Brief zum Brexit: Was ist los mit Ihnen und Ihrer Generation, Mrs. May?

Unsere altmodische Autorin erklärt der britischen Premierministerin ihr Europa.

Liebe Theresa May,

Gestatten Sie mir, Sie vertraulich anzusprechen, obwohl wir uns nicht kennen.

Wir hätten uns treffen können, 2005 zum Beispiel, beim Parteitag der Konservativen im Seebad Blackpool. Damals war der junge David Cameron, Ihr Vorgänger als Premierminister, der Star des Treffens. Er hielt eine große Rede und wurde Parteichef. Ich war damals Korrespondentin und erinnere mich noch an das düstere, alte Theater, auf dessen Bühne er sprach. Sie standen ein paar Meter daneben, wie immer makellos und elegant gekleidet.

Sehr geehrte Premierministerin, wäre der Brexit ein Märchen, würden Sie darin wohl die Rolle der bösen Zauberin spielen, die das Königreich in den Untergang führt. Und was für eine Besetzung Sie wären, mit spitzen Leoparden-Pumps und braunen Lederhosen! Doch der Brexit ist kein Märchen, auch wenn er mit der Verbreitung von vielen Lügen entstanden ist.

Ich konnte einfach so nach London ziehen

An diesem Mittwoch setzen Sie die Trennung Ihres Landes von Europa in Gang, und danach gibt es kein Zurück. Es ist ein komplizierter Prozess, der spätestens nach zwei Jahren zu Ende ist. 2019 wird Großbritannien definitiv nicht mehr Teil der Europäischen Union sein. Das Land wird sehr viele Vorteile beim Handel und Austausch mit den anderen europäischen Ländern verlieren. Es wird nicht mehr mitreden können, wenn es um Klima- oder Flüchtlingspolitik in Europa geht. Es spricht viel dafür, dass Großbritannien ohne die EU ein ärmeres, unwichtigeres Land wird. Das ist traurig.

Als Jugendliche träumte ich von Ihrem Land, das mir damals unerreichbar war. Ferner als der Mond. 1989 fiel die Mauer, ich durfte reisen. 2003 bekam ich sogar die Gelegenheit, für einige Jahre in London zu leben. Im Nachhinein erstaunt es mich fast, wie einfach der Umzug war, ich brauchte kein Visum, keine Arbeitsgenehmigung. Ich fand eine Wohnung, eröffnete ein Bankkonto.

Die Ärzte des Nationalen Gesundheitssystems behandelten mich, ohne dass ich dafür privat bezahlen musste. Ich wurde nicht wie eine Ausländerin behandelt, sondern...Lesen Sie den ganzen Artikel bei berliner-zeitung

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