Bitcoin-Beben: Die Woche, in der die Blase platzte

·Wirtschaftsjournalist und Techblogger
·Lesedauer: 5 Min.

Die schlimmsten Befürchtungen haben sich bewahrheitet: Bitcoin ist in den vergangenen Tagen so dramatisch eingebrochen wie zu seinen schlimmsten Zeiten. Droht der hoch gewetteten Anlageklasse jetzt ein weiterer Zusammenbruch?

Bitcoin in Turbulenzen
Bitcoin in Turbulenzen

Für Bitcoin-Kritiker war die vergangene Woche das Fest der Schadenfreude, auf das sie lange warten mussten. Ein Investment in Kryptowährungen, diese hoch spekulative Anlageklasse, könne ja nicht gut gehen, war immer wieder zu hören – Warnungen von Zentralbanken, dass der Wert des Investments im schlimmsten Fall auf Null fallen könne, gab es in der Vergangenheit genug.

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Und dann passierte tatsächlich etwas, was Skeptiker immer vorausgesagt hatten: Nachdem der Bitcoin bereits in den vergangenen fünf Wochen deutliche Verluste hinnehmen musste, schien binnen 24 Stunden der Himmel an den Kryptomärkten einzustürzen.

Anlass dafür waren erneut wankelmütige Tweets von Elon Musk und die Hiobsbotschaft aus China, dass Banken Kryptowährungen künftig nicht mehr als Zahlungsmittel akzeptieren dürfen.

Bitcoin erlebt einen der schwärzesten Tage der Geschichte

Sage und schreibe 31 Prozent an Wert verlor die Cyberdevise daraufhin am Mittwoch beim Kurssturz von 43.000 Dollar auf zeitweise nur noch 30.000 Dollar. Andere Kryptowährungen crashten noch massiver: Ethereum, die Nummer zwei der Blockchainbranche, verlor binnen 24 Stunden gar 45 Prozent an Wert, während sich noch heißer gewettete Coins phasenweise mehr als halbierten.

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Gegenüber den noch vor Wochen aufgestellten Allzeithochs der meisten Kryptowährungen fielen die Spitzenverluste komplett erdrutschartig aus: Bitcoin hatte am tiefsten Punkt des Ausverkaufs mehr als die Hälfte seines Wertes eingebüßt, Ethereum 56 Prozent, während andere hochgehypte Kryptowährungen wie Polkadot, der Binance Coin oder etwa DogeCoin Kursverluste in Dimensionen von 60 bis 70 Prozent verkraften mussten.

"Buy the dip": Auf Crash folgt schnelle V-förmige Erholung

Mehr als eine Billion Dollar (!) Investmentkapital wurde im großen Kryptocrash des Jahres 2021 in wenigen Stunden ausradiert – so viel wie noch nie in der Geschichte der Kryptowährugnen. Wenn man nach Totalabstürzen in solchen Dimensionen nicht vom Platzen einer Blase spricht, wann dann?

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Allein: Es ist weiter Dynamik in den Kryptos. Der von Bitcoinern so gerne bemühte Ausspruch „Buy the dip“ – kaufe den Kurssturz – bewahrheitete sich tatsächlich. Von dem Tiefpunkt am Mittwoch sausten die Krypto-Kurse katapultartig wieder nach oben: In der 24-Stunden-Betrachtung konnte Bitcoin um 40 Prozent an Wert gewinnen, Ethereum 58 Prozent und Cardano gar 80 Prozent. Es lebe die Volatilität – wieder einmal!

Wechselbad der Gefühle: zwischen Gier und Angst

Nach der Achterbahnfahrt befindet sich Bitcoin – und mit ihm die anderen Kryptowährungen – nun an einem Scheidepunkt. Auf vier Monate grenzenlose Euphorie folgte die nackte Panik, die viele Erstanleger mit Verlusten zurückließ. 

Wie in wohl keiner anderen Assetklasse haben Anleger das Wechselbad der Gefühle im Zeitraffer durchlaufen – von der Gier nach schier unendlichen Gewinnen zur nackten Angst, alles zu verlieren. Börsenaltmeister André Kostolany lässt grüßen.

Was für eine Erholung spricht

Gerade die Börsenpsychologie liefert in der aktuellen Situation durchaus ein Argument für die angeschlagenen Kryptos. Legt man etwa den antizyklischen Investmentgrundsatz von Warren Buffett zugrunde – „Kaufe, wenn andere ängstlich sind und verkaufe, wenn andere gierig sind“ –, könnte in der allgegenwärtigen Skepsis möglicherweise eine Chance für eine weitere Kurserholung liegen. 

Der Bitcoin hat vom Tief immerhin 12.000 Dollar aufgeholt, notiert aber weiterhin 35 Prozent vom bisherigen Allzeithoch entfernt. Bei 42.000 Dollar verläuft nun aktuell eine sehr bedeutsame Nackenlinie: Das Kursniveau markiert das Januar-Top und den erneuten Anstieg nach dem Elon Musk-Tweet im Februar, der das Tesla-Investment von Bitcoin ankündigte. Gleichzeitig verläuft bei etwa 42.000 Dollar der charttechnisch so wichtige 200-Tagesdurchschnitt. Gelingt der Cyberdevise ein nachhaltiger Ausbruch über dieses Niveau, könnte sich die Erholung fortsetzen und der Bitcoin entlang einer „Wall of worry“ möglicherweise wieder höher klettern.

Was für weitere Abverkäufe spricht

Auf der anderen Seite gilt natürlich auch das umgekehrte Szenario: Prallt Bitcoin am harten Widerstand bei 42.000 Dollar ab, droht möglicherweise eher früher als später ein erneuter Retest der 30.000-Dollarmarke, auf der die Webwährung ins Börsenjahr 2021 gestartet war. 

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Nicht auszudenken indes, wenn selbst dieses Kursniveau nicht gehalten werden könnte: Aufgrund des dynamischen Anstiegs in den letzten zwei Dezemberwochen 2020, der viel Luft im Chart hinterlassen hat, könnte Bitcoin in einem Akt der totalen Kapitulation möglicherweise sogar das alte 2017-er Hoch testen, das bei knapp 20.000 Dollar liegt. Auf diesem Niveau hätte die gerne als „digitales Gold“ beschriebene junge Assetklasse dann sogar 75 Prozent an Wert verloren – und läge auf Kurs mit anderen historischen Abverkäufen in vorangegangenen Zyklen.  

„Überlaufene Anlage“: 46 Millionen Amerikaner halten angeblich Bitcoin

Bremsend auf dem Weg nach oben könnte zudem die Versuchung vieler Erstanleger wirken, die sich aktuell noch unter Wasser befinden, Verkaufsorders zu platzieren, sobald die Einstandskurse wieder in Sicht sind.

Unmittelbar vor dem Crash warnte etwa die Bank of America, der Bitcoin sei aktuell „the most crowded trade in the world“, also die am meisten überlaufene Anlage der Welt. Einer Studie zufolge waren vergangene Woche angeblich 46 Millionen Amerikaner in irgendeiner Form in die wertvollste Kryptowährung der Welt investiert – das wären bereits 22 Prozent der US-Bevölkerung!

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Entsprechend unruhig dürften Bitcoiner und andere Kryptobesitzer dem Wochenende entgegenblicken, an dem an den Kryptomärkten bekanntlich weiter gehandelt wird. In den vergangenen Wochen waren im dünneren Wochenend-Handel immer dramatische Kurstürze zu beobachten.

VIDEO: Der große Bitcoin-Absturz

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