Bundesregierung wirbt trotz Pandemie ausländische Pflegekräfte an

·Lesedauer: 1 Min.
Intensivpflegekraft in Krankenhaus in Freising

Trotz der weltweit herrschenden Personalnot in der Pflege hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) offenbar auch während der Corona-Pandemie weiter Pflegekräfte aus dem Ausland anwerben lassen. Das geht aus einer Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor, über die die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) vom Montag berichteten.

Demnach wurden 2020 im Rahmen des sogenannten "Triple-Win-Programms" insgesamt 759 Pflegekräfte angeworben - darunter 234 aus Vietnam, 210 von den Philippinen, 156 aus Bosnien und Herzegowina, 127 aus Tunesien und 32 aus Serbien. 593 ausländische Pflegekräfte reisten nach der Erledigung der Formalitäten im vergangenen Jahr schließlich nach Deutschland ein. Das ist den Angaben zufolge ein Anstieg um 30 Prozent gegenüber 2019, als 453 Pflegekräfte nach Deutschland gekommen waren.

Die Zahl der mit Hilfe des Programms eingereisten Pflegekräfte erhöhte sich damit seit 2016 auf insgesamt 2813. Das wichtigste Herkunftsland sind die Philippinen mit 1294 Pflegekräften. Es folgt Serbien (759), Bosnien und Herzegowina (644), Vietnam (84) und Tunesien (32).

Die Linkspartei kritisierte das Vorgehen von Spahn scharf. Der Gesundheitsminister verweigere jeden noch so kleinen Schritt, um die Pflege solidarisch zu finanzieren, sagte Pflegeexpertin Pia Zimmermann den RND-Zeitungen. Damit blockiere er auch die finanziellen Voraussetzungen für eine bessere Bezahlung in der Altenpflege, die seit Jahren überfällig sei. "Stattdessen zieht er bei der Anwerbung im Ausland alle Register. Dort fehlen jetzt die Fachkräfte in der Pandemiebekämpfung", beklagte Zimmermann. Speziell der Altenpflege im Inland sei damit trotzdem nicht nachhaltig geholfen, kritisierte die Linken-Politikerin.

jp/cne