Eine Festnahme und Verdacht gegen Islamisten nach Dortmunder Anschlag

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Beschädigter BVB-Mannschaftsbus

Die ersten Ermittlungen nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund deuten auf einen islamistischen Hintergrund der Tat hin. Laut Bundesanwaltschaft wurden zwei Verdächtige aus dem islamistischen Spektrum ins Visier genommen, von denen einer vorläufig festgenommen wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zeigte sich "entsetzt" über den Anschlag, Borussia Dortmund bekam zahlreiche Solidaritätsbekundungen.

Kurz vor dem Champions-League-Spiel gegen den AS Monaco waren am Dienstagabend drei Sprengsätze in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert, als dieser vom Hotel im Dortmunder Stadtteil Höchsten zum Stadion losfuhr. Dabei wurden der Innenverteidiger Marc Bartra und ein Polizist verletzt. Bartra musste nach einem Bruch der Speiche operiert werden, es ging ihm am Mittwoch laut BVB "den Umständen entsprechend gut". Der auf einem Begleitmotorrad neben dem Bus fahrende Polizist erlitt ein Knalltrauma und einen Schock.

Die Sprengsätze waren laut Bundesanwaltschaft mit Metallstiften bestückt und hatten eine Sprengwirkung von mehr als hundert Metern. Einer der Metallstifte habe sich in die Kopftstütze eines Bussitzes gebohrt. "Wir können daher von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagte Behördensprecherin Frauke Köhler in Karlsruhe.

Laut Bundesanwaltschaft lagen im Bereich des Anschlagorts drei Bekennerschreiben. Diesen zufolge sei ein islamistischer Hintergrund des Anschlags "möglich". In den textgleichen Schreiben werde unter anderem der Abzug von Tornados aus Syrien und die Schließung der US-Luftwaffenbasis Ramstein gefordert. Die Bekennerschreiben würden nun insbesondere unter islamwissenschaftlichen Gesichtspunkten ausgewertet, sagte Köhler.

Sowohl ein Sprecher von Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) als auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) nannten es nach den Erfahrungen mit früheren Anschlägen ungewöhnlich, dass in Tatortnähe Bekennerschreiben gefunden wurden.

Obwohl eine abschließende Bewertung gegenwärtig noch nicht möglich sei, stuften die Karlsruher Ermittler die Tat als terroristisch ein. Von den beiden Tatverdächtigen seien Wohnungen durchsucht worden. Bei dem vorläufig festgenommenen Mann werde geprüft, ob auch ein Haftbefehl beantragt werde.

Bei den beiden Verdächtigen handelt es sich nach Informationen des "Kölner Stadt-Anzeiger" und des Kölner "Express" um einen 25-jährigen Iraker aus Wuppertal und einen 28-jährigen Deutschen aus Fröndenberg im Kreis Unna. Beiden werde eine Nähe zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat vorgeworfen. Den Behörden lägen Hinweise vor, vor dass sich mindestens einer der beiden in Tatortnähe aufgehalten haben könnte.

Jäger sprach vor Journalisten davon, die Attentäter wollten "eine größtmögliche Öffentlichkeit" erzielen. Es müsse davon ausgegangen werden, dass die Täter weitere Anschläge verüben wollten. In den Bekennerschreiben heißt es Medienberichten zufolge, ab sofort stünden Sportler und andere Prominente "in Deutschland und anderen Kreuzfahrer-Nationen" auf einer "Todesliste des Islamischen Staates."

Merkel drückte laut Regierungssprecher Steffen Seibert BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in einem Telefonat ihre Solidarität aus. "Das ist eine widerwärtige Tat", sagte Seibert. De Maizière wollte stellvertretend für die Bundesregierung das auf Mittwochabend verschobene nachgeholte Spiel gegen Monaco im Stadion verfolgen. Auch Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) kündigte ihren Besuch der Begegnung an.

Borussia Dortmund bekam unzählige Unterstützungsbekundungen. Der Ruhrgebietsrivale Schalke 04 schrieb etwa bei Twitter: "in solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen."

Beim Dortmunder Nachholspiel wie wie auch beim ebenfalls am Mittwochabend stattfindenden Spiel des FC Bayern München gegen Real Madrid in München sollte die Polizeipräsenz deutlich ausgeweitet werden.

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