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Barack Obama – Was nun vor ihm liegt

Kommentar

Amerika hat sich gnädig gezeigt - und dem strauchelnden Präsidenten Barack Obama noch einmal eine zweite Chance gegeben. Ein erstaunlicher Vertrauensvorschuss
- nach einer ersten Amtszeit ohne Glück und einem Wahlkampf ohne Glanz. Dennoch hat die USA eine kluge Wahl getroffen. Denn Obama hat die klarere und bessere Agenda der beiden Kontrahenten. Nun aber liegt ein gewaltiger Berg Arbeit vor ihm.

Barack Obama hat eine zweite Chance erhalten. (Bild: AFP)Es war beinahe ein Elfmeter ohne Torwart: Mitt Romney hatte alle Chancen, der nächste Präsident der Vereinigten Staaten zu werden. Barack Obama, der große Hoffnungsträger von 2008, war entzaubert - gescheitert an zu hohen Erwartungen, die er selbst geschürt hatte. Die Schließung des Gefangenenlagers Guantánamo? Misslungen. Der Kampf gegen den Klimawandel? Gescheitert. Seine Plädoyers für den Frieden? Klangen inhaltslos angesichts tödlicher Drohneneinsätze in Pakistan.

Und dennoch: Obama war der überzeugendere Bewerber der beiden Kandidaten. Denn Obama hat einen Plan, er hat eine Haltung. Die änderte sich auch nicht während eines 17 Monate dauernden, teilweise entwürdigenden Wahlkampfes. Romney hingegen vollzog mehrfach geradezu groteske Kehrtwendungen - je nach Stimmungslage in der Bevölkerung. Egal ob Gesundheitsreform oder Abtreibung - am Ende wusste niemand mehr, wofür der Mormone eigentlich wirklich steht. Bisweilen entstand so der Eindruck, Inhalte seien für ihn Nebensache, was zählt nur der Sprung an die Macht. Dieser Verdacht hat ihm so sehr geschadet, dass ihn selbst seine unstrittige Kompetenz in Wirtschaftsfragen nicht vor der Niederlage zu bewahren vermochte.

Deshalb bekommt Obama nun seine zweite Chance - und was für eine! Er kann regieren, ohne um seine Wiederwahl bangen zu müssen. Zum ersten Mal steht er als Präsident nicht mit dem Rücken zur Wand. Und dennoch: Die Aufgabe vor der er steht, ist gewaltig - denn abermals hat sich Obama selbst große Ziele gesetzt:

Vor allen Dingen muss Obama die US-Wirtschaft ankurbeln und Arbeitsplätze schaffen. Dafür will er Steuererleichterungen für die Mittelschicht beibehalten und gegen Angriffe der Opposition verteidigen. Er setzt sich für Steuervergünstigungen für Firmen ein, die Arbeitsplätze in den USA aufbauen, und für bessere Umschulungsprogramme. Außerdem soll ein Hunderte Milliarden Dollar schweres Programm zur Verbesserung der Infrastruktur viele Arbeitsplätze schaffen. All dies belastet freilich den maroden US-Haushalt immens. Das horrende Defizit von gut einer Billion Dollar jährlich will Obama dennoch verringern - mit Steuererhöhungen für wohlhabende Amerikaner.

Doch das ist noch längst nicht alles, womit sich Obama auch in den kommenden vier Jahren den erbitterten Widerstand der konservativen Opposition einhandeln dürfte. Obendrein will er regenerative Energien fördern und ist ein Freund von härteren Umweltauflagen für Autos. Zudem möchte er jungen illegalen Einwanderen in den USA einen Weg zur US-Staatsbürgerschaft und zu Bildungschancen eröffnen. Eine eben so hehre, wie schwere Mission.

Und als wäre das noch nicht genug, ist Obama mit einem außenpolitischen Pulverfass konfrontiert, für das kein noch so erfahrener Staatsmann eine Lösung weiß: Iran. Auf der einen Seite will Obama keinesfalls einen Krieg beginnen - auch seine Wähler wollen dies nicht. Auf der anderen Seite ist auch für ihn ein Iran im Besitz von Atomwaffen nicht hinnehmbar.

Dass die Amerikaner ihm diese Aufgaben nach all den Enttäuschungen noch anvertrauen, sagt viel darüber aus, wie hoch die Wertschätzung im Land für die Persönlichkeit Obama immer noch ist. Mit seiner Wahl vor vier Jahren hat er als erster schwarzer Präsident Geschichte geschrieben. Nun hat er noch einmal vier Jahre Zeit, um auch als erfolgreicher Präsident in die Geschichte einzugehen.

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