Festgenommener mexikanischer Drogenboss soll an die USA ausgeliefert werden

Der seit Jahren gesuchte Drogenboss Rafael Caro Quintero ist in Mexiko festgenommen worden und soll an die USA ausgeliefert werden. Der 69-Jährige wurde von Marinesoldaten im nordwestlichen Bundesstaat Sinaloa gefasst, wie das Marineministerium in Mexiko-Stadt am Freitag (Ortszeit) mitteilte. Bei dem Einsatz kamen 14 Soldaten durch den Absturz eines Hubschraubers ums Leben.

Caro Quintero alias "Rafa" stand auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Kriminellen. Auf Hinweise zu seiner Ergreifung hatte die US-Bundespolizei im Jahr 2018 ein Kopfgeld von 20 Millionen Dollar ausgesetzt. Die US-Behörden beschuldigen den Mitbegründer des einstigen Guadalajara-Kartells, für die Entführung, Folter und Ermordung eines Sonderfahnders der US-Antidrogenbehörde DEA im Jahr 1985 verantwortlich zu sein.

Der US-Botschafter in Mexiko, Ken Salazar, betonte am Samstag jedoch, dass "kein US-Personal" an der Festnahme Caro Quinteros beteiligt gewesen sei. Zuvor hatte DEA-Chefin Anne Milgram das "Team in Mexiko" ihrer Behörde für die "Zusammenarbeit mit mexikanischen Behörden" gelobt. Dies war von manchen Beobachtern als Hinweis auf eine Beteiligung von US-Beamten verstanden worden.

Caro Quintero wurde nach Angaben des Marineministeriums in der Kleinstadt Choix in Sinaloa festgenommen. Zu den Umständen seiner Ergreifung machte das Ministerium keine Angaben. Der Drogenboss wurde dann in das Hochsicherheitsgefängnis von Altiplano nahe Mexiko-Stadt gebracht.

Über die Ursachen des Hubschraubersturzes mit 14 Toten herrschte zunächst Unklarheit. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador bestätigte im Kurzbotschaftendienst Twitter, dass die ums Leben gekommenen Soldaten "diejenigen unterstützten, die den Haftbefehl ausführten". Das Marineministerium hatte zuvor noch dementiert, dass der Hubschrauber während des Einsatzes gegen Caro Quintero verunglückt war. Mexiko setzt seit 2006 seine Armee gegen Drogenhändler ein.

Caro Quintero hatte wegen des Mordes an dem DEA-Agenten Enrique Camarena bereits 28 Jahre in Mexiko eingesessen. Er war 1985 in Costa Rica gefasst und dann zu einer 40-jährigen Haftstrafe verurteilt worden. Wegen eines Formfehlers in dem Urteil wurde er aber 2013 auf freien Fuß gesetzt. Zwar widerrief das Oberste Gericht später die Entscheidung - doch da war der als "Drogenboss der Drogenbosse" titulierte Caro Quintero bereits untergetaucht.

Der einst zu den mächtigsten Drogenbossen Mexikos zählende Caro Quintero bestritt 2016 in einem aus dem Untergrund geführten Interview, für den Mord an Camarena verantwortlich zu sein. Der mexikanischstämmige DEA-Fahnder hatte sich in das Guadalajara-Kartell eingeschleust. Seine Ermordung belastete die Beziehungen zwischen den USA und Mexiko schwer. Die Antidrogenbehörden beider Länder brauchten danach Jahrzehnte, um wieder gegenseitiges Vertrauen aufzubauen.

Das Guadalajara-Kartell war in den 80er-Jahren besonders mächtig. Es gilt als Vorbild heutiger mexikanischer Verbrecherorganisationen. Zunächst war das Kartell auf Produktion und Export von Marihuana spezialisiert, später stieg es auch in das Kokain-Geschäft ein. Dabei arbeitete Caro Quintero mit kolumbianischen Drogenbossen im Schmuggel dieser Droge von Kolumbien in die USA zusammen.

Das Vermögen des aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Caro Quintero wurde damals auf eine halbe Milliarde Dollar geschätzt. Auf den Mord an Camarena folgte jedoch sein Abstieg. Der Kampf gegen die Drogenbanden nahm an Härte zu, was zur Auflösung des Guadalajara-Kartells führte.

Dies allerdings begünstigte wiederum den Aufstieg des von Joaquín "El Chapo" Guzmán angeführten Sinaloa-Kartells. Guzmán wurde 2017 von Mexiko an die USA ausgeliefert, wo er eine lebenslange Haftstrafe verbüßt.

dja/ju

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