Blinken verteidigt Afghanistan-Abzug gegen Kritik der US-Republikaner

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Außenminister Blinken bei Kongressanhörung (AFP/SAUL LOEB)

US-Außenminister Antony Blinken hat den chaotischen Afghanistan-Abzug bei einer Kongressanhörung gegen scharfe Kritik der oppositionellen Republikaner verteidigt. "Selbst die pessimistischsten Einschätzungen haben nicht vorhergesagt, dass die (afghanischen) Regierungstruppen in Kabul zusammenbrechen würden, während noch US-Einheiten vor Ort sind", sagte der per Video zugeschaltete Blinken am Montag vor dem Auswärtigen Ausschuss des Repräsentantenhauses. Die US-Regierung habe sich aber auf eine Vielzahl möglicher Szenarien vorbereitet und entsprechende Pläne ausgeführt.

Blinken verwies insbesondere auf den großangelegten Evakuierungseinsatz, mit dem die USA und ihre Verbündeten rund 124.000 Menschen aus der afghanischen Hauptstadt ausflogen. "Die Evakuierung war eine außergewöhnliche Anstrengung - unter den schwierigsten Bedingungen - unserer Diplomaten, Soldaten und Geheimdienstmitarbeiter."

Die Republikaner nutzten die Anhörung für scharfe Kritik an der Regierung von Präsident Joe Biden. "Das war eine totale Katastrophe epischen Ausmaßes", sagte der ranghöchste konservative Abgeordnete des Ausschusses, Mike McCaul. "Ich hätte nie gedacht, dass ich zu Lebzeiten eine bedingungslose Kapitulation vor den Taliban miterleben werde."

Blinken verwies in seinen Ausführungen allerdings darauf, dass Bidens republikanischer Vorgänger Donald Trump den Taliban im Februar 2020 einen vollständigen Truppenabzug aus Afghanistan bis Mai 2021 zugesagt hatte. "Wir haben eine Frist geerbt, aber wir haben keinen Plan geerbt", sagte der Außenminister.

Blinken verteidigte außerdem das Festhalten des von Biden schließlich festgelegten Abzugsdatums 31. August. "Es gibt keinen Hinweis darauf, dass ein längerer Verbleib die afghanischen Sicherheitskräfte oder die afghanische Regierung widerstandsfähiger oder eigenständiger gemacht hätte", sagte der Minister. "Wenn 20 Jahre und hunderte Milliarden Dollar an Unterstützung, Ausrüstung und Training nicht ausgereicht haben, warum sollte es dann ein zusätzliches Jahr, oder fünf, oder zehn?"

Die radikalislamischen Taliban hatten im August inmitten des US-Truppenabzugs die Macht in Afghanistan wieder an sich gerissen und die USA damit schwer gedemütigt. Die USA und ihre Verbündeten versuchten in einer dramatischen Evakuierungsaktion, ihre Staatsangehörigen und afghanische Ortskräfte außer Landes zu bringen. Zahlreiche Menschen blieben aber nach dem Abschluss des Militäreinsatzes Ende August in dem Land zurück.

Der Afghanistan-Abzug wurde damit für Biden zur größten Krise seiner bisherigen Amtszeit. Blinken wird sich am Dienstag den Fragen der Senatoren über den Abzug stellen müssen.

fs/ck

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