Boris Johnson will "erhobenen Hauptes" gehen

Der britische Premierminister Boris Johnson will nach eigenen Worten  "erhobenen Hauptes" aus dem Amt scheiden. "Es ist wahr, dass ich zu einem Zeitpunkt gehe, den ich nicht selbst gewählt habe", sagte Johnson am Mittwoch in der wöchentlichen Fragestunde des Parlaments in London. "Ich gehe, aber ich gehe erhobenen Hauptes."

Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer, stichelte daraufhin gegen seinen scheidenden Gegner und nannte ihn "bis zum bitteren Ende völlig verblendet". In den Reihen der Opposition brach daraufhin Jubel aus.

Starmer nahm auch die Abgeordneten der konservativen Tory-Partei ins Visier, die für Johnsons Nachfolge kandidieren. So machte er sich über die "komplizierten Steuerangelegenheiten" des früheren Finanzministers Rishi Sunak lustig. Johnson wiederum sagte über Starmer, er werde dessen "wöchentlichen Unsinn" vermissen.

Die Fragestunde fand knapp eine Woche nach der Ankündigung von Johnsons Rücktritt statt. Dieser Entscheidung des Premiers waren eine Kettenreaktion von Rücktritten innerhalb seiner Partei sowie zahlreiche Skandale vorausgegangen.

Es wurde erwartet, dass es Johnsons vorletzter Auftritt bei der Fragestunde vor der Sommerpause sein würde. Johnson deutete jedoch an, dass der neue Parteivorsitzende noch vor nächster Woche "per Akklamation" gewählt werden und dies somit sein letzter Auftritt als Premier in der Fragestunde gewesen sein könnte. Bei den Tories sind die Ämter des Parteivorsitzenden und Premierministers aneinander gekoppelt.

Das Verfahren zur Auswahl der Kandidaten für die Nachfolge des scheidenden Partei- und Regierungschefs hatte am Dienstag mit einer Vorauswahl begonnen, die das Bewerberfeld auf acht Köpfe reduzierte. Am Mittwoch und Donnerstag sowie falls nötig am Montag sollen die Kandidaten in mehreren Wahlrunden gegeneinander antreten, bis sich am Ende nur noch zwei Kandidaten gegenüber stehen. Das Ergebnis der ersten Wahlrunde wurde am Mittwoch für etwa 18.00 Uhr MEZ erwartet.

Nach dem bisherigen Plan soll am 5. September der neue Parteivorsitzende benannt werden, der dann auch das Amt des Regierungschefs übernimmt.

kbh/dja

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