Bundestagswahl: "Krisen nutzen erfahrungsgemäß den Regierenden"

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Das Hochwasser führt auch zu einem Schaulaufen der Politiker am Katastrophenort. Ein Gespräch mit der Politologin Ursula Münch über die Folgen der Krise für den Wahlkampf

Angela Merkel und Armin Laschet bei ihrem Besuch in Bad Münstereifel am 20. Juli 2021. © Wolfgang Rattay/​Pool/​Reuters
Angela Merkel und Armin Laschet bei ihrem Besuch in Bad Münstereifel am 20. Juli 2021. © Wolfgang Rattay/​Pool/​Reuters

Ursula Münch, Jahrgang 1961, ist Professorin für Politikwissenschaft an der Universität der Bundeswehr München sowie Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing am Starnberger See. Sie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem föderalen System und den politischen Parteien in Deutschland.

ZEIT ONLINE: Frau Münch, das Land erlebt eine tiefe menschliche und politische Krise. Wer hat etwas davon, wenn Politiker in Notstandsgebiete reisen?

Ursula Münch: Es kommt darauf an, welche Politikerinnen und Politiker dort hinreisen. Diejenigen mit exekutiver Verantwortung für die entsprechenden Regionen müssen hin, auch die im Bund zuständigen. Es geht ja darum, sich anzuschauen und anzuhören, was vor Ort los ist, um anschließend die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Aber natürlich sollten da jetzt nicht alle hinreisen.

ZEIT ONLINE: Angela Merkel hat am Dienstag mit Unionskanzlerkandidat Armin Laschet Bad Münstereifel besucht. Ist das Wahlkampf?

Münch: Bei Angela Merkel wohl am allerwenigsten, sie steht ja nicht mehr als Kanzlerin zur Verfügung. Zudem ist sie eher nicht dafür bekannt, für Herrn Laschet ständig Werbung zu machen. Manche befürchten ja, dass sie das nicht einmal für ihre eigene Partei, die CDU, täte. Bei ihrem kürzlichen Besuch in Rheinland-Pfalz konnte man ihr aufrichtiges Interesse, ihre Empathie beobachten. Sollte das Wahlkampf gewesen sein, dann nur zu einem zu vernachlässigenden Teil.

ZEIT ONLINEOnline: Sie betonen hier das Abständige der Kanzlerin zu ihrer eigenen Partei. Da drängt sich die Frage nach dem lachenden Armin Laschet auf. Hat er Angela Merkels Format?

Münch: Grundsätzlich traue ich ihm das zu. Der Mann kommt bekanntlich nicht aus dem Nichts. Ich fand die Bilder mit ihm auch unschön. Zugleich wissen wir doch alle, dass Menschen Übersprungshandlungen begehen. So sind wir nun mal. Aber mir fällt die enorme Wirkung dieser Bilder auf, die wir in Dauerschleife präsentiert bekommen. Das erzeugt eine in meinen Augen unangemessene Aufmerksamkeit für solche Fehler. Das ist eine Form der Transparenz-Übersteigerung, die das Verhalten von Politikern und Politikern verändert. Da müssen wir als Gesellschaft aufpassen, es nicht zu übertreiben.

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