Bundesregierung warnt vor starker Spaltung der Gesellschaft

Kluft zwischen arm und wird größer

Die Bundesregierung warnt vor einer zu starken Spaltung der Gesellschaft. "Sind die Unterschiede zwischen arm und reich zu groß und wird erworbener Reichtum als überwiegend leistungslos empfunden, so kann dies die Akzeptanz der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung verringern", heißt es im neuen Armuts- und Reichtumsbericht, aus dem die "Süddeutsche Zeitung" am Donnerstag zitierte.

Gerade weniger privilegierte Bürger empfänden "ihre Anstrengungen vielfach als nicht ausreichend respektiert". Für die Menschen sei es sehr wichtig, dass sie und ihre Kinder den erreichten Status verbessern oder wenigstens erhalten könnten. Gebe es hier Zweifel, "kann dies in allen Gesellschaftsschichten zu Verunsicherung führen", stellt der Bericht demnach fest.

In der Analyse wird auch auf Studien verwiesen, wonach die Aufstiegschancen abgenommen haben. Während es den um 1960 Geborenen häufiger gelungen sei, "einen niedrigen beruflichen oder Bildungsstatus der Elterngeneration zu überwinden und einen Aufstieg mindestens in den mittleren Status zu erreichen", sei die Wahrscheinlichkeit dafür für die zwischen 1970 und 1986 Geborenen "nur noch etwa halb so hoch".

In der Kurzfassung wird demnach festgestellt, dass Deutschland besonders im internationalen Vergleich etwa bei den Beschäftigten und Reallöhnen sehr solide dastehe. Die Regierung weist aber auch auf soziale Probleme und Schieflagen hin. So sei von 2013 bis 2016 die Zahl der Erwachsenen "mit einer hohen Überschuldungsintensität von 3,79 auf 4,17 Millionen Menschen gestiegen".

Auch hätten Langzeitarbeitslose "nicht proportional" vom deutschen Jobboom profitieren können. Zudem hinke der Dienstleistungsbereich bei den Lohnsteigerungen hinterher. Dies wird unter anderem auf die geringe Tarifbindung in diesem Bereich zurückgeführt.

Den Bericht, der zum fünften Mal vorgelegt wurde, verfasst federführend das Bundesarbeitsministerium. Im Oktober vergangenen Jahres war eine erste Fassung bekannt geworden. In der zweiten Fassung waren nach der Abstimmung mit dem Bundeskanzleramt Passagen gestrichen worden, wonach Menschen mit mehr Geld stärkeren Einfluss auf politische Entscheidungen haben als Einkommensschwache.

Dies war in der SPD sowie bei Grünen und Linken auf heftige Kritik gestoßen. Bei dem Wegfall dieser heiklen Passagen ist es dem Zeitungsbericht zufolge in der vorläufig letzten Fassung geblieben, die nun in der Ressortabstimmung ist.

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