Hinrichtung in der Vorweihnachtszeit

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Ehrenmord, Drogenhandel und nun eine Hinrichtung auf offener Straße? Die kriminelle Energie des in Deutschland geborenen Türken Ahmet Calp, 31, scheint grenzenlos. Er ist der Hauptverdächtige im Mordfall Recep Aksu, einem Delikt, das in Berlin Ende 2011 für Schlagzeilen sorgte. Es war wohl nicht sein erstes schweres Verbrechen.

Als er 19 Jahre alt war, tötete Ahmet Calps seine 26 Jahre alte Schwester Hülya. Das war im März 2002. Die Schwester – selbst Mutter einer Tochter - wollte sich von ihrem türkischen Ehemann trennen. Sie lebte nach Calps Auffassung zu freizügig. So fuhr Ahmet Calp gemeinsam mit dem Ehemann in die Wohnung des neuen Freundes der Schwester in Berlin-Treptow. Im Streit streckte Calp seine Schwester mit fünf Messerstichen nieder. Sie starb.

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Für dieses als „Ehrenmord“ betitelte Delikt wurde Calp zu siebeneinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt – allerdings wegen Totschlags. Aus dem Vollzug kam er indes bereits nach vier Jahren wieder heraus, wegen guter Führung.

Im Gefängnis scheint die kriminelle Energie Calps noch gewachsen zu sein. So war er bald danach im Drogenhandel aktiv. Er wurde 2009 erneut verurteilt: Er war erwischt worden, als er Drogen aus den Niederlanden nach Deutschland schmuggelte. Die Polizei fand bei ihm 40 Kilogramm verschiedener Substanzen. Bewährungsstrafe.

Die scheint Calp nicht weiter abgeschreckt zu haben. Vielmehr hat er, so stellen es die Ermittler dar, mit seinem alten Bekannten Recep Aksu weiter mit Drogen gehandelt. Die beiden waren demnach auf den Transport der Rauschmittel aus den Niederlanden spezialisiert, nutzten Mietwagen.

Hinrichtung auf offener Straße

Doch es gab wohl Streit zwischen Aksu und Calp. Laut Erkenntnissen der Ermittler wollte Aksu „sich im Rauschgifthandel selbstständig machen“ von Calp und dessen Partnern. Am 18. November 2011 sollen Calp und Komplizen den Landsmann in seinem Massagesalon „Saloon of Sultans“ brutal misshandelt haben. Später berichtete ein Dönerwirt, er habe mit dem ramponiert aussehenden Aksu gesprochen. Das blaue Auge und seine Verletzungen habe er auf einen Autounfall geschoben. Es habe aber eher nach Schlägerei ausgesehen. Beim brutalen Besuch am 18. November 2011 sollen Calp und seine Mitstreiter eine ganze Reihe wertvoller Gegenstände mitgenommen haben, darunter Massagestühle, eine Telefonanlage, ein Notebook, eine originalverpackte Spülmaschine und anderes mehr.

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Dafür stand wohl seit dem Überfall etwas anderes im Raum: „Bei diesem Aufeinandertreffen dürfte der Tatverdächtige seinem späteren Opfer ein Ultimatum gesetzt haben, welches am 17. Dezember 2011 verstrich“, heißt es von der Polizei. Nach Ablauf der Monatsfrist folgte die Hinrichtung Aksus, eines 46 Jahre alten Vaters zweier Kinder.

In Berlin-Kreuzberg wurde er am 17. Dezember 2011 um etwa 17.40 Uhr auf der vorweihnachtlich dekorierten Großbeerenstraße mit vier Schüssen niedergestreckt. Zeugen beschreiben die Tat als „Hinrichtung“. Gesehen wurde, wie ein Mann mit Kapuzenpullover davonrannte. Seit die Ermittler das Umfeld des Opfers ausgewertet und die Spur zu Calp gefunden haben, fahnden sie nach dem Vorbestraften. Die Vermutung: Er könnte ins Ausland geflohen sein. Der auffällig kleine Mann (1,63 Meter) wird europaweit gesucht. Gegen seine Mittäter, den Bruder und einen Schwager, erhob die Staatsanwaltschaft schon im vergangenen Jahr Anklage wegen schweren Raubs. Und die Polizei präsentierte 230.000 Euro sowie Schmuck, den sie in Schließfächern von Calps Familienangehörigen gefunden hatte.

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