Brasilianische Behörden kündigen baldige Tests eigener Corona-Vakzine an

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Gouverneur Doria (M.) präsentiert neuen Corona-Impfstoff

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie sollen in Brasilien demnächst auch selbst entwickelte Impfstoffe zum Einsatz kommen. Der Gouverneur des Bundesstaates São Paulo, João Doria, verkündete am Freitag, das unter Aufsicht seiner Regierung stehende biomedizinische Insitut Butantan werde ab Mai 40 Millionen Dosen eines Corona-Impfstoffs namens ButanVac produzieren. Sie könnten ab Juli zum Einsatz kommen, wenn das Vakzin von der Aufsichtsbehörde Anvisa eine Zulassung erhalte.

"Die Ergebnisse der vorklinischen Tests sind exzellent", sagte Butantan-Direktor Dimas Covas bei einer Pressekonferenz. Der Antrag auf klinische Tests des Corona-Impfstoffs ab April werde bald eingereicht. Gouverneur Doria betonte, das Vakzin könne vollständig und ohne Importe in Brasilien hergestellt werden. Allerdings soll laut Butantan 15 Prozent der Herstellung in Vietnam und Thailand erfolgen.

"ButanVac ist eine Antwort auf diejenigen, die die Wissenschaft leugnen und das Leben negieren", sagte Doria offenbar mit Blick auf Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro, der die Wirksamkeit von Corona-Impfungen immer wieder in Frage gestellt hat. Doria gilt als potenzieller chancenreicher Herausforderer des rechtsextremen Staatschefs bei der Präsidentschaftswahl kommendes Jahr.

Nur wenige Stunden nach Dorias Ankündigung teilte Bolsonaros Forschungsminister Marcos Pontes mit, dass die brasilianische Regierung in mehrere heimische Corona-Impfstoffe "investiert" habe und das für einen von ihnen bereits ein Antrag auf Zulassung klinischer Tests gestellt worden sei. Es handelt sich laut Pontes um ein Mittel, das von der medizinischen Fakultät in Ribeirao Preto entwickelt wurde, die ebenfalls im Bundesstaat São Paulo liegt.

Die Entwickler von zwei weiteren Impfstoffen stünden kurz vor dem Antrag auf Zulassung klinischer Studien. "Dass muss ein Zufall sein", dass auch Doria einen Impfstoffkandidaten präsentiert habe, sagte Pontes. "Und das ist gut für das Land, wir brauchen mehrere nationale Impfstoffe."

Brasilien hat erst Mitte Januar mit den Corona-Impfungen begonnen und die Kampagne mit dem Impfstoff von Astrazeneca und dem chinesischen Vakzin CoronaVac kommt nur langsam voran. Bislang haben erst 5,9 Prozent der 212 Millionen Einwohner zumindest eine Impfdosis erhalten. Bolsonaro steht unter Druck, weil er die Pandemie lange nicht ernst genommen hat und sich weiterhin gegen Corona-Restriktionen stellt.

Die Zahl der täglichen Corona-Toten in Brasilien erreichte am Freitag einen neuen Höchststand von 3650, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Damit starben bereits mehr als 307.000 Infizierte in dem südamerikanischen Land. Dies ist die zweithöchste Opferzahl weltweit, nur in den USA starben noch mehr Infizierte.

yb