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Fakt oder falsch? Fünf bekannte Gesundheitsmythen im Check

Gesundheit beschäftigt einfach jeden. Wir Menschen reden über unsereBildquelle: Fotolia Gesundheit, geben Ratschläge zum Gesundwerden und tauschen uns über Krankheiten aus. Da ist es kein Wunder, dass sich über die letzten Jahrhunderte hinweg zahlreiche Mythen über Gesundheit und Krankheit angehäuft haben. Wer hat noch nicht bei Durchfall zu Salzstangen und Cola gegriffen? Und wer hat beim Fingerknacksen nicht schon die mahnende Mutter erlebt, die behauptet, dass dadurch die Gelenke zerstört werden? Yahoo! Nachrichten checkt fünf bekannte Gesundheitsmythen auf ihren Wahrheitsgehalt.

Mythos 1: "Wer viele Karotten isst, der sieht besser."

Das ist nur die halbe Wahrheit. Richtig ist, dass Möhren eine Vorstufe von Vitamin A, nämlich Beta Karotin, enthalten und dass ein Mangel an diesem Vitamin zu Sehstörungen im Dämmerlicht und Dunkeln führt. Beta Karotin verleiht Karotten übrigens ihre orange Farbe.

Das heißt aber nicht, dass Möhren generell gut für die Augen sind: Erstens hilft Vitamin A nämlich nur beim Sehen im Dunkeln. Zweitens wird der Vitamin-A-Bedarf bei einer ausgewogenen Ernährung  bereits durch andere Lebensmittel wie Eigelb und Leberwurst gedeckt - zusätzliches Vitamin A aus den Karotten wird dann nicht verwertet.

Fazit: Bei einer ausgewogenen Ernährung bringen Karotten keinen Vorteil für die Sehstärke. Wer jedoch zu wenig Vitamin A mit der Nahrung aufnimmt, den können Möhren beim Nachtspaziergang besser sehen lassen.

Mythos 2: "Fingerknacken macht Arthrose und zerstört die Gelenke."

Auch Donald Ungers Mutter hatte diesen Mythos vor langer Zeit einmal ihrem Sohn eingetrichtert. Heute weiß es der amerikanische Arzt  besser: 50 Jahre lang knackte er in einem Selbstversuch an der rechten Hand mindestens zweimal täglich seine Finger. Die linke Hand ließ er hingegen in Ruhe. 36.500 mal Knacken später hatte er an der Knack-Hand noch immer intakte Finger und keine Probleme. Er folgerte daraus, dass Fingerknacken keine Schäden verursacht. Inzwischen wird das übrigens auch von offiziellen Studien und Orthopäden bestätigt, denn beim Fingerknacken werden nicht die Knochen in Mitleidenschaft gezogen: Es ist eine Gasblase im Gelenkspalt, deren Zerplatzen das Knack-Geräusch erzeugt.

Fazit: Solange die Gelenke beim Fingerknacken nicht überdehnt werden und man keine Schmerzen verspürt schadet die Angewohnheit nicht.

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Mythos 3: "Rotwein ist gut für das Herz"

Der Rotwein und das Herz - ein medizinischer Dauerbrenner ohne endgültiges Ergebnis. Fest steht: Regelmäßiger Rotweinkonsum wird oft als Erklärung für das „französische Paradoxon" verwendet. Damit ist die geringe Zahl an Herzerkrankungen in Frankreich trotz fettigen Essens gemeint. Für den Rebensaft sprechen außerdem seine Inhaltsstoffe, vorneweg die sogenannten Phenole. Ihre antioxidativen und Cholesterin senkenden Eigenschaften haben in Tierversuchen positive Auswirkungen auf die Gefäße gezeigt. Auf der anderen Seite konnte dies beim Menschen noch nicht hinreichend bewiesen werden. Außerdem gibt es auch noch keine wissenschaftlichen Beweise dafür, dass Rotwein deutlich besser für die Herzgesundheit sein soll als etwa Weißwein oder Bier.

Fazit: Auf dem Symposium „Wein im Blickfeld der Medizin" des Deutschen Herz Zentrums Berlin warnten Experten vor übereilten Schlussfolgerungen. Schließlich ist die schädigende Wirkung von Alkohol im Gegensatz zu seinem Nutzen hinlänglich bekannt. Moderater Rotweingenuss ist aber sicherlich mehr recht als schlecht - allein schon wegen der Lebensqualität...

Mythos 4: "Kondome sind die besten Verhütungsmittel"

Das ist schlichtweg falsch! Zwar schützen Kondome bei richtigem Gebrauch zuverlässig vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Bei der Empfängnisverhütung stehen die Latextüten aber nicht an erster Stelle. Das zeigt der sogenannte „Pearl-Index", der die Sicherheit einer Verhütungsmethode beschreibt. Ein Beispiel: 100 Frauen verwenden ein Jahr lang mit ihrem Partner als einzige Empfängnisverhütung Kondome. In dieser Zeit werden im Durchschnitt zwei bis zwölf Frauen ungewollt schwanger. Der Pearl-Index für diese Verhütungsmethode beträgt folglich 2 bis 12. Viel sicherer ist die Antibabypille mit einem Pearl-Index von 0,1 bis 0,9, wenn sie regelmäßig eingenommen wird.

Fazit: Die Pille und andere  hormonellen Verhütungsmittel sind bei der Empfängnisverhütung sicherer als Kondome. Sie können allerdings unerwünschte Nebenwirkungen mit sich bringen.

Mythos 5: "Bei Durchfall sind Salzstangen und Cola die beste Heimtherapie."

Die Idee hinter der zuckerhaltigen Cola und den Salzstangen ist eigentlich nicht schlecht: Das alte Hausrezept soll bei Durchfallerkrankungen den Flüssigkeits- und Mineralstoffverlust ausgleichen. In der Realität klappt das aber leider nicht so gut. Der Grund: Zuviel Zucker aus der Cola führt zu einer noch höheren Wasserabgabe ins Darminnere. Experten sagen deswegen: Vor allem für Kinder ist die Cola-Salzstangen-Kombination ungeeignet. Besonders wegen der Cola: Von koffeinhaltigen Getränken mit Kohlensäure sollten Kinder bei Magendarm-Erkrankungen ohnehin die Finger lassen.

Fazit: Cola und Salzstangen werden bei Durchfall nicht empfohlen. Besser sind Tees und Mineralwasser, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Die Elektrolyte werden am besten mit Präparaten aus der Apotheke ersetzt.

Autor: Felix Gussone

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