Bund und Länder wollen das Medizinstudium reformieren

Zahl der Ärzte in Deutschland steigt weiter

Mehr Praxisbezug, eine Landarztquote und die Stärkung der Allgemeinmedizin: Das Medizinstudium in Deutschland soll reformiert werden. Bund und Länder beschlossen dazu am Freitag in Berlin einen "Masterplan Medizinstudium 2020", mit dem unter anderem wieder mehr Ärzte für den ländlichen Raum gewonnen werden sollen. Auch die Kommunikation zwischen Arzt und Patient soll künftig besser werden.

So sollen die angehenden Mediziner in der Praxis schon deutlich früher mit Patienten in Kontakt kommen. Eine gute Kommunikation sei maßgeblich "für den Behandlungserfolg und das Wohlbefinden der Patienten", heißt es in dem gemeinsamen Konzept, dessen Finanzierung noch nicht endgültig geklärt ist.

Neben der Abkehr vom Fachchinesisch soll auch die Allgemeinmedizin ein stärkeres Gewicht bekommen. "Die Allgemeinmedizin muss im Studium den Stellenwert erhalten, der ihr auch in der Versorgung zukommt", heißt es in dem 37-Punkte-Papier. Medizinstudenten sollen regelmäßig in allgemeinmedizinischen Praxen hospitieren und Praktika bei Hausärzten absolvieren.

Bund und Länder erhoffen sich davon ein größeres Interesse an der Allgemeinmedizin und mehr Nachwuchs vor allem für den ländliche Regionen, wo zunehmend Ärzte fehlen. Immer mehr Landarztpraxen müssen schließen, weil sie keine Nachfolger finden. Den Ländern wird daher die Einführung einer sogenannten Landarztquote ermöglicht.

Sie können künftig bis zu zehn Prozent der Medizinstudienplätze vorab an Bewerber vergeben, die sich verpflichten, nach Abschluss des Studiums für maximal zehn Jahre als Hausarzt aufs Land zu gehen. Bayern etwa hatte bereits angekündigt, bis zu fünf Prozent der Studienplätze für solche Bewerber zu reservieren.

Bei der Zulassung zum Studium soll künftig auch nicht mehr allein die Abiturnote ausschlaggebend sein. Bei der Auswahl der Bewerber sollen die Hochschulen neben der Abiturnote mindestens zwei weitere Kriterien zugrunde legen, die "soziale und kommunikative Kompetenzen sowie einschlägige Berufserfahrung" berücksichtigen.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) sprach von einem "wichtigen Schritt hin zu einem modernen Medizinstudium". Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) hob den steigenden Praxisbezug während des Studiums hervor. Die Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, die Bremer Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD), sieht durch das neue Konzept die "Weichen für die Ausbildung der nächsten Medizinergeneration gestellt".

Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery nannte es hingegen "enttäuschend", dass sich Bund und Länder nicht auf eine langfristige Finanzierungsvereinbarung einigen konnten. Der Medizinische Fakultätentag, ein Zusammenschluss der Medizinischen Ausbildungs- und Forschungsstätten, warnte angesichts des fehlenden Finanzierungskonzepts vor einer weiteren "Hängepartie".

Der Marburger Bund sprach von "Licht und Schatten". Der Ärztemangel, insbesondere der Mangel an Landärzten, werde sich dadurch nicht beheben lassen. Die Ärztevertreter bekräftigten ihre Forderung nach einem Ausbau der Studienplatzkapazitäten "um mindestens zehn Prozent". Eine vor allem aus der Ärzteschaft geforderte Aufstockung der Zahl der Medizinstudienplätze sieht der Masterplan zunächst nicht vor.

Der Ärzteverband Hartmannbund kritisierte, die Reform setze in wichtigen Fragen "eher auf Zwang und Lenkung statt auf Motivation".

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