Brüssel sieht EU trotz Lieferproblemen bei Impfungen auf gutem Weg

·Lesedauer: 2 Min.
Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides

Die Europäische Kommission sieht die EU trotz Lieferschwierigkeiten der Hersteller bei der Versorgung mit Corona-Impfstoff auf einem guten Weg. "Wir werden genug Dosen für alle unsere Bürger haben", sagte Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides nach AFP-Informationen beim Impfgipfel der Bundesregierung am Montag. Sie halte das selbstgesetzte Ziel einer Impfquote von 70 Prozent bis Ende des Sommers nach wie vor für realistisch.

Es habe zwar "ein paar Pannen" gegeben, sagte die Leiterin der Gesundheitsabteilung der Kommission, Sandra Gallina, bei einer Anhörung im Brüsseler EU-Parlament. Aber sie habe "volles Vertrauen", dass die Hersteller jetzt termingerecht liefern werden. "Denn, ich muss betonen, dass sie sich dazu verpflichtet haben."

Die Unternehmen Biontech und Pfizer, deren Impfstoff kurz vor Weihnachten als erster in der EU zugelassen worden war, hatten Mitte Januar ihre anfänglichen Liefermengen wegen Umbauarbeiten in einer Produktionsstätte vorübergehend kürzen müssen. Auch von dem Anfang Januar zugelassenen Impfstoff des US-Konzerns Moderna sind bislang weniger als eine Millionen Dosen an die EU-Staaten ausgeliefert worden.

Laut Gallina schwerwiegender sind allerdings die angekündigten Lieferengpässe von Astrazeneca. Das Mittel des schwedisch-britischen Pharmakonzerns "sollte der erste Massen-Impfstoff für das erste Quartal sein", sagte die Italienerin, die für die Kommission die Lieferverträge mit den Herstellern ausgehandelt hat. Dass Astrazeneca nun eventuell zunächst nur ein Viertel der zugesagten Mengen liefern werde, "ist für alle Mitgliedstaaten ziemlich problematisch".

Das Präparat von Astrazeneca war am Freitag in der EU zugelassen worden. Eine Woche vorher hatte das Unternehmen aber angekündigt, wegen Produktionsproblemen zunächst nur wenig Impfstoff liefern zu können. Brüssel warf dem Unternehmen vor, Großbritannien und andere Länder auf Kosten der EU in vollem Umfang weiter zu beliefern. Die Eskalation des Streits drohte zeitweise, die Beziehungen der EU zum Ex-Mitglied Großbritannien zu beeinträchtigen.

Optimistisch stimme sie nun die Aussicht auf das zweite Quartal, sagte Gallina. "Es wird sehr viel größere Mengen geben, weil dann neue Verträge in Kraft treten." Biontech und Moderna werden demnach mehr produzieren können und auch die Impfstoffe der Unternehmen Johnson & Johnson und Curevac sollen bis dahin zugelassen sein. Sehr bald werde das Problem dann nicht mehr die Versorgung mit Impfstoff, sondern dessen massenhafte Verabreichung sein.

pe/isd