Schädlich oder nicht? So behält man den Durchblick bei Strahlung

Ob wir wollen oder nicht: Unser Körper ist Tag für Tag verschiedenen Arten von Strahlung ausgesetzt. Egal ob energiereiche Strahlen aus dem Weltraum, radioaktive Gesteine und Gase oder sogar Überbleibsel in der Umwelt von früheren Kernwaffentests und der heutigen Atomenergie - unser Organismus muss mit der unsichtbaren „Belastung" wohl oder übel zurechtkommen. Und dann ist da natürlich auch noch die Medizin: Ohne radioaktive Strahlen wären viele Untersuchungsverfahren und sogar Therapiemethoden heutzutage undenkbar. Wie sieht die alltägliche Strahlenbelastung aus? Ab wann wird sie gefährlich und was macht sie eigentlich mit unserem Körper? Sind Röntgenuntersuchungen und die Computertomographie krebserregend? Yahoo! Nachrichten bringt es auf den Punkt.

Wenn „radioaktive" Strahlung in unseren Körper eindringt, dann entstehen im Gewebe reaktive Teilchen. Diese sogenannten „Ionen" können in unserem Organismus Schaden anrichten, indem sie Körperzellen zerstören, zu ihrem Tod führen und unsere Erbsubstanz, die DNA, verändern.

Die Beeinflussung unserer Erbsubstanz ist der zentrale Grund dafür, warum Strahlenbelastung in manchen Fällen zu Krebs führen kann: Bei der nächsten Zellteilung wird ein durch die Strahlung entstandener Fehler (Mutation) an die neue Zelle weitergegeben. Mit der Zeit können auf diese Weise große Mengen geschädigter Zellen entstehen, die im schlimmsten Fall entarten und zu einem Tumor heranwachsen.

Ab wann wird Strahlung gefährlich?

Zunächst einmal sei gesagt: Vor der alltäglichen, natürlichen ionisierenden Strahlung aus der Umwelt und dem Weltraum geht in Deutschland keine Gefahr aus. Der Grund: Gesunde Zellen sind in der Lage, viele Schäden zu reparieren oder geschädigte Strukturen gezielt abzubauen. Übersteigt die Strahlungsdosis jedoch einen bestimmten Wert, so funktioniert dieser natürliche Schutz nicht mehr.

Um Vergleichswerte für die Strahlenbelastung zu erhalten, gibt man sie in „Millisievert" an. In Deutschland sind es laut dem Bundesamt für Strahlenschutz (Bfs) im Durchschnitt 2,1 Millisievert im Jahr, mit denen wir konfrontiert werden. „Bei dieser Dosis von ionisierender Strahlung, der wir im Durchschnitt jährlich ausgesetzt sind, ist das Risiko für die Entstehung von Erkrankungen extrem gering", bestätigt Dr. Jacob vom Institut für Strahlenschutz in München.

Zum Vergleich: Erst 100 Millisievert gelten als gefährlicher Grenzwert und eine Einzeldosis von 5000 Millisievert führt in etwa in 50 Prozent der Fälle innerhalb eines Monats zum Tod. Dieser Größenordnung waren beispielsweise die Arbeiter im japanischen Kernkraftwerk Fukushima ausgesetzt.

Strahlen in der Medizin: Eine Risiko-Nutzen Abwägung

Aus der modernen, westlichen Medizin sind Diagnostikmittel wie Röntgen, Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) und Computertomographie (CT) schon lange nicht mehr wegzudenken. Im Gegensatz zu der harmlosen MRT liegt bei Röntgen und CT jedoch eine Strahlenbelastung vor, die gesundheitsschädlich sein kann. Doch selbst hier gibt es noch Abstufungen:

Man muss sehr genau differenzieren zwischen einer Röntgenaufnahme und einem CT. Eine normale Röntgenaufnahme hat im Gegensatz zum CT eher geringere Strahlendosen zur Folge. Beim CT ist das anders: Ein durchschnittlicher Wert liegt hier bei circa 10 Millisievert. Sie sind also bei einem CT dem Fünffachen an Strahlung ausgesetzt, die Sie normalerweise in einem Jahr abbekommen", erklärt Dr. Jacob.

Bei einer Röntgenuntersuchung ist die effektive Dosis zudem davon abhängig, welcher Körperteil durchleuchtet wird. Während einer Zahnuntersuchung beträgt die Dosis beispielsweise lediglich 0,01 und bei einer Mammografie (Röntgenuntersuchung der Brust) bis zu 0,6 Millisievert.

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Computertomographie: Viele Röntgenbilder, viel Strahlenbelastung

Bei der Computertomographie sieht es etwas anders aus: Da hier für die Bilderzeugung des Körperinneren eine Vielzahl von Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Richtungen in der Röhre erstellt wird, ist auch die Strahlungsbelastung deutlich höher. Der Informationsdienst des deutschen Krebsforschungsinstitutes gibt hier Werte an, die sich zwischen 3 Millisievert bei einem Kopf-CT bis hin zu 20 Millisievert bei einer Abbildung des Bauchraumes bewegen.

Bei diesen Werten sollte man immer im Hinterkopf behalten, dass die normale, jährliche Strahlenbelastung bei 2,1 Millisievert liegt - ein einziges Bauch-CT entspricht dem zehnfachen Wert davon!

Neue Studie zeigt: CT erhöht das Krebsrisiko bei Kindern

In der neusten Studie zu dem Thema CT und Krebsentstehung wurde eine klare Korrelation deutlich: Kinder, die bis zum 15. Lebensjahr zwei oder drei Computer­tomographien des Schädels erhielten, besaßen ein dreifach erhöhtes Risiko, später an einem Hirntumor zu erkranken. Bei fünf bis zehn Untersuchungen in der CT-Röhre verdreifachte sich außerdem auch das Leukämie­risiko.

Experten im New England Journal of Medicine hatten schon vor einigen Jahren verlauten lassen, dass das Krebsrisiko durch die Computertomografie allgemein unterschätzt wird: Glaubt man ihrer Studie, so könnten in den USA 1,5 bis 2 Prozent aller künftigen Krebserkrankungen Spätfolgen des gegenwärtigen Booms bei den CT-Untersuchungen sein!

Wie hoch das Krebsrisiko durch einzelne CT-Untersuchungen ist, wurde noch nicht in einer größeren epidemiologischen Studie untersucht und es ist auch schwer, darüber eine klare Aussage zu machen. Ein Risiko für einen Tumor steigt nämlich auch hier mit der Anzahl der Untersuchungen.

Röngten und CT kritisch hinterfragen

In Deutschland sind Ärzte verpflichtet, neben Röntgen und CT-Untersuchungen auch Verfahren mit geringerer oder keiner Strahlenexposition zu berücksichtigen. Hierunter fallen zum Beispiel die Ultraschalluntersuchung oder Magnetresonanztomographie. Ärztliche Praxen oder Institutionen, in denen Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden, sind außerdem aufgerufen, den Patienten Röntgenpässe anzubieten. Ein solcher Pass ist eine gute Möglichkeit, unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden und den Überblick zu behalten.

Sicherlich sind Röntgen und CT-Untersuchungen in einigen Fällen unabdingbar und alternativlos. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte aber gezielt nachfragen, warum die Röntgenuntersuchung notwendig ist und ob alternative Diagnoseverfahren eingesetzt werden können.

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