Böhmermann mit eigenem Magazin – was steht drin?

Sandra Alter
·Freiberufliche Journalistin
·Lesedauer: 4 Min.

Jan Böhmermann ist unter die Zeitungsverleger gegangen. Der Satiriker hat sein eigenes Klatschmagazin auf den Markt gebracht. Und das ist „juristisch hochproblematisch“.

Jan Böhmermann präsentiert sein neues Klatschmagazin Freizeit Magazin Royale. (Bild ZDF/Youtube)
Jan Böhmermann präsentiert sein neues Klatschmagazin Freizeit Magazin Royale. (Bild ZDF/Youtube)

„Die Lügen der Klatschpresse – Der schmutzige Stiefbruder des Qualitätsjournalismus“ – so lautete der Titel von Jan Böhmermanns jüngster Ausgabe des Comedy-Formats ZDF Magazin Royale. In dem knöpfte sich der Satiriker die Macher hinter Deutschlands Klatschblättern vor.

„Deep Dive in die Medienwelt des letzten Jahrhunderts. Wir reden heute über das Geschäft mit den Klatschzeitschriften, über Presse die lügt. Ich würde Lügenpresse sagen, aber der Begriff ist leider etwas vorbelastet“, so Böhmermann eingangs in seiner Sendung.

„Geile Geschäftsidee“

Böhmermann erklärt die Arbeitsweisen der Regenbogenpresse und teilt gegen Verlagshäuser wie Bauer Media, Hubert Burda Media, Funke, Klambt und den Alles Gute Verlag aus. Dann kommt er zu dem Schluss, dass das doch eine „geile Geschäftsidee“ sei, die sich zu lohnen scheine. Schließlich kenne man sich beim ZDF Magazin Royale damit aus, sich substanzlosen Quatsch auszudenken und dann Ärger mit dem Anwalt zu kriegen.

Es folgt ein Trommelwirbel mit den Händen auf der Schreibtischplatte: „Meine Damen und Herren, schauen sie mal hier. Das ist das Freizeit Magazin Royale. Unsere neue eigene Klatschzeitschrift. Und die ist ab morgen erhältlich am Kiosk ihres Vertrauens. Und das ist kein Witz.“

„Qualitätstragödien, Schocknachrichten und Horror-Diagnosen“

Damit landete Böhmermann einen echten Coup. Die Zeitschrift, die den Heften der Klatschpresse zum Verwechseln ähnlich sieht, dreht sich nicht wie üblich um Stars und Sternchen aus Film und Fernsehen. Es gibt keine aufgebauschten Infos zu Prinz Harry, Michael Schumacher oder Helene Fischer. Sondern: „Ausschließlich Qualitätstragödien, Schocknachrichten und Horror-Diagnosen über die Macherinnen und Macher von Bauer, Burda, Funke, Klambt oder Alles Gute. Endlich mal richtig geile Stories lesen, über Leute, die am liebsten im Verborgenen bleiben würden“ so Böhmermann.

Das Freizeit Magazin Royale von TV-Entertainer Jan Böhmermann. (Bild: dpa)
Das Freizeit Magazin Royale von TV-Entertainer Jan Böhmermann. (Bild: dpa)

Groß auf dem Titel ist der Medienmacher Hubert Burda abgebildet, in dessen Verlag Zeitschriften wie Freizeit Revue, Freizeit Post, Freizeit Exklusiv und viele mehr erscheinen. Die Schlagzeile lautet: „Hubert Burda – Wie er mit Intrigen, Inzucht und Inkontinenz Millionen machte“. Ebenfalls groß auf dem Titel präsentiert wird die Verlegerin hinter Freizeit Woche, Das Goldene Blatt, Neue Post& Co: „Yvonne Bauer – Schädelschock – wie lange liegt sie noch im Koma?“ Und auch Burda-Vorstand Philipp Welte wird nicht verschont: „Philipp Welte – Wie traurig! – Horror-Diagnose KREBS! Oder ist er Jungfrau oder Steinbock?“

32 Seiten – kunterbunt und hochproblematisch

Böhmermann versprach in seiner Sendung: „Das sind 32 kunterbunte und juristisch hochproblematische Seiten.“ Und das kam an. Vielerorts war das Freizeit Magazin Royale nach kurzer Zeit ausverkauft. Böhmermanns Team richtete einen Onlineshop ein. Doch auch da ist das ursprünglich für 99 Cent angebotene Magazin nicht mehr zu haben. Auf Ebay wird die Ausgabe mittlerweile für ein Vielfaches gehandelt.

Erstausgabe online durchblättern

Aber immerhin können Interessierte online in der Erstausgabe des Freizeit Magazin Royale blättern. Blöd nur, dass alle Stories um die Promis der Ausgabe geschwärzt sind, weil sie ja angeblich „juristisch hochproblematisch“ sind. Zu lesen ist nur das Beiwerk wie etwa „Fünf seltsame Gerüche, die ihr Haus verzaubern“, „Ein Ring Sie zu knechten: Superfood Fleischwurst“ oder das Horoskop. Aber auch das ist unterhaltsam – Lacher sind garantiert.

"Welcher Darm sind Sie?" - machen Sie den Psychotest in der Erstausgabe des Freizeit Magzin Royale. (Bild: freizeitmagazinroyale.de)
"Welcher Darm sind Sie?" - machen Sie den Psychotest in der Erstausgabe des Freizeit Magzin Royale. (Bild: freizeitmagazinroyale.de)

So reagierten die Verlage

Verlagshäuser reagierten auf die Aktion teils gelassen. Ein Sprecher von Hubert Burda Media teilte am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit: „Komödianten genießen Narrenfreiheit. Die Geschichten eines Komödianten werden wir nicht kommentieren.“

Die Bauer Media Group kommentierte das Ganze auf dpa-Nachfrage so: „Satire finden wir richtig und wichtig. Und als Publisher Nummer 1 werten wir es als ein positives Zeichen, wenn Verlage neue Zeitschriften auf den Markt bringen und kreative Magazin-Konzepte möglichst viele Menschen erreichen.“ Das Unternehmen betonte zugleich: „Allerdings finden wir es besorgniserregend, dass das ZDF offensichtlich die rechtlichen Grenzen seines Rundfunkauftrags verlassen hat, indem es mit Rundfunkgebühren eine neue Print-Zeitschrift publiziert.“

Fortsetzung folgt?

Vom ZDF hieß es auf Anfrage: „Anlässlich der neuesten Ausgabe des ZDF Magazin Royale zum Thema Boulevardjournalismus gibt es eine begleitende Printpublikation. Gemäß Medienstaatsvertrag erfolgt die Herausgabe der auf eine Ausgabe beschränkten Begleitpublikation unter redaktioneller Verantwortung und im Auftrag des ZDF durch die Unterhaltungsfernsehen Ehrenfeld UE GmbH in Köln.“ Die Firma produziert auch das TV-Format.

Ob es eine Fortsetzung geben wird, ließ Böhmermann offen: „Erstauflage 500.000 Stück und dann mal gucken …“.

Mit Material der dpa

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