Breitscheidplatz: Die verpasste Chance im Fall von Berlin-Attentäter Anis Amri

Die Staatsanwaltschaft hätte nach einer Prügelei einen Haftbefehl beantragen können, tat das aber nicht. Das wirft Fragen auf.

Der Vorwurf wiegt schwer: Die Berliner Staatsanwaltschaft ließ eine Chance, den Islamisten Anis Amri wenige Monate vor seiner Todesfahrt auf dem Breitscheidplatz aus dem Verkehr zu ziehen, ungenutzt verstreichen – obwohl sie nach einer Prügelei in einem Neuköllner Café, an der Amri beteiligt war, wahrscheinlich einen Haftbefehl gegen den Tunesier hätte erwirken können. Der Leiter der Generalstaatsanwaltschaft, Ralf Rother, musste am Mittwoch im Untersuchungsausschuss des Landtages Nordrhein-Westfalen zu dem Vorwurf Stellung nehmen. Entkräften konnte er den Verdacht nicht.

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Behördeninterne Dokumente, die der Berliner Morgenpost und dem Rundfunk Berlin-Brandenburg vorliegen, untermauern den Vorwurf. Tatort Neukölln, 11. Juli 2016, gegen 6.30 Uhr: Drei, vielleicht auch vier Männer stürmen in ein Café an der Hertastraße, das als Treffpunkt von Drogendealern gilt. Die Männer gehen auf Anhänger einer verfeindeten Dealer-Clique los. Einer von ihnen, der damals 29 Jahre alte Mohmad K., sticht mit einem Messer auf den ebenfalls 29-jährigen Ahmad Z. ein, trifft seine Lunge, fügt ihm lebensbedrohliche Verletzungen zu. Ein weiterer Angreifer geht mit einem Gummihammer auf die Dealer los, trifft sie an Schulter und Rücken. Sein Name: Anis Amri. Der spätere Attentäter von der Gedächtniskirche.

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