Bundesliga: So läuft Roses Taktikrevolution in Gladbach

Voller Vorfreude geht ÖFB-Teamkicker Stefan Lainer in seine erste Saison in Deutschland. Dass Marco Rose mit ihm von Salzburg zu Gladbach wechselte, mache die Arbeit am Platz nicht unbedingt leichter, meinte der Verteidiger. Lainer weiß aber, welche Ideen der Trainer verfolgt. "Er wird das so durchziehen, wie es bei Salzburg war", sagte er. Und dabei "ganz sicher nicht von seinem Weg abweichen".

Der neue Trainer Marco Rose vollzieht bei Borussia Mönchengladbach gerade eine Taktikrevolution. Womöglich ist es das spannendste Projekt der Bundesliga.

"Es ist natürlich alles neu", sagt Gladbachs Patrick Herrmann gegenüber SPOX und Goal und er sagt es so, als wäre es das Selbstverständlichste überhaupt. Aber gut, "alles neu" ist auch das aktuelle Motto bei Borussia Mönchengladbach. Seit Marco Rose vor gut zwei Wochen das Traineramt übernommen hat, läuft das vielleicht spannendste Projekt der Bundesliga: die spielphilosophische und taktische Totalveränderung einer Fußballmannschaft.

Dieter Hecking, zuletzt zweieinhalb Jahre lang Gladbach-Trainer, ließ in der vergangenen Saison zumeist ein 4-3-3-System spielen und legte dabei Wert auf Spielkontrolle. Als seine Mannschaft im Februar gegen den FC Schalke 04 den Ball mal über 62 Stationen gehalten und dann ins Tor geschossen hatte, lobte er danach: "Es mag unspektakulär gewirkt haben, aber aus Trainer-Sicht war das ein überragendes Tor."

Rund zwei Monate später verkündete Gladbach auf Tabellenplatz fünf die Trennung von Hecking im Sommer. Bald darauf wurde Rose als sein Nachfolger vorgestellt. Aus dessen Sicht war dieser Treffer gegen Schalke wohl eher kein überragendes Tor. Ein überragendes Tor ist für Rose nämlich eines, dem etwa null bis drei Stationen vorausgehen.

Marco Rose: "Das klingt alles richtig geil"

Rose ist anders als Hecking ein Gegen-den-Ball- und kein Mit-dem-Ball-Trainer. Er trägt grauen Bart statt spitzen Augenbrauen und steht für Gegenpressing und Tempofußball statt Ballkontrolle. So ließ Rose bei seiner bisher einzigen Profitrainerstation RB Salzburg überaus erfolgreich spielen und so wird er auch in Gladbach spielen lassen.

"Wir wollen sehr aktiv gegen den Ball arbeiten, viel sprinten. Wir wollen hoch die Bälle gewinnen und kurze Wege zum Tor haben. Wir wollen nicht hoch und weit, sondern schnell, dynamisch und aktiv nach vorne spielen", sagte er bei seiner Vorstellung. Rose will viel, aber das weiß er auch selbst. "Das klingt alles richtig geil, aber es wird sicher Zeit brauchen, diese Dinge zu entwickeln."

Die Trainerstationen von Marco Rose

Jahr Verein Funktion Spiele
2009 1. FSV Mainz 05 Co-Trainer (unter T. Tuchel) 2
2010 bis 2012 1. FSV Mainz 05 II Co-Trainer (unter M. Schmidt) 70
2012 bis 2013 Lok Leipzig Trainer 30
2013 bis 2017 RB Salzburg Jugendtrainer 93
2017 bis 2019 RB Salzburg Trainer 114

Marco Rose und Gladbach: Hauptsache schnell

Seit zwei Wochen arbeitet Rose mit seiner Mannschaft an dieser Entwicklung, rund einen Monat hat er noch bis zum Saisonstart. Drei Testspiele bestritt Gladbach bisher unter Rose. Auf einen 8:0-Sieg gegen den Landesligisten 1. FC Mönchengladbach folgten bei einem Vorbereitungsturnier in Heimstetten bei München am Samstag ein 1:0-Sieg gegen den TSV 1860 München sowie eine 0:1-Niederlage gegen den FC Augsburg (jeweils 45 Minuten Spielzeit).

Die beiden bisher einzigen Neuzugänge Breel Embolo (für zehn Millionen Euro von Schalke) und Stefan Lainer (für zwölf Millionen Euro von Salzburg) fehlten beim Turnier in Heimstetten verletzt. Und so waren es ausschließlich alte Spieler, die die neue Spielphilosophie mit Leben füllen mussten.

"Unter dem alten Trainer waren das Ballhalten und das Verschieben wichtig", sagt Herrmann, ehe er ganz schnell aufzählt: "Jetzt wollen wir schnell ins Gegenpressing gehen, verlorene Bälle schnell zurückholen, dann schnell in die Tiefe gehen und Tempofußball spielen mit vielen schnellen Läufen." Schnell! Hauptsache schnell!

Gladbachs neues System: Zwei Stürmer, keine Flügelstürmer

Wie schon in Salzburg baut Rose auch in Gladbach auf ein 4-4-2-System mit Raute. "Das studieren wir jetzt ein", sagt Tony Jantschke gegenüber SPOX und Goal und liefert direkt erste Erkenntnisse: "So haben wir einen Mann mehr im Zentrum und schneller Leute in der Box. Die Wege nach Außen sind dadurch aber weiter."

Weil die Außenbahnen lediglich von den beiden Außenverteidigern besetzt werden, gibt es in diesem System anders als im zuletzt praktizierten 4-3-3 keine klassischen Flügelstürmer. Für den zu Borussia Dortmund abgewanderten Thorgan Hazard braucht es somit keinen direkten Ersatz.

Um die beiden Plätze im Sturm sollen neben Alassane Plea und Embolo auch Herrmann und Ibrahima Traore kämpfen. Mit Marcus Thuram vom französischen Zweitligisten EA Guingamp kommt womöglich sogar noch ein fünfter Kandidat. Nicht nur im Sturm ist die finale Besetzung völlig offen, Rose testet überall munter durch und gibt allen Spielern Chancen. Eine Stammformation wird sich wohl erst bei den ersten Pflichtspielen herauskristallisieren.

Beim Test gegen 1860 erzielte übrigens Herrmann das entschiedene 1:0 - auf Vorlage seines Sturmpartners Plea. Als es bei der darauffolgenden Niederlage gegen Augsburg im Aufbau mal nicht so schnell ging, brüllte ein Fan von der Tribüne: "Da ist der Hecking-Virus!" Und unten an der Seitenlinie gestikulierte Rose wild herum. "Hoffentlich verinnerlichen wir schnell, was dem Trainer vorschwebt", sagt Jantschke. "Ich glaube, dann kann das sehr, sehr gut werden."

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