Bundeswehr-Verband fordert von Ministerin "Fakten" für Kritik an der Truppe

Bundeswehrstuben sollen einen neuen, frischeren Look bekommen. Hintergrund ist die von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) vor drei Jahren ausgerufene Attraktivitätsoffensive für die Truppe

Der Bundeswehr-Verband hat Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) aufgefordert, Belege für ihre Kritik an der Truppe nach der jüngsten Serie von Bundeswehr-Skandalen vorzulegen. "Ich hoffe, dass sie noch die Fakten präsentiert, auf deren Grundlage sie zu dieser harten Bewertung kommt", sagte Verbandschef Andre Wüstner am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin".

Es sei zwar "gut", dass die Ministerin nun einen offenen Brief auf der Website des Bundesverteidigungsministeriums veröffentlicht habe, doch sei "viel Vertrauen zerstört worden", sagte Wüstner, der insbesondere die Art der Kommunikation kritisierte. Auf viele habe von der Leyens Kritik so gewirkt, "als setzt sie sich jetzt auf die Tribüne und kommentiert und verurteilt ihre eigene Mannschaft. Und das war das, was viele nicht einordnen konnten und deswegen gingen die Alarmglocken an."

Von der Leyen war am Wochenende mit den Verantwortlichen in ihrer Truppe hart ins Gericht gegangen. Sie sprach im ZDF von einem "Haltungsproblem", von "Führungsschwäche" und "falsch verstandenem Korpsgeist".

Anlass für die Äußerungen ist der Fall des am Mittwoch festgenommenen Oberleutnants Franco A., der sich offensichtlich monatelang als syrischer Flüchtling ausgegeben hatte und der offenbar einen Anschlag plante. Am Wochenende war bekannt geworden, dass der Bundeswehr schon seit 2014 Hinweise auf eine rechtsextreme Gesinnung des Offiziers vorlagen, ohne dass Konsequenzen folgten.

In einem offenen Brief an die Bundeswehr-Angehörigen vom Montagnachmittag bat die Ministerin später um Vertrauen und Geduld. Sie betonte, die "übergroße Mehrheit" der Soldaten und zivilen Mitarbeiter versehe ihren Dienst "anständig und tadellos". Angesichts der Zahl der Vorfälle und Fehlentscheidungen könne aber nicht mehr von Einzelfällen die Rede sein, fügte sie hinzu. Die Ministerin kündigte an, Ausbildungskonzepte zu hinterfragen und über weitere Sicherungsmechanismen nachzudenken.

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