Britischer Unternehmer will Obdachlosen Mülleimer verkaufen – damit sie darin schlafen

Worin andere Menschen ihren Müll entsorgen, sieht der britische Unternehmer Peter Dawe die Lösung für das „Obdachlosen-Problem“. Er hat jüngst die sleep pod vorgestellt, die Schlafkapsel. Das sind zwei aneinander befestigte Mülleimer, in denen obdachlose Menschen „sicher, komfortabel und trocken“ schlafen können.

Zwei rote Mülleimer, wie in dem Video des Briten Peter Dawe, ergeben eine sichere und bequeme Unterkunft für Obdachlose. Foto: Symbolbild / gettyimages / Yuji Kawasaki / EyeEm

Peter Dawe, Mitglied der britischen Brexit-Partei und laut Medienberichten Multi-Millionär, hat eine nach eigenen Angaben „Lösung“ für das „Obdachlosen-Problem“ vorgestellt: die sleep pod (Schlafkapsel). In einem Youtube-Video zeigt Dawe, wie er dazu zwei Abfalleimer, deren Deckel er entfernt hat, mit einer Metallstange aneinander befestigt. Werden sie nun zusammengeklappt, könnten obdachlose Menschen hineinkriechen und darin „sicher, trocken und bequem“ schlafen. Als Preis hat Dawe 100 britische Pfund, umgerechnet knapp 120 Euro, aufgerufen.

Oder besser: „nur 100 Pfund“, wie Dawe in seinem Video sagt. Er hoffe, das Design werde von Obdachlosen weltweit angenommen und sich nicht nur in Großbritannien durchsetzen. Außerdem, führt er seine Erfindung weiter vor, könnten die beiden Abfalleimer später platzsparend ineinander gestapelt werden – „wenn man sie tagsüber nicht benötigt“. Wird zum Schluss der Deckel wieder befestigt und zugeklappt, dient die Schlafkapsel als Kleiderschrank: „Hier kann man Kleidung oder Bettzeug lagern und beides bleibt dabei trocken.“ Dawe schätzt seine Erfindung wie folgt ein: „Einfach. Effizient. Billig.“

Die Erfindung ist entweder genial oder schrecklich

Auf die Idee sei er laut Mirror gekommen, weil er im Fernsehen einen Beitrag über obdachlose Menschen gesehen habe, die beklagten, auf der Straße in ihren Schlafsäcken „getreten und angepinkelt“ zu werden. Daraus hat Dawe dann offensichtlich nicht abgeleitet, etwas gegen Hass auf und Gewalt gegen Obdachlose zu unternehmen oder etwas gegen Obdachlosigkeit an sich.

Zu der Zeit konzipierte Dawe gerade ein günstiges Fahrzeug für eine Person – das ebenfalls aus einem Mülleimer bestehen sollte. Dabei habe er entdeckt, wie bequem es in einem Mülleimer sei und dazu auch noch sicher. Beides biete ein Schlafsack nicht. „Um ehrlich zu sein, war ich ziemlich überrascht. Im Mülleimer war es auf jeden Fall bequemer, als auf dem Boden in einem Zelt zu schlafen. Und es ist dazu sturmsicher, komfortabel und trocken.“

Der Brexit-Fürsprecher, der bei der Parlamentswahl im vergangenen Jahr im Wahlkreis Cambridge antrat und 1,9 Prozent der Stimmen auf sich vereinte, weiß, dass seine Erfindung durchaus ambivalent gesehen werden kann: „Manche werden sie für genial halten, andere für entsetzlich.“ Auf die Frage, ob er selbst in seiner Erfindung geschlafen habe, antwortet Dawe: „Nein, aber ich habe mich für zehn Minuten hineingelegt.“

Im Interview mit dem Cambridge Independent erzählt Dawe, dass er sich außerdem für Mülleimer entschieden habe, weil sie günstig und überall verfügbar seien: „Es war einfach eine dieser genialen Ideen und ich dachte mir: ‚Ja, das könnte funktionieren.‘ Jetzt müssen wir nur noch herausfinden, ob das Menschen, die auf der Straße schlafen, ebenfalls so sehen.“

Oder es wird ausreichend Wohnraum geschaffen

Die Vice ist von der „genialen“ Idee Dawes weniger überzeugt. In einem Kommentar heißt es: „Man kann kaum abstreiten, dass der Kapitalismus ein minderwertiges Menschenbild geschaffen hat, wenn es eine gute Idee sein soll, Obdachlose in Mülleimern schlafen zu lassen.“

Ähnlich sieht es auch Rebecca Long-Bailey. Zu der Idee, obdachlosen Menschen zuerst zwei Mülleimer für 100 Pfund zu verkaufen, damit sie dann darin schlafen können, hat die Labour-Politikerin gesagt: „Wir könnten als sechstreichstes Land der Welt stattdessen auch ausreichend anständige Häuser bauen, damit sich die Menschen leisten können, darin zu leben.“