Britisches Gericht gibt 91.000 Klägern gegen VW im Dieselskandal Recht

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Mehr als viereinhalb Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals muss Volkswagen möglicherweise auch betroffene Kunden in Großbritannien entschädigen. Der High Court in London gab am Montag rund 91.000 VW-Kunden Recht, wie Anwälte der Sammelklage mitteilten. Das Gericht sehe es als erwiesen an, dass VW illegale Software in Fahrzeuge einbaute, die in Großbritannien verkauft wurden, um den Schadstoffausstoß bei Emissionstests zu drücken.

Ob es eine Entschädigung gibt und wie hoch diese gegebenenfalls ausfallen könnte, muss die Justiz allerdings in einem gesonderten Verfahren entscheiden. Einige Kunden könnten einen Teil der Summe erstattet bekommen, die sie für den Kauf eines Volkswagen, Audi, Seat oder Skoda ausgaben, wie die Anwaltskanzlei Slater und Gordon mitteilte. Sie vertritt rund 70.000 Kläger.

VW reagierte "enttäuscht" auf das Urteil. Der Konzern erwäge, in Berufung zu gehen, teilte ein Sprecher mit. VW sei nach wie vor sicher, dass die Kläger keinen Schaden erlitten hätten. Der Fall sei noch nicht abgeschlossen, Volkswagen werde sich im restlichen Verfahren unverändert "robust" verteidigen. "Nichts an der heutigen Entscheidung ändert das."

VW hatte im September 2015 zugegeben, in weltweit elf Millionen Fahrzeugen eine illegale Software eingesetzt zu haben. In Großbritannien waren 1,2 Millionen Fahrzeuge betroffen.

In Deutschland bietet der Konzern mittlerweile rund 260.000 Dieselkunden einen Vergleich an; sie sollen Einmalzahlung zwischen 1350 und 6257 Euro erhalten. Insgesamt will Volkswagen dafür 830 Millionen Euro ausgeben. Nach Angaben eines VW-Sprechers vom Montag registrierten sich mittlerweile etwa 234.000 Vergleichsberechtigte in einem Portal.

Bislang seien rund 50.000 Fälle abschließend geprüft worden. Die ersten Auszahlungen können demnach ab dem 5. Mai erfolgen. In Zusammenhang mit dem Dieselskandal zahlte der Konzern bereits mehr als 30 Milliarden Euro an Strafen und Entschädigungen, vor allem in den USA.