Brandanschlag auf Warschauer Nozyk-Synagoge verübt

In Warschau ist in der Nacht zu Mittwoch ein Brandanschlag auf eine Synagoge verübt worden. Nach Angaben der polnischen Behörden wurde bei dem Anschlag auf die Nozyk-Synagoge niemand verletzt. (Sergei GAPON)
In Warschau ist in der Nacht zu Mittwoch ein Brandanschlag auf eine Synagoge verübt worden. Nach Angaben der polnischen Behörden wurde bei dem Anschlag auf die Nozyk-Synagoge niemand verletzt. (Sergei GAPON)

In Warschau ist in der Nacht zum Mittwoch ein Brandanschlag auf eine Synagoge verübt worden. Nach Angaben der polnischen Behörden wurde bei dem Anschlag auf die Nozyk-Synagoge niemand verletzt. Ein AFP-Journalist sah an der Fassade einen von Flammen verursachten schwarzen Fleck. Der Schaden war laut der jüdischen Gemeinde gering. Die Polizei erklärte, die Ermittlungen seien im Gange, die Täter würden zur Verantwortung gezogen.

Die jüdische Gemeinde der polnischen Hauptstadt brachte in einer Mitteilung ihre "Besorgnis und Empörung" über den Brandanschlag zum Ausdruck. "Glücklicherweise war die Synagoge in der Nacht leer und der materielle Schaden ist gering", hieß es weiter. Der Brandsatz sei außerhalb des Gebäudes erloschen, erklärte die Vizepräsidentin der jüdischen Gemeinde Warschau, Eliza Panek. Derzeit lägen keine Informationen über den oder die Täter oder das Tatmotiv vor.

Die Nozyk-Synagoge im Warschauer Stadtzentrum wurde 1902 erbaut. Sie ist die einzige erhaltene Synagoge aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg. Traditionell werden in dem jüdischen Gotteshaus unter anderem Gedenkveranstaltungen zum Jahrestag des Aufstands im Warschauer Ghetto abgehalten.

Zu dem Brandanschlag vom Mittwoch bekannte sich zunächst niemand. Der polnische Präsident Andrzej Duda verurteilte "den schändlichen Angriff" im Onlinedienst X. "Antisemitismus hat keinen Platz in Polen! In Polen gibt es keinen Platz für Hass!", erklärte er.

Auch Außenminister Radoslaw Sikorski verurteilte die Tat. Jemand habe "versucht, die Nozyk-Synagoge mit einem Molotowcocktail in Brand zu setzen", erklärte Sikorski auf X. "Gott sei Dank wurde niemand verletzt", schrieb er.

Zudem warf Sikorski die Frage auf, wer am 20. Jahrestag des polnischen EU-Beitritts dahinter stecken könnte. "Vielleicht dieselben, die in Paris die Davidsterne geschmiert haben?", schrieb er. Am 1. Mai 2004 war Polen gemeinsam mit der Slowakei, Slowenien, Tschechien und Ungarn sowie den baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen der EU beigetreten.

Die französische Staatsanwaltschaft hatte im Oktober eine Untersuchung eingeleitet, nachdem rund 60 Davidstern-Graffiti an Gebäuden in Paris und weitere in Orten rund um die französische Hauptstadt entdeckt worden waren. Die Ermittler gehen laut französischen Regierungskreisen davon aus, dass russische Sicherheitsdienste hinter den Schmierereien stecken könnten. Russland wies jedoch jegliche Beteiligung zurück.

Seit Beginn des Krieges zwischen Israel und der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas im Gazastreifen am 7. Oktober hat die Zahl antisemitischer Vorfälle weltweit deutlich zugenommen. Allein in Frankreich hat sich nach Angaben des jüdischen Dachverbandes Crif die Zahl antisemitischer Taten 2023 vervierfacht.

ck/ju