Bund und Länder legen Konzept zur Reform des Medizinstudiums vor

Zahl der Ärzte in Deutschland steigt weiter

Mehr Praxisbezug, eine Landarztqote und die Stärkung der Allgemeinmedizin: Das Medizinstudium in Deutschland soll umfassend reformiert werden. Bund und Länder beschlossen dazu am Freitag in Berlin einen "Masterplan Medizinstudium 2020", der unter anderem auf eine verbesserte Kommunikation zwischen Arzt und Patient zielt. So sollen die angehenden Mediziner in der Praxis schon deutlich früher mit Patienten in Kontakt kommen.

Eine gute Kommunikation sei maßgeblich "für den Behandlungserfolg und das Wohlbefinden der Patienten, heißt es in dem gemeinsamen Konzept. Neben der Abkehr vom Fachchinesisch soll auch die Allgemeinmedizin ein stärkeres Gewicht bekommen. "Die Allgemeinmedizin muss im Studium den Stellenwert erhalten, der ihr auch in der Versorgung zukommt", heißt es weiter.

So sollen angehende Mediziner regelmäßig in allgemeinmedizinischen Praxen hospitieren und Praktika bei Hausärzten absolvieren. Am Studienende werden alle im Fach Allgemeinmedizin geprüft. Bund und Länder erhoffen sich davon ein größeres Interesse an der Allgemeinmedizin und mehr Nachwuchs vor allem für den ländlichen Bereich.

Denn vor allem in ländlichen Regionen fehlen zunehmend Ärzte. Immer mehr Landarztpraxen müssen schließen, weil sie keine Nachfolger finden. Den Ländern wird daher die Einführung einer sogenannten Landarztquote ermöglicht.

Sie können künftig bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums für maximal zehn Jahre als Hausarzt aufs Land zu gehen. Bayern etwa hatte bereits angekündigt, bis zu fünf Prozent der Studienplätze für solche Bewerber zu reservieren.

Bei der Zulassung zum Studium soll künftig auch nicht mehr allein die Abiturnote ausschlaggebend sein. Bei der Auswahl der Bewerber sollen die Hochschulen neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien zugrunde legen, die "soziale und kommunikative Kompetenzen sowie einschlägige Berufserfahrung" berücksichtigen.

Mit der Reform des Medizinstudiums würden "die Weichen für die Ausbildung der nächsten Medizinergenerationen" gestellt, um den Herausforderungen einer immer länger lebenden Bevölkerung gerecht zu werden, heißt es in dem 37 Punkte umfassenden Papier.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach von einem "wichtigen Schritt hin zu einem modernen Medizinstudium". Damit solle eine gute Patientenversorgung überall in Deutschland auch in Zukunft sichergestellt werden. Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) hob den steigenden Praxisbezug während des Studiums hervor. Zudem würden kommunikative und soziale Fähigkeiten stärker gewichtet.

Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Die Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD), sieht damit die "positiven Weichen für die Ausbildung der nächsten Medizinergeneration gestellt".

Eine vor allem aus der Ärzteschaft geforderte Aufstockung der Zahl der Medizinstudienplätze sieht der Masterplan hingegen nicht vor. Eine Arbeitsgruppe soll zunächst die Studienplatzkapazitäten im Auge behalten und dazu erstmals im Jahr 2020 einen Bericht vorlegen.

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