Gefahr aus dem Wasser: Was Kontaktlinsenträger beim Schwimmen beachten sollten

Felix Gussone
In Form!

Die Vorteile von Kontaktlinsen beim Baden oder Wassersport liegen scheinbar auf der Hand: Die Sehhilfen im Auge beschlagen nicht, machen jede Bewegung mit und passen zudem problemlos unter die Schwimm- oder Taucherbrille. Was auf den ersten Blick so unkompliziert erscheint, führt aber im schlimmsten Fall zu schweren Augenentzündungen, die sogar den Verlust des Augenlichts zur Folge haben können. Grund dafür sind Erreger aus Meer-, Pool-, oder sogar Leitungswasser, die besonders häufig Kontaktlinsenträger befallen.

Für die 28-jährige Britin Jennie Hurst sollte es ein sonniger und entspannter Tag am Pool werden. Dass sie drei Tage später eine Irritation am Auge bemerkte, verunsicherte sie zunächst nur wenig. Mittlerweile ist Jennie auf ihrem linken Auge erblindet. Der Grund: Die Kontaktlinsenträgerin hatte vor dem Schwimmen ihre Sehhilfen im Auge gelassen und sich eine schwere Infektion mit einer weit verbreiteten Wasser-Amöbe eingefangen, wie britische Medien berichten.

Wie kann das passieren?

Egal ob Meerwasser, Badeseen, Flüsse, Schwimmbäder, Hotelpools oder sogar Leitungswasser - wir Menschen tummeln uns im erfrischenden Nass nicht alleine: Bakterien, Amöben, Pilze, Algen und Parasiten finden im Wasser ihren natürlichen Lebensraum. Dies ist soweit harmlos, solange die Tiere nicht in größerer Menge in unseren Körper gelangen.

Das Auge - ohnehin schon eine beliebte Anlaufstelle für Erreger aus dem Wasser - ist bei Kontaktlinsenträgern jedoch einem erhöhten Risiko ausgesetzt.

Dies hat zwei zentrale Gründe. Erstens: Die Erreger können sich bei fehlerhaftem Gebrauch und mangelnder Desinfektion unter den Sehhilfen vermehren. Zweitens: Kleinste Hornhautverletzungen durch die Kunststofflinsen - sogenannte Mikrotraumen - sorgen für ideale Eintrittspforten, durch die Amöben oder Bakterien in die Hornhaut treten können.  

Acanthamöbeninfektion - Kehrseite der Brillenfreiheit?

Acanthamöben sind Einzeller und gehören zu den häufigsten freilebenden Amöben im Boden und Wasser. Für den Menschen werden sie dann gefährlich, wenn sie beim Schwimmen in die Augen gelangen und dort eine Entzündung der Hornhaut auslösen. Dies kann grundsätzlich bei allen Menschen passieren. Bei Kontaktlinsenträgern sind die oben erwähnten Mikrotraumen an der Augenoberfläche jedoch ideale Eintrittspforten für die Akanthamöben.

Im Fall der Britin Jennie Hurst wanderten die Erreger durch die Hornhaut und führten dort zu einer komplizierten Entzündung, die in diesem schweren und glücklicherweise seltenen Fall letztendlich zur Erblindung führte. Doch was soll man nun tun mit den Linsen im Schwimmbad, am Badesee oder im Meer? Welche Einschränkungen gibt es und muss man vielleicht sogar auf die ungeliebte Brille ausweichen?

Kontaktlinsen und Wasser: Worauf muss ich achten?

Wer ganz auf Nummer sicher gehen und das Risiko einer Amöben-Infektion verringern möchte, dem rät das US-amerikanische „Center for Disease Control", die Kontaktlinsen vor jeglichem Wasserkontakt zu entfernen. Dies gilt sowohl für Duschen und Baden, als auch für Schwimmen in Pools, einem Badesee oder dem Meer! Auch die „British Contact Lens Association" empfiehlt, beim Schwimmen auf Kontaktlinsen zu verzichten.

Wer beim Baden trotzdem den Überblick behalten möchte oder beim Tauchen und Surfen keine Sehbrille tragen kann, der sollte seine Augen und Kontaktlinsen zumindest durch eine wasserdichte Schwimmbrille schützen.

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Eine weitere Möglichkeit ist das Tragen von Tageslinsen. Sie sollten direkt nach dem Schwimmen oder Tauchen rausgenommen und weggeworfen werden. So entgeht man dem Risiko, dass die normalen Linsen über einen längeren Zeitraum durch Mikroben, Verschmutzungen und Chlor nachhaltig verändert werden und sie das Auge durch Irritationen oder Infektionen schädigen.

Es ist also sinnvoll, für den Urlaub rechtzeitig und zusätzlich zu den normalen Kontaktlinsen bei Optiker Tageslinsen anzuschaffen.

Auch der Verlust kann gefährlich sein

Kontaktlinsen sind mit dem Auge nicht fest verbunden sondern liegen ihm lediglich auf. Bei einem hohen Wellengang im Meer oder bei undichten Taucherbrillen mit einströmendem Wasser sollte deswegen auch ein möglicher Verlust der Sehhilfen beachtet werden, der beim Surfen oder Tauchen nicht nur unangenehm sondern auch gefährlich sein kann. Harte Kontaktlinsen schwimmen nur auf dem Tränenfilm der Augen und haben einen kleineren Durchmesser. Deswegen werden sie häufiger aus dem Auge gespült.

Da weiche Kontaktlinsen der Hornhaut relativ fest anliegen und einen Durchmesser von bis zu 14,5 Millimeter haben, gibt es mit ihnen weniger Verlust-Probleme. Vor einem Urlaub mit geplantem Wassersport oder Tauchen sollte man sich deswegen auf jeden Fall vom Optiker beraten lassen. Bei regelmäßigen Aktivitäten im Wasser empfiehlt es sich außerdem, über das Lasern der Hornhaut nachzudenken - Brille oder Kontaktlinsen werden dann überflüssig.

Checkliste für Kontaktlinsenträger

  • Kontaktlinsenträger sollten versuchen, jeglichen Wasserkontakt mit ihren Augen bzw. Kontaktlinsen zu vermeiden um Infektionen und Verunreinigungen vorzubeugen
  • Wer keine Taucherbrille über den Kontaktlinsen tragen möchte, der sollte wenigstens für die Urlaubstage auf Tageslinsen umsteigen und diese nach dem Baden entsorgen
  • Kommen normale Kontaktlinsen trotz Taucherbrille mit Wasser in Berührung, so sollten sie so schnell wie möglich gründlich und mit frischer Reinigungslösung gesäubert werden
  • Niemals darf Leitungswasser zum Reinigen der Kontaktlinsen verwendet werden - auch nicht im Urlaub!
  • Bemerkt man nach dem Baden ein Fremdkörpergefühl, Schmerzen, Lichtempfindlichkeit oder eine Rötung im Auge, so muss schnellstmöglich ein Augenarzt konsultiert werden

Autor: Felix Gussone

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