Londons berühmte Auktionshäuser und die teuersten Gemälde der Welt

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Sotheby's und Christie's werden häufig in einem Atemzug genannt. Kein Wunder, sie sind die international bekanntesten Auktionshäuser, beide mit Hauptsitz in London. Viele der teuersten gelisteten Gemälde der Welt sind bei einem der beiden Traditionshäuser versteigert oder verkauft worden.

Star-Auktionator Tobias Meyer bei der Versteigerung von Edvard Munchs "Der Schrei" bei Sotheby's in New York (Bild: Getty Images)

Die Liste der teuersten Gemälde der Welt ist mit Vorsicht zu genießen, weil man  private Verkäufe und Auktionsergebnisse nicht in einen Topf werfen kann. Bei der diskreten Vermittlung von Kunstwerken existiert meist kein Beweis für hoch bezahlte Bilder. Der Käufer möchte oft geheim bleiben und die Auktionshäuser sind nicht verpflichtet private Verkäufe offenzulegen oder zu bestätigen. 40 Gemälde befinden sich dennoch derzeit auf der Liste, die nicht etwa von Edvard Munchs "Der Schrei" angeführt wird, der im Mai 2012 den höchsten Auktionserlös aller Zeiten erzielte - sondern vom amerikanischen Künstler Jackson Pollock (1912-1956). Sein Bild "No. 5, 1948" brachte es im November 2006 auf die gigantische Summe von 140 Millionen Dollar (108 Mio. Euro). Es war ein Privatverkauf über Sothebys. Käufer: Unbekannt.

Auf Platz zwei der Liste folgt das Bild "Woman III" des Niederländers Willem de Kooning (1904-1997), ein Vertreter des abstrakten Expressionismus, dessen Bild für 137,5 Millionen Dollar (106 Mio. Euro) ebenfalls bei einem Privatverkauf an den US-Kunstsammler Steven A. Cohen ging. Die "Goldene Adele" von Gustav Klimt (1862-1918) rangiert mit 135 Millionen Dollar (104 Mio. Euro) auf Platz drei. Und erst auf die, über Christie's privat verkaufte, aber nicht unter den Hammer gekommene „Adele Bloch-Bauer I" — wie das Klimt-Gemälde offiziell heißt - folgt das berühmte Bild "Der Schrei" des Norwegers Edvard Munch (1863-1944), das bei Sotheby's in New York für 119,9 Millionen Dollar (92,5 Mio.  Euro) versteigert wurde.

Wegen der Abgrenzung zur klassischen Malerei nicht in der Liste aufgeführt, aber von Christie's 2008 bestätigt,  ist Andy Warhols (1928-1987) Motiv-Portrait von Mao Zedong, das für 120 Millionen Dollar (92,6 Mio. Euro) den Besitzer wechselte. Es war ein Privatverkauf des 4,30 Meter hohen Siebdrucks an einen unbekannten Käufer in Hongkong. Das Mao-Zedong-Bild stammt aus dem Besitz eines europäischen Sammlers.

Tatsächlich kennen nur wenige Mitarbeiter der Auktionshäuser die Leute, die als Käufer, Mittler und Verkäufer dieser Kunstwerke auftreten und deren wahre Motive. Das Vertrauen haben sich die Traditionshäuser in  Jahrhunderten hart erarbeitet. James Christie etwa führte seine erste Auktion 1766 durch. Er tat es im Auftrag der Aristokratie und der königlichen Familie und stand in Verbindung mit Katharina II. Heute operiert Christie's weltweit mit Standorten unter anderem  in New York, Paris, Hongkong und natürlich dem ehrwürdigen Hauptsitz in London in der King Street 8. Wer sich für die Werke und den persönlichen Besitz von Pablo Picasso, Rembrandt, Leonardo da Vinci, Vincent van Gogh oder Napoléon Bonaparte interessiert, ist dort an der richtigen Adresse.

Alternative ist die New Bond Street 34-35, dem Hauptsitz von Sotheby's, über dessen Eingangsportal sich die älteste Außenplastik Londons in Form von „Sechmet", der löwenköpfigen ägyptischen Göttin befindet. Sotheby's wurde noch früher als Christie's  im Jahr 1744 von einem Buchhändler namens Samuel Baker gegründet, der einige hundert wertvolle Bücher zu verkaufen hatte. Die erste Auktion war geboren. Durch den Kauf des amerikanischen Auktionshauses Parke-Bernet hat sich Sotheby's inzwischen zum größten amerikanischen Auktionshaus entwickelt und versteigert Kunst (übrigens erst fünf Jahre nach der Gründung von Ebay) auch übers Internet.

Wer jedoch einen Auktionator aus Fleisch und Blut in Aktion erleben will, kann - auch ohne das nötige Kleingeld für einen echten Klimt, Degas oder Munch - fast täglich bei Sotheby's in London bei einer Besichtigung oder Versteigerung dabei sein.

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