Britischer Ex-Premier Cameron bereut Entscheidung für Brexit-Referendum nicht

Boris Johnson (l.) und David Cameron

Der ehemalige britische Premierminister David Cameron bereut nach eigenen Angaben nicht, das Referendum über den EU-Austritt Großbritanniens angesetzt zu haben. Er denke jedoch "jeden Tag" an die Konsequenzen und mache sich "verzweifelt Sorgen" über die Zukunft, sagte er der Zeitung "The Times" am Freitag. Er hält es zudem für möglich, dass ein zweites Referendum abgehalten wird.

Cameron hatte das Referendum 2013 unter dem Druck des europaskeptischen Flügels seiner konservativen Partei zugesagt, sich selbst aber in einer Kampagne vehement für den Verbleib seines Landes in der EU ausgesprochen. Nach dem knappen Votum für den Brexit im Juni 2016 trat Cameron als Regierungschef zurück.

"Einige Leute werden mir niemals vergeben, dass ich ein Referendum organisiert habe, andere, dass ich es organisiert und verloren habe", sagte Cameron der "Times". Doch es gebe auch "all die Menschen, die ein Referendum wollten und (aus der EU) austreten wollten, die froh sind, dass ein Versprechen gemacht und gehalten wurde".

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte Cameron. Er räumte aber ein, dass er unter "enormem politischem Druck" gestanden habe. Nach seinem Rücktritt sei er "zutiefst deprimiert" gewesen.

Cameron sagte, es sei "schmerzhaft", die Verhandlungen über ein mögliches Brexit-Abkommen mitzuverfolgen. Ein chaotischer Brexit ohne Abkommen wäre "schlecht". "Ich hoffe wirklich, dass es nicht dazu kommt", sagte der frühere Regierungschef. Er hält es nicht für ausgeschlossen, dass ein zweites Referendum angesetzt wird, da "wir feststecken".

Cameron, der ein ehemaliger Mitschüler des aktuellen Premierministers Boris Johnson ist, veröffentlicht am Donnerstag seine Memoiren "For the Record". Darin äußert er sich erstmals seit seinem Rückzug aus der Politik detailliert zum Brexit.