Brasilien: Schwangere Influencerin von Polizei erschossen

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Ein frisches Wandgemälde der schwangeren Kathlen Romeu erinnert in Rio an die erschossene Influencerin. (Bild: REUTERS/Pilar Olivares)
Ein frisches Wandgemälde der schwangeren Kathlen Romeu erinnert in Rio an die erschossene Influencerin. (Bild: REUTERS/Pilar Olivares)

Kathlen Romeu war eine erfolgreiche brasilianische Influencerin. Bis die schwangere 24-Jährige bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde.

Gerade erst hatte Kathlen de Oliveira Romeu auf ihrem Instagram-Kanal die ersten Bilder mit ihrem Babybauch gepostet. Dazu schrieb die schwangere Brasilianerin: "Ich entdecke mich langsam als Mutter und ängstige mich ein bisschen davor, wie es werden wird." Doch sie sollte nicht mehr die Möglichkeit bekommen, in ihre neue Rolle hinein zu wachsen. Wenige Tage nach dem Post wurde sie bei einem Besuch in ihrem ehemaligen Wohnviertel von einer verirrten Kugel getroffen.

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Die Polizei in Rio de Janeiro ist bekannt für ihre gewaltsames Vorgehen in den Favelas. In diesem Fall fand der Schusswechsel zwischen Polizisten und angeblichen Drogenhändlern in dem Arbeiterviertel Lins de Vasconcelos statt, aus dem Romeu stammte. Der verirrte Schuss traf sie im Oberkörper, im Krankenhaus konnte nur noch ihr Tod festgestellt werden. Auch ihr Baby überlebte nicht. Wie der Guardian berichtete, soll die Kugel laut einer Menschenrechtskommission aus der Waffe der Polizisten gestammt haben. Augenzeugen berichteten sogar, es habe gar keinen Schusswechsel gegeben, sondern alle Schüsse seien von Seiten der Polizei gekommen.

Debatte um Polizeigewalt

Romeus tragischer Tod bewegt das ganze Land und hat die Debatte um Polizeigewalt in Brasilien noch einmal deutlich angeheizt. Zu der Beerdigung der jungen Frau kamen mehr als 100 Menschen. Freunde und Familienangehörige fordern Gerechtigkeit. Wie sie der Associated Press erzählten, seien Polizeibeamte an den Tatort zurückgekehrt, um Beweise zu manipulieren und Kugelhülsen zu entfernen, nachdem der Fall nationale Aufmerksamkeit bekommen hatte. Auch deswegen hat die Polizei drei verschiedene Untersuchung eingeleitet.

Ein Freund des Opfers, Schauspieler Ícaro Silva, postete eine Bilderserie zum Gedenken an Kathlen Romeu auf Instagram und schrieb dazu: "Diese Nachrichten wiederholen sich so oft, dass es mich krank macht. Unschuldig. Schwarz. Tot. Polizei Operation." Unter seinem langen Post sammelten sich schnell fast 20.000 Likes. 

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700 erschossene Frauen seit 2017

Der Tod der Influencerin trifft Brasilien mitten ins Herz, eben weil sich diese brutalen Einsätze so oft wiederholen. Besonders gegen die arme Bevölkerung in den Favelas geht die Polizei mit militärischer Härte vor, immer wieder sterben Unschuldige bei diesen Einsätzen. Unter "Law and Order"-Präsident Jair Bolsonaro hat sich die Lage eher noch verschlimmert. In den vergangenen vier Jahren kamen in Rio de Janeiro 700 Frauen durch Kugeln ums Leben. Allein sechs schwangere Frauen wurden laut Aussage der NGO "Crossfire" seit 2017 von Kugeln getroffen. Im Jahr 2020 gab es 4500 Einsätze mit Waffengebrauch in den Favelas von Rio, obwohl das oberste Gericht wegen der Corona-Pandemie diese nur im äußersten Notfall erlaubt hatte. Mehr als hundert Menschen wurden laut "Crossfire" dabei von verirrten Kugeln getroffen.

In der Gemeinde aus der Romeu stammt, mehrt sich nun der Protest. Sie liegt nur wenige Kilometer von der berüchtigten Favela Jacarezinho entfernt, die häufiges Ziel der Polizei-Attacken ist. Bei einem Polizeieinsatz im Mai wurden dort 24 Menschen erschossen, die angeblich Kriminelle waren. Die tödliche Operation löste tagelange Proteste gegen Polizeigewalt aus. Auch nach Kathlen Romeus Tod demonstrierten die Menschen in Rio für Gerechtigkeit und gegen Menschenrechtsverletzungen durch die Polizei, wie in diesem Video zu sehen ist.

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Marcelo, Romeus Partner und Vater ihres Kindes verabschiedete sich per Instagram-Post von seinen Liebsten mit bewegenden Worten: "Manchmal ist es schwer, Gottes Willen zu verstehen. Ich werde dich vermissen, den strahlendsten und lebendigsten Menschen, den ich in meinem Leben kennengelernt habe."

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