Britin wehrt sich gegen Verurteilung wegen Falschaussage zu Vergewaltigung

Der Fall löste Proteste und Boykottaufrufe gegen Zypern aus

Im Skandal um eine mutmaßliche Gruppenvergewaltigung in Zypern setzt sich eine junge Britin gegen ihre Verurteilung wegen Falschaussagen zur Wehr. Die 19-Jährige habe beim Obersten Gericht Zyperns Berufung gegen das "ungerechte" Urteil eingelegt, teilten ihre Anwälte am Freitag mit. Sie wollen notfalls bis vor den Europäischen Gerichtshof und den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ziehen.

Die britische Urlauberin hatte im Juli zwölf israelische Urlauber im Alter zwischen 15 und 18 Jahren beschuldigt, sie in ihrem Hotel im Ferienort Agia Napa vergewaltigt zu haben. Zehn Tage später nahm die junge Frau ihre Aussage jedoch wieder zurück - und wurde wegen "Erregung öffentlichen Ärgernisses" selbst angeklagt.

Im Prozess gab die Britin an, sie habe die Vergewaltigungsvorwürfe unter Druck zurückgenommen, nachdem sie sieben Stunden lang allein und ohne Rechtsbeistand von der zyprischen Polizei verhört worden sei. Trotzdem wurde die junge Frau am 30. Dezember schuldig gesprochen und am 7. Januar zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Die 19-Jährige saß bis August in Untersuchungshaft und musste bis zum Ende ihres Prozesses in Zypern bleiben. Die zwölf Israelis wurden dagegen freigelassen. Sie durften heimkehren und mussten nicht einmal als Zeugen vor Gericht aussagen.

In Großbritannien hatte der Fall Empörung und Aufrufe zum Boykott des Urlaubslands Zypern ausgelöst. Sogar Außenminister Dominic Raab schaltete sich ein und beschwerte sich bei den zyprischen Behörden über den Umgang mit der jungen Britin. Auch in Zypern gab es Proteste. Bei der Strafmaßverkündung in der vergangenen Woche protestierten dutzende Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude, darunter auch einige israelische Frauen.