan oder dem Irak.

Die meisten wollen sich nicht registrieren lassen, um keine Abschiebung zu riskieren. „Für sie ist England aufgrund der Sprache und vermeintlich erfolgversprechender Asylanträge eine Art Paradies“, erläutert Kordes.

Darum biete sich nachts immer wieder dasselbe Szenario: Die Flüchtlinge versuchen, einen Stau auf der nahe gelegenen Autobahn Richtung Eurotunnel zu erzeugen, um dann auf einen Lkw aufzuspringen, der sie unter dem Ärmelkanal hindurch befördern soll.

„Das ist meistens gefährlich; die Polizei versucht das unter Einsatz von Tränengas zu verhindern“, beschreibt Sangrilé ihre Eindrücke. „Der Großteil muss zurück – dann versuchen die Menschen in der nächsten Nacht einfach erneut, überzusetzen.“

Bilder und Tagebuch

Die Ausstellung der Initiative „Biscuits for Calais“ ist bis Dienstag, 18. April, im Atelier „Kunst-Zeit-Raum“ an der Neusser Straße 321 in Nippes zu sehen. Der Eintritt ist frei, Getränke-Einnahmen gehen an das Projekt.

Informationen zur Hilfsaktion und zur Entwicklung des Camps sowie der Situation der geflüchteten Menschen in Calais seit der Entstehung bis heute bieten Fotos, persönliche Tagebucheinträge sowie Filme und Dokumentationen. Die Öffnungszeiten des Ateliers sind Mo, Di, Do, Fr von 18 bis 21 Uhr sowie Sa und So von 16 bis 19 Uhr. Am 14. April findet zur Ausstellung ein Filmabend statt, am 18. April gibt es einen Vortrag zur Lage in Calais. Das Projekt ist auch im Internet zu finden.

Mehr Infos unter biscuitsforcalais.de....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta

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