Bundesliga: Watzke über Titelwunsch: "War klar, dass ich jahrelang falsch zitiert werde"

Borussia Dortmund hat seine Reise in die USA abgeschlossen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat deshalb ein Fazit gezogen - und über die sportlichen Erkenntnisse, den BVB-Kader sowie die Stürmersuche gesprochen.

Borussia Dortmund hat seine Reise in die USA abgeschlossen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat deshalb ein Fazit gezogen - und über die sportlichen Erkenntnisse, den BVB-Kader sowie die Stürmersuche gesprochen.

Außerdem äußerte er sich zum FC Bayern München und dessen hohen Qualitäten.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke über...

... die USA-Reise: "Absolut positiv. Wir haben der Mannschaft einiges abverlangt. Auf der anderen Seite ist ein wenig Willensschulung auch mal ganz gut. Früher, so vor schätzungsweise 30 Jahren, als Dinge wie Belastungssteuerung eher rudimentär gehalten wurden, da mussten wir 25 Runden um den Platz laufen. Heute ist die Belastung eine andere. Aber ich finde das gut. Und es gehört eben auch mal dazu, wenn man für einen großen Klub spielen möchte."

... die sportlichen Erkenntnisse: "Mir hat vieles gut gefallen. Die Reise war gut aufgebaut. Erst gegen die Seattle Sounders und dann gegen den FC Liverpool. Wir können die Ergebnisse natürlich einschätzen, aber ich habe schon gemerkt, dass der Test gegen Liverpool mehr war als nur ein Freundschaftsspiel. Wenn ich sehe, wie Liverpool uns in den letzten 15 Minuten attackiert hat, dann habe ich nicht den Eindruck, dass das Ergebnis zweitrangig war. Insofern war das ein sehr guter Test. Jetzt fliegen wir nach Hause und haben eine ganze Woche Zeit fürs Training. Dann geht's weiter nach Bad Ragaz. Deswegen glaube ich, dass wir ein ausgewogenes Programm haben."

... die wirtschaftlichen Erkenntnisse: "Man merkt schon, dass die schwarzgelbe Community in Amerika größer wird. Wir sind nicht Liverpool, das haben wir auch gesehen. Die englischen Klubs haben viel Vorsprung, aber trotzdem sind wir schon deutlich präsenter als noch vor zwei oder drei Jahren. Es lohnt sich also auch monetär, aber wir haben in diesem Jahr ein ganz klares Primat des sportlichen Erfolgs, dem alles untergeordnet wird. Wir hätten ja auch in der kommenden Woche noch irgendwo, irgendein Spiel machen können, um Geld zu verdienen. Aber wir haben ganz bewusst gesagt, dass wir nur trainieren wollen. Wir versuchen, dem möglichen sportlichen Erfolg alles unterzuordnen."

... das Ziel Meisterschaft: "Mir war ja klar, als ich über den Titelwunsch gesprochen habe, dass ich in der Folge jahrelang falsch zitiert werde. Ohne irgendwas relativieren zu wollen, ich habe gesagt, dass wir alles versuchen werden, um Meister zu werden. Dabei bleibt es. Wir haben investiert, das ist ja klar, aber wir haben auch, und das kommt mir manchmal ein bisschen zu kurz, ein paar Spieler verkauft. Ich glaube, dass wir gar nicht mehr so weit aus der Balance sind. Wenn ich an Christian Pulisic denke, an Abdou Diallo und an Alexander Isak, dann komme ich auch schon auf über 100 Millionen Euro Einnahmen. Deswegen sehe ich unsere Investitionen nicht als besonders dramatisch an."

... die Zielvorgabe an die Mannschaft: "Man muss es immer im Kontext sehen. Wir haben unsere Ziele kurz nach dem letzten Spieltag formuliert. Damals war es, glaube ich, wichtig, weil wir wahrscheinlich eine Sommerdepression ausgelöst hätten, wenn wir defensiv an die Sache rangegangen wären. Und es gehört ja auch die Tatsache dazu, dass wir, obwohl wir in der Rückrunde einen deutlichen Vorsprung verspielt haben, am Ende nur zwei Punkte weniger hatten als der FC Bayern München. Das ist eine Plattform, von der wir unsere Ziele formulieren können. Es ist auch unsere Überzeugung. Ein Jahr zuvor hätten wir das nicht machen können. Es nützt ja nichts, wenn wir Ziele vorgeben, an die wir selbst nicht glauben. Dieses Jahr haben wir das Gefühl, dass es der richtige Moment ist, um unsere Ziele so zu formulieren, wie wir sie formuliert haben."

.. den BVB-Kader: "Ich glaube, dass unser Kader ausgewogener ist als in der Vorsaison. Ich bin sicher, dass die Rückkehr von Mats Hummels sich sehr bezahlt machen wird. Vorne sind wir unberechenbarer geworden. Wir sind zufrieden, was den Stand der Dinge angeht. Und jetzt werden wir in den nächsten Wochen noch den einen oder anderen Spieler, der bei uns keine Zukunft hat, abgeben. Hinter den Kulissen laufen die Gespräche, Michael Zorc ist da sehr fleißig bei der Arbeit. Wir werden den Kader noch etwas verkleinern. Auf der Aufnahmeseite habe ich ein gutes Gefühl mit diesem Kader. Und dieses Gefühl haben wir eigentlich alle, Michael Zorc, Sebastian Kehl, Matthias Sammer und ich."

... die Stürmersuche: "Ich habe das Gefühl, dass wir einen gelernten Mittelstürmer haben. Und damit haben wir genauso viele gelernte Mittelstürmer wie Bayern München, nämlich einen. Paco Alcacer hat ja jetzt in den Testspielen auch immer getroffen - und ehrlich gesagt verstehe ich die ganze Diskussion nicht. Wenn es nach Größe geht, hätten Uwe Seeler und Gerd Müller auch nie den Ansprüchen genügt. Paco ist dieses Jahr deutlich straffer, weil er die gesamte Vorbereitung mitmachen kann. Deswegen muss niemand so tun, als ob wir keine Stürmer hätten. Denn wir haben ja auch noch Mario Götze, Thorgan Hazard und Jacob Bruun Larsen, die diese Position spielen können. Deswegen ist die Stürmer-Diskussion eine Diskussion, die überwiegend von den Medien geführt wird und nicht von uns."

... den Supercup gegen die Bayern: "Ich freue mich total auf den Supercup. Das Spiel war ja auch ruckzuck ausverkauft. So ein Interesse am Supercup hat's eigentlich noch nie gegeben, was aber irgendwie auch klar ist. Im Ausland hat der Supercup schon einen großen Stellenwert, in Deutschland wird es immer mehr. Und die Voraussetzungen sind ja auch besonders. Mats Hummels gegen seine ehemaligen Mitspieler und das spannende Meisterrennen in der Vorsaison - da kann man sich schon drauf freuen. Ich denke auch, dass beide Klubs das Spiel sehr ernst nehmen und dass es für beide ein richtiges Pflichtspiel ist."

... die Qualität des FC Bayern: "Es ist egal, was die Bayern noch machen, weil sie jetzt schon eine Topmannschaft haben. Wenn ich mir die Bayern-Mannschaften aufschreibe, was ich vergangene Woche mal gemacht habe, weil ich ja fast schon geglaubt habe, was die Presse so schreibt, dann habe ich Probleme zu sagen, wer da alles in der ersten Elf steht und wer nicht. Die Bayern haben wirklich eine Topmannschaft, da brauchen wir uns gar nichts vormachen. Und sie werden ja auch noch etwas tun, um quantitativ noch ein bisschen nachzulegen. Aber von der Qualität sind sie jetzt schon sehr, sehr stark."

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