Blick auf Armbanduhr: Joe Biden für Verhalten auf Trauerfeier kritisiert

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US-Präsident Joe Biden nahm an einer Trauerfeier zu Ehren der 13 in Kabul gefallenen Soldat*innen teil. Dabei vergriff er sich den Hinterbliebenen zufolge nicht nur im Ton, sondern blickte auch wiederholt auf seine Armbanduhr.

US-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden während der Trauerfeier am Sonntag auf der Dover Air Force Base zu Ehren der Gefallenen (Bild: AP Photo / Carolyn Kaster)
US-Präsident Joe Biden und First Lady Jill Biden während der Trauerfeier am Sonntag auf der Dover Air Force Base zu Ehren der Gefallenen (Bild: AP Photo / Carolyn Kaster)

Weil US-Präsident Joe Biden während einer Trauerfeier für die in Kabul gefallenen Soldat*innen wiederholt auf seine Armbanduhr geschaut hat, wird er nun von trauernden Familienangehörigen kritisiert.

Neben 169 Afghan*innen wurden vergangenen Donnerstag insgesamt 13 US-Einsatzkräfte bei einem Selbstmordanschlag nahe des Flughafens in Kabul getötet. Allein die Zahl der Opfer machte es damit zu einem der verheerendsten Tage im Laufe des mittlerweile 20-jährigen Einsatzes der Vereinigten Staaten in Afghanistan – und das nur wenige Tage vor dem geplanten Truppen-Abzug.

Biden checkt seine Uhr, 13 Mal

Joe Biden drückte unmittelbar danach sein Beileid in einer Pressemitteilung des Weißen Hauses aus: "Sie alle waren Helden, die zum Schutz anderer und im Dienste der höchsten amerikanischen Ideale das größtmögliche Opfer erbracht haben." Ihr Mut und ihre Selbstlosigkeit habe es über 117.000 gefährdeten Menschen ermöglicht, in Sicherheit gebracht zu werden.

Am Sonntag wollte Joe Biden den Hinterbliebenen Amerikaner*innen auch persönlich sein Beileid ausdrücken. Dazu nahm er an der Zeremonie zu Ehren der Gefallenen teil, schaute währenddessen jedoch wiederholt auf seine Armbanduhr. Einer der Väter der getöteten Marine-Soldat*innen, Darin Hoover, wurde dazu von Fox News interviewt. Dort sagte er: "Allen 13 Gefallenen wurde salutiert. Bei allen 13 hat der Präsident auf seine Uhr gesehen."

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Mark Schmitz, der Vater eines zweiten Gefallenen, wurde zu der Trauerfeier von der Washington Post interviewt. Dort sagte er: "Es war für mich das respektloseste Verhalten, das ich je gesehen habe." Weiter berichtete Schmitz über das persönliche Treffen mit dem US-Präsidenten, das der Trauerfeier vorangegangen war.

Biden soll niemals die 13 Namen vergessen

Biden hatte dort keine Rede gehalten. Stattdessen kondolierte er allen trauernden Familien, die sich grüppchenweise in einem großen Raum aufhielten, einzeln. Allerdings traf er dabei nicht für alle Hinterbliebenen den richtigen Ton.

Biden sprach demnach viel über seinen eigenen, vor sechs Jahren verstorbenen, Sohn Beau. Auch der hatte gedient, in Irak, verstarb dann später an einem aggressiven Hirntumor. Biden spricht seither regelmäßig über seinen Sohn, wohl auch, um eine gemeinsame Basis mit anderen Trauernden und Hinterbliebenen zu schaffen.

Doch während einige der 13 Familien Biden gar nicht erst treffen wollten, unterbrachen andere Bidens Erzählungen von seinem Sohn. So sagte Schmitz der Washington Post, dass er lieber über seinen eigenen verstorbenen Sohn habe sprechen wollen: "Ich sagte dem Präsidenten, er solle den Namen meines Sohnes nie wieder vergessen. Und sein Gesicht. Und dass er sich Zeit nehmen solle, um die Geschichten der anderen 12 zu lernen."

Für die Blicke auf die Uhr wurde Biden scharf kritisiert (Bild: AFP / SAUL LOEB)
Für die Blicke auf die Uhr wurde Biden scharf kritisiert (Bild: AFP / SAUL LOEB)

Auch wenn Schmitz, wie viele andere der Hinterbliebenen vom Verhalten ihres Präsidenten verärgert waren, eines hielten sie ihm zugute: Die Karte, die Biden immer bei sich trägt und auf der sämtliche Opfer der US-Streitkräfte vermerkt sind. "Ganz am Ende stand darauf ‚+ 13‘. Ich weiß, es ist nur eine Zahl, aber sie erinnert ihn ab jetzt immer daran und stimmt ihn nachdenklich. Das reche ich ihm an", sagte Schmitz.

Verständnis für widersprüchliches Verhalten

Der wollte das Verhalten Bidens aber auch nicht zu sehr politisieren. So habe sich Schmitz in den vergangenen Tagen auch selbst äußerst widersprüchlich verhalten: Erst wollte er Biden gar nicht treffen – er hatte bei der vergangenen Präsidentschaftswahl auch gegen ihn gestimmt. Auf der Trauerfeier entschied sich Schmitz aber um. Dann wollte er Bidens Hand nicht schütteln, tat es aber doch. Und grundsätzlich stimmt er Biden auch zu, dass der Truppenabzug aus Afghanistan notwendig war. Nur eben nicht auf die erfolgte Art und Weise.

"Es muss einer der schwierigsten Momente für Biden gewesen sein. Er hat als Oberbefehlshaber der Streitkräfte die Entscheidung zum Abzug aus Afghanistan getroffen. Dann stehst du wenige Tage später inmitten der folgenschweren Auswirkungen. Man kann aber auch nicht einfach die Hinterbliebenen umarmen, als hätte man selbst nichts damit zu tun", sagte Schmitz. 

Dazu passt auch der emotionale Ausbruch einer trauernden Frau, die nach der Zeremonie plötzlich zu schreien begann und dabei auf Biden deutete. Sie sagte laut Schmitz: "Ich hoffe, du schmorst in der Hölle! Das war mein Bruder!"

VIDEO: Biden: "Wir werden euch jagen und euch büßen lassen"

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