Aufs Glatteis geführt: Forscher suchen den perfekten Winterschuh

Nachgefragt

Unterirdische Anlage: Im kanadischen Winterlab suchen die Forscher nach neuen Möglichkeiten, sich sicherer im Winter fortzubewegen. (Bild: Sid Tabak)

Nur ein unbedachter Schritt kann im Winter lebensgefährlich sein. Tausende Menschen stürzen jedes Jahr auf Schnee und Eis und verletzen sich schwer, manche sterben sogar. Kanadische Forscher wollen die kalte Jahreszeit nun sicherer machen. In einem speziellen Winterlabor suchen sie nach den perfekten Schuhen und der besten Kleidung für die kalte Jahreszeit.

Von der unspektakulären blauen Box erhoffen sich die Forscher des University Health Networks in Toronto, Kanada, entscheidende Erkenntnisse, um die Fortbewegung im Winter sicherer zu machen. Das sechs auf sechs Meter große Winterlabor simuliert, der Name verrät es schon, Winterbedingungen. Auf Knopfdruck gibt es vereiste Oberflächen, künstlichen Schneefall und eisigen Wind. Institutsleiter Geoff Fernie will so herausfinden, welche Sohlen bei welchen Bedingungen den besten Halt geben, welche Handschuhe die Finger am besten wärmen, ob Spikes an einem Rollator sinnvoll sind und warum man im Winter überhaupt den Halt verliert.

„Vor allem bei älteren Menschen sind Oberschenkelhalsbrüche und Kopfverletzungen nach Stürzen häufig. Viele Ältere trauen sich nicht, im Winter nach draußen zu gehen“, sagt Fernie im Gespräch mit Yahoo!. An eisigen Tagen seien die Notaufnahmen überfüllt. „Die Herstellung von besserem rutschfestem Schuhwerk ist für die Gesundheit wichtig. Gerade in Ländern wie Kanada, wo der Boden üblicherweise 150 Tage im Jahr mit Eis und Schnee bedeckt ist“, meint Fernie. Die Rutschforscher wollen auch Verfahren entwickeln, um Schuhe zu kennzeichnen. Verbraucher sollen gleich beim Kauf erkennen, welche Treter bei den verschiedenen Bedingungen sinnvoll sind.

Das Winterlab gehört zu einer unterirdischen Forschungsanlage, dem 36 Millionen Dollar teuren Zentrum für Rehabilitationsforschung. Neben dem Winterlabor gibt es noch einen Straßensimulator und ein Labor für allgemeinere Versuche, wie beispielsweise für die Untersuchung der Sicherheit von Treppen. Ein moderner Fahrsimulator werde gerade gebaut, erzählt Fernie, ein Hubschraubersimulator soll folgen.

Seit dem Frühjahr 2012 herrscht in dem Kubus Dauerwinter. Gekühltes Glykol im Boden des Winterlabs hält das Eis gefroren und die Lufttemperatur konstant bei minus zehn Grad Celsius. Große Ventilatoren sorgen für verschiedene Windgeschwindigkeiten, eine weitere Maschine für Schnee. Ein hydraulisches Gerüst kann den Kubus kippen, um sogar Hänge bis zu einem Winkel von bis zu 23 Grad zu simulieren.

Auf der Suche nach dem perfekten Winterschuh müssen sich die Testpersonen auch schon mal aufs künstliche Glatteis führen lassen. (Bild: Sid Tabak)

Die ersten Versuche konzentrierten sich auf die Suche nach dem perfekten Winterschuh, erzählt Fernie. Testpersonen mussten aufwärts und abwärts über nasses Eis laufen. „Es gibt bereits spannende Erkenntnisse“, sagt der Wissenschaftler. Bei über 15 Grad steilen eisigen Hängen hätten neue, experimentelle Materialien „auffallend gut“ funktioniert und sich als rutschfester erwiesen als bisherige Schuhe. „Um Details zu verraten, ist es noch zu früh“, meint Fernie. „Wir gehen aber davon aus, dass die Ergebnisse dieser Versuche sich in naher Zukunft in Produkten wiederfinden.“

Bei anderen Tests befestigten die Forscher kleine Metall-Spikes an Krücken. So wollten sie herausfinden, ob die Gehhilfen auf vereisten Flächen nicht mehr wegrutschen. Selbst Motorroller jaulten schon in dem gekühlten Labor auf, um zu sehen, wie die Fahrzeuge bei Schnee und Eis reagieren. Jede Zuckung hält der 3D-Bewegungsmesser für spätere Analysen fest. Für die Versuchspersonen ist das Winterlab ein High-Tech-Spaß, für die Forscher eine Hoffnung auf sicherere Winter. Natürlich auch in Deutschland.