BMW 540i: Verhaltene Freude am Design

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BMW 540i: Verhaltene Freude am Design

Der neue Fünfer-BMW: Technisch top, optisch nicht auf neuestem Stand

Innen hui, außen pfui? Während der neue Fünfer von BMW technisch begeistert, wirkt das Design nicht unbedingt auf der Höhe der Zeit. Der Fünfer sei "die Business-Limousine schlechthin", sagt BMW-Chef Harald Krüger, ohne die Mercedes-E-Klasse zu nennen. Tatsächlich gilt die Baureihe nach zahlreichen Marktforschungen - mehr noch als die bekannten Mitbewerber - als einer der begehrtesten Dienstwagen im höheren Management. Das Image der Marke entspricht sehr deutlich den Vorstellungen einer in jeder Hinsicht dynamischen Klientel, die häufig in Führungspositionen tätig ist. Die Wettbewerber Mercedes-Benz und Audi sind vermutlich nicht weniger erfolgreich, in Sachen Image hat BMW die Nase in der Zielgruppe "junge Macher" aber eindeutig vorn. BMW gilt als Marke der Erfolgreichen.

Eine mit dem Testwagen unterdessen erlebte Szene hatte schon fast Slapstick-Charakter: Als ein Passant neugierig durch die Seitenscheibe ins Innere blickt, können wir der Versuchung nicht widerstehen. Per Fernbedienung lassen wir den Motor an und bewegen per Einpark-Modus den Fünfer ein paar Zentimeter vorwärts. Der Mann muss zu Tode erschrocken sein, denn er schreit kurz auf und springt zurück. Hier war nicht etwa "Verstehen Sie Spaß?" am Werk, sondern ein technisches Feature, das einen kurzen Einblick in die Zukunft vom autonomen Fahren gibt. Dass der Fünfer sich nicht autonom bewegt fasziniert unseren Passanten nach kurzer Schnappatmung und unserer ehrlichen Entschuldigung dann doch so sehr, dass wir um eine kurze Erklärung der Technik nicht herumkommen.

Geringeres Gewicht macht sich bemerkbar

Der neue Fünfer ist leichter geworden. Bis zu 100 Kilogramm hat er abgespeckt - Kilos, die nicht nur auf dem Papier stehen, sondern spürbar sind. Die Limousine schlängelt sich auch dank Integral-Aktivlenkung (1.250 Euro Aufpreis) dynamisch und erfreulich leichtfüßig über kurvige Landstraßen, lässt auf der Autobahn nichts anbrennen und bügelt selbst jenseits von Tempo 200 Querfugen souverän glatt. Es gibt ähnlich gute Fahrwerke, die sich individuell einstellen lassen, aber sicher kein besseres.

Assistenzsysteme top, Gestensteuerung mangelhaft

In Sachen Assistenzsysteme bietet BMW natürlich auf, was die modernsten Technologien hergeben. Stereokamera, Radar- und Ultraschallsensoren scannen die Fahrzeug-Umgebung. Der Spurhalteassistent mit dem aktiven Seitenkollisionsschutz überwacht die Fahrspuren neben dem Fahrzeug; bei drohender Fremdberührung greift die Lenkung aktiv ein. Die aktive Geschwindigkeitsregelung mit dem Spurführungsassistenten ist ein weiterer Schritt zum autopilotierten Fahren. Lässt man die Spurhalteautomatik allerdings zu lange agieren, wird die Fahrspur dann doch zur leichten Schlangenlinie, die den Verdacht auf eine Alkoholfahrt aufkommen lassen könnte.

Von den elektronischen Systemen hat uns vor allem die Sprachsteuerung völlig überzeugt. Sie ist Lichtjahre von ihren Anfängen entfernt, weil sie exzellent versteht, was der Fahrer sagt. Das Head-up-Display ist neu gestaltet und bietet brillant gelayoutet alle notwendigen Informationen in der Windschutzscheibe. Es lässt sich in der Höhe verstellen und verdient ebenfalls die Note eins.

Für überflüssig halten wir die Gestensteuerung, die zu wenig kann. Um das Radio lauter oder leiser zu stellen, greifen wir lieber an den Knopf am Lenkrad oder am Radio. Und um einen Telefonanruf anzunehmen, möchten wir auf das haptische Feedback per Knopfdruck ebenfalls nicht verzichten, weil das virtuelle Wedeln mit der Hand nicht konkret genug erscheint. Außerdem wird es vom System nicht immer verstanden. Das menschliche Nervensystem ist nun einmal so angelegt, dass haptische Erfahrung mit den Fingerspitzen wichtig ist. Das gilt auch für das Drücken auf einen Knopf.

54 Sonderausstattungen im Wert von 25.000 Euro

Das Fahren im neuen Fünfer ist wie erwartet ein Gedicht. Federung und Abrollcharakter verdienen Bestnoten. Da kann nicht einmal der Siebener wirklich mithalten, der mit seinem höheren Gewicht natürlich etwas träger erscheint, wenn man zackig um die Kurven will. Das liegt auch an der Motorcharakteristik und der 8-Gang Steptronic, die perfekt zusammenpassen. Der seidenweiche Lauf des Reihensechsers ist immer wieder eine helle Freude. Wir müssen nicht unbedingt das Wort vom turbinenartigen Lauf bemühen, um dieses Triebwerk zu beschreiben. Aber so ist er halt: mehr Turbine als stampfender Kolben-Antrieb. Drehfreudig, angenehm im Klang und allzeit bereit, die Drehmoment-Schleusen zu öffnen.

Dass wir dennoch in Sachen Verbrauch immer deutlich unter der 10-Liter-Marke blieben, ist dem Fortschritt geschuldet. Efficient Dynamics ist insofern kein leeres Versprechen des BMW-Marketings. Zwar sind die offiziell angegebenen 6,5 Liter auf 100 km wie jede Norm untertrieben, aber unser tatsächlicher Verbrauch zwischen 8 und 9,5 Liter mehr als angemessen. Angemessen sparsam, wohlgemerkt.

Vieles im Testwagen konnten wir nicht ausprobieren. So wie wir die Möglichkeiten unserer Computer-Programme oft kaum ausreizen, so ist es auch mit den Bord-Systemen. Möglichkeiten gibt es endlos viele. Vom automatisieren Einparken bis zur Suche freier Parkplätze, vom WLAN-Hotspot für bis zu zehn Geräte bis zum automatisierten Spurwechsel. BMW Connected Onboard informiert den Fahrer über seine nächsten Termine und Fahrtziele, die das System kabellos aus dem Smartphone bezieht. Uns genügt es schon, dass die Koppelung des iPhones ruckzuck und easy funktioniert. Alles hat natürlich seinen Preis. Unser Testwagen war mit 54 Sonderausstattungen ausgestattet, die sich auf rund 25.000 Euro summieren.

Die einzige Enttäuschung ist das Design

Kritik muss dennoch sein: Das zurückhaltende Design des neuen Fünfers ist für eine Neuentwicklung zu wenig progressiv. Es hätte mehr Veränderung zum Vorgänger sein können. Vielleicht sogar sein müssen. Weil die äußere Form auch die technologische Substanz kommunizieren soll, könnte man den Fünfer unterschätzen. Dass man im BMW-Vorstand von der Abteilung Design wieder mehr Mut verlangt, ist am Weggang zahlreicher Designer zu erkennen. Zu hören ist jedenfalls, dass es angeblich vernehmbare Kritik gegeben haben soll, weil BMW in der Formgebung der Produkte zurückgefallen sei.

Andererseits: Der neue Fünfer erscheint harmonisch, modern, dynamisch und gefällig. Er ist kein Polarisierer. Vielleicht ist das der Grund, warum dem BMW-Design nun personell ein frischer Wind verordnet worden ist. Oder sind die BMW-Fans verwöhnt von großen Design-Sprüngen, für die ein gewisser Chefdesigner Chris Bangle noch heute völlig zu Unrecht kritisiert wird?

Technische Daten BMW 540i: Viertürige Limousine mit fünf Sitzen +++ Länge: 4,94 Meter +++ Breite: 1,87 Meter +++ Höhe: 1,48 Meter +++ Radstand: 2,97 Meter +++ Leergewicht: 1.595 Kilogramm +++ Kofferraumvolumen: 530 Liter +++ Tankinhalt: 68 Liter +++ Motor: Reihen-Sechszylinder mit TwinPower Turbolader +++ Hubraum: 2998 ccm +++ Leistung: 340 PS bei 5.500 - 6.500 U/min +++ max. Drehmoment: 450 Newtonmeter bei 1.380 - 5.200 U/min +++ 0 - 100 km/h: 5,1 Sekunden +++ Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h +++ Norm-Verbrauch kombiniert: 6,9 Liter Super/100 km +++ CO2-Emission: 159 g/km, Euro 6 +++ Preis ab: 57.700 Euro.

Foto(s): BMW, BMW, BMW, BMW, BMW

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