BKK: Fehltage wegen psychischer Erkrankungen in zehn Jahren mehr als verdoppelt

Ein Schild vor einer psychotherapeutischen Praxis

Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen haben sich nach aktuellen Daten der Krankenkasse BKK binnen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Das ist vor allem auf eine schnellere und bessere Diagnostik und Therapie zurückzuführen, wie aus dem am Donnerstag in Berlin veröffentlichten BKK-Gesundheitsreport hervorgeht. Zudem wird heute viel offener mit psychischen Krankheiten umgegangen, die Betroffenen werden weniger stigmatisiert.

Insgesamt ging im vergangenen Jahr bei der BKK jeder sechste Fehltag (15,7 Prozent) auf psychische Erkrankungen zurück. Das war ein Anstieg um 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr - und ein Zuwachs um rund 129 Prozent seit 2008. Im selben Zeitraum stiegen die Fehltage bei Muskel-Skelett-Erkrankungen um ein Drittel sowie bei Atemwegserkrankungen um mehr als die Hälfte. Beide Krankheitsgruppen sorgen nach wie vor für die meisten Ausfälle.

Die starke Zunahme der Fehltage bei psychischen Störungen ist auch darauf zurückzuführen, dass jeder Krankheitsfall zu überdurchschnittlich langen Ausfällen von im Schnitt 37 Tagen führt. Psychische Erkrankungen seien "kein Tabuthema mehr", erklärte BKK-Vorstand Franz Knieps. Früher seien solche Störungen durch die Diagnose von allgemeinen Befindlichkeitsstörungen, etwa Kopfschmerzen, Migräne oder Unwohlsein verdeckt worden. "Dahinter lagen aber psychische Erkrankungen", erklärte Knieps.

Nicht jede Diagnose führe heute zudem automatisch zu Fehlzeiten. Gemessen an den Beschäftigten, die 2018 beispielsweise die Diagnose depressive Episode erhielten, führte dies bei nicht einmal jedem Achten zu einer Arbeitsunfähigkeit.

Allerdings ist dies auch abhängig von den Arbeitsbedingungen. Vor allem Berufe, die sich hauptsächlich mit anderen Menschen beschäftigten, wie Gesundheits- und Erziehungsberufe sowie Sicherheitsberufe, weisen demnach überdurchschnittlich viele Arbeitsunfähigkeitstage auf. So stehen dem Report zufolge die Beschäftigten in der Altenpflege mit durchschnittlich 5,8 Fehltagen aufgrund psychischer Störungen an der Spitze aller Berufsgruppen. Im Vergleich zum Durchschnitt ist der Wert in der Altenpflege damit mehr als doppelt so hoch.

Auch der Erwerbsstatus wirkt sich deutlich auf die psychische Gesundheit aus, wie die Daten bestätigen. So ist mit durchschnittlich 15,2 Arbeitsunfähigkeitstagen der Wert für Arbeitslose fast dreimal so hoch wie der der am meisten belasteten Beschäftigten in der Altenpflege.