„Bullshit, Mann, so ein Blödsinn!“ – Bushido im NTV-Talk mit CDU-Politiker Frieser

Bei „So! Muncu“ dreht sich alles um den Echo-Skandal. Zu Gast bei Serdar Somuncu (m.) waren (v.l.n.r.): Lena Liebkind, Bushido, Michael Kellner und Michael Frieser (Bild: Screenshot ntv.de)

In der Talkshow „So! Muncu“ auf NTV stritten sich der Rapper Bushido und CDU-Politiker Michael Frieser über das Thema Kunstfreiheit im Rap. Der Anlass: Der Echo-Skandal um die Rapper Farid Bang und Kollegah und eine ausschlaggebende antisemitische Textzeile.

Es war eine Empörungswelle, die den deutschen Musikpreis Echo schlussendlich zu Fall brachte: Die Auszeichnung der beiden Rapper Farid Bang und Kollegah mit dem Preis „Hip-Hop/Urban National“ brachte eine erhitze Diskussion über Kunstfreiheit, Antisemitismus und Provokation mit sich. Der Stein des Anstoßes: Im Stück „0815“ des gemeinsamen Albums „Jung, brutal, gutaussehend 3“ kommt die Textzeile „Mein Körper ist definierter als der von Auschwitzinsassen“ vor.

Im Rahmen dieser Debatte trafen am Mittwochabend im NTV-Talkformat „So! Muncu“ des Kabarettisten und Autors Serdar Somuncu zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite: der bayrische CDU-Politiker Michael Frieser, ganz offensichtlich kein Anhänger des Rap-Genres. Zum anderen: Bushido, bürgerlich Anis Mohamed Youssef Ferchichi, einer der bekanntesten deutschen Rapper, Träger des Integrationsbambis und selbst Verfasser von oft als homophob, frauenfeindlich und gewaltverherrlichend kritisierten Textzeilen.

Bushido zeigte sich vom Skandal zu Beginn eher unbeeindruckt. Mit Provokation und Rap beschäftige er sich schließlich beruflich: „Wir Rapper sind sehr effektiv. Wir können mit wenigen Worten Riesenskandale hervorrufen“. Der Musiker zeigte sich abwechselnd genervt von den Vorwürfen gegenüber dem Rap-Geschäft, fühlte sich unverstanden und schien dann doch wieder eine Art Konsens zu suchen. Moralisch sei die Auschwitz-Textzeile ohne Frage verwerflich, handwerklich kann sie Bushido durchaus wertschätzten: „Alleine vom raptechnischen her war das eine sehr anspruchsvolle Line“.

So ganz glücklich schien Bushido mit dem öffentlichen Diskurs über seine Rap-Kollegen nicht zu sein. (Bild: Screenshot ntv.de)

Etwas anders sah es mit der Kunstfreiheit CDU-Politiker Michael Frieser. „Reden wir wirklich über Kunst heute?“, stellte der CDU-Politiker den künstlerischen Wert des Genres in Frage – und fällte anschließend ein generelles Urteil über die Musikrichtung: „Dass Rap gewaltverherrlichend, sexistisch, homophob, antisemitisch, rassistisch ist – das ist doch keine neue Erkenntnis.“

Auf die Nachfrage von Moderator Serdar Somuncu, ob denn nicht auch die Hörer antisemitische Tendenzen haben, antwortete der Rapper entgeistert: „Nein, Bullshit, Mann. So ein Blödsinn. Und ich will auch gar nicht, dass mit Adjektiven rumgeworfen wird“. Dann wandte er sich an Frieser: „Sie können doch nicht sagen, ‚Ist doch klar, dass Rap so und so und so ist.’ Wer sind Sie denn, dass sie überhaupt was über Rap wissen?“

Schuld an der Präsenz des Themas seien jene, die es immer wieder thematisierten. So ganz gefestigt schien der Standpunkt des Musikers nicht immer, zuerst bezeichnete er Farid Bang als unverstanden, um im nächsten Atemzug zu behaupten, dass dieser eigentlich nur provozieren wolle: „Jetzt habe ich gemerkt, dass auch ein Farid Bang auch nicht so verstanden wird, wie er das wollte“, argumentierte Bushido. „Wie will er denn verstanden werden“, fragte Somuncu nach. „Mann, der will einfach nur auf den Putz hauen und steht jetzt seit drei Wochen wieder auf Platz 1 der Charts, Glückwunsch Farid Bang“, so der Rapper. Sein kommerzielles Fazit: „Ihr seid doch selbst dran schuld, ihr fördert das ja!“

Der seltsamste Moment des Abends: Nachdem Frieser sich so halb mit Bushido solidarisiert hatte und anmerkte, dass es ja durchaus normal sei, zu provozieren und sich am Schulhof mal „eins auf die Fresse zu hauen“ gab’s im Gegenzug einen anerkennenden „Fist bump“ des Rappers.

Der versuchte das besorgte Bürgertum zu beruhigen: „Macht euch wirklich keine Sorgen, wir wollen nichts Böses. Wirklich jetzt, ohne Scheiß. Wir haben eine Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien. Punkt. Und wenn das dann dort irgendwann auf dem Tisch liegen sollte und die sagen, das gehört auf den Index, dann ist das gegessen.“

Der Schwachpunkt der Diskussion war nicht nur, dass sie bis zum Ende hin sehr sprunghaft war und auf keinen gemeinsamen Nenner kommen wollte. Vielmehr widmete sich der Diskurs beinahe ausschließlich dem Thema Kunstfreiheit, das Thema Antisemitismus wurde nur marginal als Anlass der Debatte berücksichtigt.