Britische Boygroups – das machen sie heute

Als die Mitglieder der Boygroups aus den 90er Jahren erwachsen wurden, trennten sie sich oft unter den heißen Tränen ihrer weiblichen Fangemeinde voneinander. Unter den britischen Boybands gibt es jedoch echte Ausnahmen, die den Transfer in die Jetzt-Zeit geschafft haben: Blue tritt gerade mit dem Titelsong zum neuen Schweighöfer-Film "Schlussmacher" mit der Single "Hurt Lovers" geeint vors Mikro. Was machen eigentlich die anderen Brit-Boygroups wie Boyzone, East 17, Take That, Westlife oder Words Apart heute? Wer ist als Popband auch ohne Teenager-Bonus am Start, wer geht längst getrennte Wege?

Blue: Simon Webbe, Duncan James, Lee Ryan und Antony Costa (von links) heute.Blue: Simon Webbe, Duncan James, Lee Ryan und Antony Costa (von links) heute.

Blue

Vor 13 Jahren taten sich die vier Jungs zusammen, drei Jahre davon wilderten sie auf Solopfaden durch die Musiklandschaft, seit 2009 singen Simon Webbe, Duncan James, Lee Ryan und Antony Costa wieder wie aus einer Kehle. Die vier Londoner hatten bereits einen erfolgreichen Filmauftritt im Weihnachtsklassiker "Tatsächlich Liebe" (2003). Beweisen müssen Sie sich heute nichts mehr. Die Jungs traten für Großbritannien beim Eurovision Song Contest an und zogen sich im Kampf gegen Homophobie für Englands größtes Schwulenmagazin aus. Sie verkauften weltweit über 20 Millionen Platten, landeten vierzigmal auf Platz 1 der Charts, tourten durch die Welt und standen mit Sir Elton John und Stevie Wonder auf der Bühne. Sieht ganz danach aus, als würden Lee, Antony, Duncan und Simon noch einige gemeinsame Jahre bevorstehen.

Boyzone 2012: Mikey Graham, Shane Lynch, Ronan Keating and Keith Duffy (von links) (Bild: Getty Images)Boyzone 2012: Mikey Graham, Shane Lynch, Ronan Keating and Keith Duffy (von links) (Bild: Getty Images)

Boyzone

Boyzone ist definitiv eine sehr erfolgreiche irische Boyband der 90er Jahre. 1993 gegründet, landeten alle vier Alben von Boyzone in England und Irland auf Platz 1. Über den großen Teich schafften sie es nie – aber im restlichen Europa und in Asien konnten sie sich etablieren. Ronan Keating hatte nach der Trennung im Jahr 2000 eine beachtliche Solokarriere, ehe sich die damals noch fünf Sänger in Originalbesetzung 2007 wieder zusammenfanden. Sie absolvierten ein Jahr später eine komplett ausverkaufte UK-Tour bevor Mitglied Stephen Gatley 2009 an einem Lungenödem starb. Nach diesem Schock wurde es ruhiger um Boyzone. Mit Songs wie "No Matter What", "Words" und "Father and Son" sind sie unvergessen. Boyzone ist immer noch aktiv, aber auch 2012 grüßt von der offiziellen Website das Andenken-Bild von Stephen Gatley.

East 17 2011 mit Tony Mortimer, John Hendy und Terry Coldwell und dem Brian-Harvey-Ersatzmann Blair Dreelan (v.l.; Bild: Action Press)East 17 2011 mit Tony Mortimer, John Hendy und Terry Coldwell und dem Brian-Harvey-Ersatzmann Blair Dreelan (v.l.; …

East 17

East 17, benannt nach dem Londoner East Ende und der Postleitzahl für Walthamstow, hatte die britische Boygroup bis 1996 eine Reihe von erfolgreichen Songs wie "House Of Love", ihrem größten Hit "It’s Alright" und "Thunder". 1996 wurde ein Fall von Drogenmissbrauch des Sängers Brian Harvey bekannt, der die Karriere der Wollzipfelmützen- und Big-Baggy-Hosen-Träger abrupt beendete. Ein Reunion-Versuch 1998 unter dem Namen E-17 kann man als gescheitert ansehen, an frühere Erfolge konnten die Jungs nicht mehr anknüpfen. Die Mitglieder gingen getrennter Wege und arbeiteten zum Teil wieder in ihren alten Berufen. Was danach kam, war nur noch ein peinliches Auf und Ab. Wiedervereinigung, Trennung, gescheiterte Comebackversuche, Austausch von Brian Harvey. Doch Tony Mortimer, John Hendy und Terry Coldwell sind als East 17 immer noch da und es gibt auch ein neues Studioalbum – von Boyband kann aber keine Rede mehr sein.

Take That wiedervereint: Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen, Jason Orange and Robbie Williams (v. l.; Bild: Getty Images)Take That wiedervereint: Gary Barlow, Howard Donald, Mark Owen, Jason Orange and Robbie Williams (v. l.; Bild: …

Take That

Take That ist die erfolgreichste britische Popband, deren Geschichte hinreichend bekannt und dokumentiert sein dürfte. Bekannte Songs der Gruppe sind selbstgeschriebene Titel wie "Back for Good", "Patience" und "Shine", aber auch mit Covertiteln war Take That sehr erfolgreich. Als Robbie Williams 1995 ausstieg und die Band sich 1996 auflöste, spielten sich zum Teil erschreckende Szenarien in der jungen weiblichen Fangemeinde ab, manch eine wollte ohne Robbie und die Band nicht mehr leben. Zehn Jahre später gab es einen Riesenwirbel um die Reunion der fünf Jungs, weil Robbie 2005 nicht mit dabei sein wollte und außerdem mit einer Solokarriere extrem erfolgreich war. 2010 hatte sich das Tamtam gelegt und die fünf Jungs nahmen in kompletter Besetzung das Album "Progress" auf. Das Album knüpfte an die Erfolge alte Zeiten an und gewann sechsfach Platin in Großbritannien und stand auch in Deutschland auf Platz 1 der Albumcharts.

Westlife: Nicky Byrne, Kian Egan, Mark Feehily und Shane Filan (Bild: Getty Images)Westlife: Nicky Byrne, Kian Egan, Mark Feehily und Shane Filan (Bild: Getty Images)

Westlife

Westlife formierten sich 1998 als irische Boygroup mit perfektem Sauberimage. Ronan Keating ist am Erfolg der fünf Jungs nicht unbeteiligt, als Co-Manager gab er Nicky, Kian, Mark und Shane ein Jahr nach der Gründung Starthilfe. In Irland schafften es neun ihrer bisher elf veröffentlichten Alben auf Platz 1, in England immerhin noch sieben. Hinzu kommen beachtliche 14 Nummer-1-Songs in England und 13 in Irland. Hierzulande war Platz acht für "Uptown Girl" die höchste Chartplatzierung. Inzwischen haben die Iren über 40 Millionen Tonträger verkauft und sich 2012 mit einer Tournee genauso sauber verabschiedet wie sie 14 Jahre zusammen gesungen haben und gehen jetzt getrennter Wege.

Worlds Apart mit Steve Hart, Nathan Moore und Cal Cooper (Bild: WENN.com)Worlds Apart mit Steve Hart, Nathan Moore und Cal Cooper (Bild: WENN.com)

Worlds Apart

Worlds Apart ist eine typisch englische Castingband, die 1992 mit fünf multikulturellen Gründungsmitgliedern an den Start ging. Die Mitglieder wurden ausgetauscht, die Plattenfirma wurde ausgetauscht, am erfolgreichsten waren Worlds Apart in Frankreich, wo sie sechs Singles unter den Top Ten platzieren konnten und das Album "Everybody" Platz 1 der Charts erreichte. In Deutschland gab es eine Fanbase, die der bis 2001 zum Trio geschrumpften Band mit Steve Hart, Nathan Moore und Cal Cooper ins Erwachsenen-Leben folgten. Seither wurden weder Pläne bezüglich eines weiteren Comebacks noch Gerüchte über eine endgültige Trennung der Band bestätigt.

Das Interesse daran dürfte sich auch in Grenzen halten, haben sich doch mit The Wanted und One Direction längst eine neue Generation von britischen Boybands auf den Weg in die Herzen schmachtender Mädchen gemacht.

Unbekanntes Großbritannien - Die Musik:

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