BMW 2200ti Garmisch: Bertone-Studie feiert Wiedergeburt in Villa d'Este

feedback@motor1.com (Stefan Wagner)
BMW Garmisch Concept

Vor knapp 50 Jahren zeichnete Marcello Gandini den herrlichen Garmisch. Jetzt ist er wieder da

Für BMW ist der Concorso d'Eleganza in Villa d'Este zu einer Art Heimspiel geworden. Seit Jahren empfängt man die Gäste mit aufsehenerregenden Konzeptstudien, die das ein oder andere Mal sogar in die Serie überführt werden. Zuletzt geschah das 2017 mit dem Concept 8 Series, der zum neuen 8er wurde. Der 2019er-Concorso bildet da keine Ausnahme, dieses mal wird es am Ufer des Comer Sees allerdings keinen Blick in die Zukunft geben. Stattdessen zeigen die Münchner ein Auto, dass fast 50 Jahre auf dem Buckel hat. Gezeichnet wurde es vom großen Marcello Gandini, der unter anderem den Lamborghini Miura und den Lancia Stratos entworfen hat. Der Name der alten neuen Studie lautet BMW 2200ti Garmisch. Das futuristische Coupé basiert auf dem 2002 tii.

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Das Schicksal geht hin und wieder sehr seltsame Wege. Marcello Gandini hat viele Autos gezeichnet, an die man sich nur zu gerne erinnert. Der Garmisch aber, flog von Anfang an unter dem Radar. Womöglich können sich selbst die leidenschaftlichsten Propeller-Fans kaum an die Studie erinnern. Als man sich in der Münchner Konzern-Zentrale dazu entschied, das Auto zu neuem Leben zu erwecken, tat man sich selbst hier äußerst schwer, die zur Wiederherstellung nötigen Unterlagen aufzutreiben.

Gandini selbst war überrascht, als er im Sommer 2018 von BMW-Designchef Adrian van Hooydonk  kontaktiert wurde, um das Konzept von Grund auf neu zu gestalten. Letztlich ist es aber dem Meister und seinen Erinnerungen zu verdanken, dass das Restaurationsteam aus Designern und Spezialisten von BMW Classic erfolgreich war.

Für die Wiederbelebung des Garmisch nutzte man sowohl zeitgenössische Zeichnungen und Fotos, die man irgendwo in einer staubigen Schublade fand, als auch neue Design- und Implementierungsmethoden wie 3D-Druck und natürlich den Rat von Gandini.

"Ich sah die Fotos aus dieser Zeit vor ein paar Jahren und sie gingen mir nicht mehr aus dem Kopf", sagt Chefdesigner van Hooydonk. "Das Auto schien der Vergangenheit anzugehören, aber ich fand es überraschend modern."

Der BMW Garmisch wurde auf dem Genfer Automobilsalon 1970 präsentiert und stellt mit seiner Bertone-Karosserie eine Art Hommage an die klassischen Formen des bayerischen Herstellers dar. Allerdings in Form einer Neuinterpretation im futuristischen Stil. Die typische Niere ist hier um 90 Grad gedreht und deutlich quadratischer. Sie sitzt inmitten einer von großen Lichtern und Glasflächen dominierten Front.

Noch charakteristischer ist die Heckscheibe, die von einem Wabengitter (einem typischen Element des Gandini-Designs) bedeckt ist. Dessen schwarze Farbe hebt sich gut sichtbar vom champagnerfarbenen Lack der Karosserie ab. Der minimalistische Innenraum ginge auch heute noch als modern durch. Abgesehen von den klassischen Instrumenten und dem wunderschönen, um 90 Grad gedrehten Radio alter Schule. Die Studie paart weißes und braunes Leder mit Einsätzen aus Holz und schwarzem Kunststoff. 

Sollten Sie nun spontan Lust bekommen haben, den zu neuem Leben erweckten BMW 2200ti Garmisch live zu bewundern - der Concorso d'Eleganza Villa d'Este ist für die Öffentlichkeit am Samstag den 25. und Sonntag den 26. Mai 2019 zugänglich.