Britische Forscher: UN-Klimaschutzziele sind gefährdet

Die bisherigen Verpflichtungen von Staaten zur Reduzierung ihrer Treibhausgase sind einer Studie zufolge nicht ausreichend, um die Erderwärmung wie von Experten gefordert bis zum Jahr 2030 auf zwei Grad Celsius zu beschränken. In der am Montag veröffentlichten Analyse der London School of Economics and Political Science (LSE) heißt es, auf Grundlage der derzeitigen Zusagen sei damit zu rechnen, dass im Jahr 2030 weltweit zwischen 57 und 59 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Luft gepustet würden. Nach Berechnungen der UNO muss der CO2-Ausstoß aber bis dahin auf 32 bis 44 Milliarden Tonnen gesenkt werden, damit es überhaupt noch eine Chance gibt, die Erderwärmung auf zwei Grad Celsius zu begrenzen.

Bisher haben die USA, China und die EU-Staaten zugesagt, ihren CO2-Ausstoß bis 2030 zusammen auf rund 21 Milliarden Tonnen zu begrenzen. Auf diese Staaten zusammen entfallen etwa die Hälfte der klimaschädlichen Treibhausgase. Um die Vorgaben des UN-Klimaschutzprogramms einzuhalten, müssten die übrigen Länder ihren CO2-Ausstoß daher auf höchstens 23 Milliarden Tonnen begrenzen. Ihre gegenwärtige und geplante Politik lasse aber einen deutlich höheren Ausstoß erwarten, warnten die Forscher, die unter der Leitung des früheren Weltbank-Vizepräsidenten und renommierten Klimaforschers Nicholas Stern arbeiteten.

Nationale Pläne zur Reduzierung der Klimagase werden das Hauptthema des im Dezember in Paris geplanten UN-Klimagipfels sein, bei dem ein ab 2020 gültiges verbindliches Klimaabkommen beschlossen werden soll. Bisher haben die EU-Staaten, die USA, die Schweiz, Russland, Norwegen, Mexiko, das zentralafrikanische Land Gabun sowie die Zwergstaaten Liechtenstein und Andorra solche Pläne vorgelegt. Mehrere Schwellenländer mit großem Wachstum, etwa Indien, haben dies aber noch nicht getan.

Die internationale Klimaschutz-Arbeitsgruppe der UNO warnt vor einem Ansteigen der globalen Temperatur um 4,8 Grad Celsius im Laufe dieses Jahrhunderts, falls keine drastischen Maßnahmen ergriffen werden. Die Folgen wären Forschern zufolge unter anderem verheerende Überschwemmungen durch das Ansteigen der Ozeane.

Die Internationale Energieagentur (IEA) forderte ihrerseits, die öffentlichen Forschungsmittel zur Entwicklung von CO2-armen Technologien zu verdreifachen. Dies sei notwendig, um die Erderwärmung wie geplant auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, warnte die in Paris ansässige Agentur am Montag.