Notrufnummern in Deutschland für rund eine Stunde gestört

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Blaulicht (AFP/INA FASSBENDER)

Ein gut eine Stunde andauernder Ausfall der Notrufnummern 110 und 112 in zahlreichen Bundesländern am Donnerstagmorgen hat vermutlich an einem Softwareupdate bei der Deutschen Telekom gelegen. Wie der Konzern am Donnerstag erklärte, war für die Störung vermutlich die Einbringung einer neuen Software ursächlich. Diese sei zuvor ausführlich getestet worden und habe keinerlei Auffälligkeiten gezeigt.

Die detaillierte Analyse daure an. Ein Hackerangriff könne derzeit aber ausgeschlossen werden. Auch habe der aktuelle Fehler eine völlig andere Ursache hatte als ein Ausfall im September. Die aktuelle Störung dauerte von 04.30 Uhr bis 05.40 Uhr. Dann waren laut Telekom alle Leitstellen wieder uneingeschränkt erreichbar.

Dem Bundesinnenministerium lagen über die Hintergründe des Ausfalls keine eigenen Erkenntnisse vor. Eine Sprecherin verwies an die Telekom und teilte zudem mit, dass die Kommunikation der Einsatzkräfte nicht betroffen gewesen sei.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Jörg Radek, verlangt nach dem Ausfall der Notrufnummern Konsequenzen. "Womöglich lebensentscheidende Rufnummern wie die 110 müssen einen 'doppelten Boden', also eine doppelte technische Absicherung haben", sagte Radek der "Bild"-Zeitung. Es dürfe nicht sein, dass jemand durch einen Softwarefehler oder ähnliches allein zurückgelassen werde.

Der Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), Armin Schuster, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, das Lagezentrum der Telekom sei "sehr schnell" mit dem Bundesamt in Kontakt getreten. "Die regionalen Leitstellen konnten anschließend unsere Warnapp Nina zur weiteren Verbreitung der Information nutzen."

Das BBK sei für die Notrufnummern selbst gar nicht zuständig, sondern die Telekom. "Wir müssen gewährleisten, dass die Warninfrastruktur funktioniert", sagte Schuster. Das habe das Amt mit der Warnapp Nina getan.

Während der Störung verbreitete das Bundesamt Gefahrendurchsagen für die betroffenen Bundesländer. Dies betraf unter anderem Teile Nordrhein-Westfalens, Niedersachsens, Baden-Württembergs, Hessens, Schleswig-Holsteins und Sachsen-Anhalts sowie die Großstädte Berlin, Hamburg und Frankfurt am Main. Dort waren die Notrufnummern 112 und teilweise auch die 110 ausgefallen.

Der zeitweise Ausfall der Leitungen war je nach Region unterschiedlich ausgeprägt. In Köln wurde zunächst ein großflächiger Ausfall von Strom, Telefonnetz und Trinkwasser gemeldet. Die Menschen wurden aufgefordert, sich in den Medien zu informieren, etwa über örtliche Radiosender. In Notfällen sollte der Polizeinotruf 110 oder die 19222 gewählt werden. In Frankfurt am Main war die Feuerwehrnotrufnummer 112 betroffen.

In Baden-Württemberg fielen die Notrufe 110 und 112 aus. Im gesamten Bundesland Sachsen-Anhalt fielen beide Notrufnummern und Behördenleitungen aus. In Nordrhein-Westfalen fiel der Notruf 112 in mehreren Städten aus. In Hessen waren vorübergehend der Landkreis und die Stadt Kassel betroffen, dort war der Notruf 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst wegen einer technischen Störung nicht zu erreichen.

In ganz Niedersachsen waren vorübergehend neben den Notrufnummern auch die Amtsleitungen der Polizei und von Krankenhäusern von dem Ausfall betroffen. Betroffen waren auch zahlreiche Landkreise im nördlichsten Bundesland Schleswig-Holstein.

Bei der Störung Ende September war insbesondere der Feuerwehrnotruf 112 zeitweise nicht erreichbar gewesen, in einigen Fällen war auch der Polizeinotruf 110 betroffen. Die damalige Störung dauerte 30 Minuten.

awe/cfm

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