Brasilianischer Ex-Fußballstar Ronaldinho in Paraguay in U-Haft

Ronaldinho (M.) vor seiner Aussage beim Staatsanwalt

Wegen seiner Einreise mit einem gefälschten Pass sitzt der brasilianische Ex-Fußballstar Ronaldinho nun in Paraguay in Untersuchungshaft. Der 39-Jährige und sein Bruder wurden in der Hauptstadt Asunción zum zweiten Mal festgenommen, eine Richterin bestätigte am Samstag die U-Haft für die beiden. Der ursprünglich zuständige Staatsanwalt hatte von einer Anklage abgesehen, wurde jedoch auf Betreiben der Generalstaatsanwaltschaft abgelöst.

Richterin Clara Ruiz Diaz befand, Ronaldinho und sein Bruder Roberto de Assis Moreira hätten mit ihrer illegalen Einreise "eine schwerwiegende Tat begangen, die den Staat bedroht". Damit seien die Voraussetzungen für eine Untersuchungshaft erfüllt. Der Verteidiger der Brüder, Tarek Tuma, nannte die Entscheidung der Richterin "irrational, willkürlich und leichtfertig" und forderte, ihr den Fall zu entziehen.

Nach Polizeiangaben hatte Ronaldinho die Nacht in einem zur Zelle umfunktionierten Büro des Sitzes der Nationalen Polizei verbracht. Er durfte Besucher empfangen - einer von ihnen habe ihm Bettzeug gebracht - und ein Abendessen bei einer Fast-Food-Kette bestellen.

Die Generalstaatsanwaltschaft hatte in der Nacht zum Samstag in Asunción mitgeteilt, sie habe die Festnahme sowie Untersuchungshaft für Ronaldinho und seinen Bruder "wegen Verwendung eines staatlichen Dokumentes mit gefälschtem Inhalt" angeordnet. Sie machte damit die Entscheidung des ursprünglich zuständigen Staatsanwaltes Federico Delfino rückgängig, der wenige Stunden zuvor Ronaldinhos Freilassung verfügt hatte.

Generalstaatsanwältin Sandra Quiñónez tauschte Staatsanwalt Delfino gegen dessen Kollegen Osmar Legal aus. Dieser ordnete die erneute Festnahme an, Ronaldinho und sein Bruder wurden von Beamten in Zivil aus ihrem Hotel geholt. Ronaldinhos Anwalt Adolfo Marín sagte kurz danach, die Inhaftierung sei "seltsam, wir wissen nichts".

Noch am Freitag hatte Staatsanwalt Delfino darauf verzichtet, gegen Ronaldinho und seinen Bruder Anklage zu erheben. Die Brüder seien "betrogen" worden und hätten "in gutem Glauben" gehandelt, als sie in Brasilien die gefälschten Pässe erhielten, sagte Delfino. Außerdem lobte er, dass sie während einer siebenstündigen Anhörung am Donnerstag nützliche Zeugenaussagen gemacht hätten.

Ein Richter erklärte daraufhin, Ronaldinho und sein Bruder seien nun frei zu gehen, wohin sie wollten. Sie verließen am Freitagabend (Ortszeit) das Justizgebäude in Asunción, knapp zwei Stunden später erfolgte aber die erneute Festnahme.

Die erste Festnahme der beiden Brasilianer hatte sich am Mittwoch in ihrem Hotel ereignet. Die Polizeibeamten durchsuchten ihre Zimmer und fanden dabei ihre gefälschten Pässe. Diese waren nach Angaben der Ermittler bei der Einreise am Flughafen von Asunción aufgefallen. In dem Fall wurden überdies ein für Ronaldinho tätiger brasilianischer Spieleragent sowie zwei Paraguayerinnen festgenommen.

Ronaldinho, zweimaliger Weltfußballer und Weltmeister von 2002, wollte in Paraguay Werbung für sein neues Buch machen. Zugleich wollte er ein Programm starten, das Kinder für einen sportlichen Lebensstil begeistern soll, und das Casino eines brasilianischen Geschäftsmannes eröffnen.

Dem früheren Starspieler des FC Barcelona und seinem Bruder waren im November 2018 in ihrer Heimat Brasilien die Reisepässe entzogen worden, weil sie gegen sie verhängte Strafzahlungen in Höhe von umgerechnet 2,2 Millionen Euro nicht geleistet hatten. Diese Strafe war verhängt worden, weil sie bei der Bebauung eines Grundstücks in Porto Alegre massive Umweltschäden verursacht hatten.