Bundesweite Corona-Inzidenz steigt auf 9,4

·Lesedauer: 2 Min.
Corona-Teststation in Berlin

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut angestiegen. Sie lag am Samstag bei 9,4, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin erwarten anhand von Modellrechnungen eine vierte Corona-Welle im Herbst. Sie kann demnach aber ausbleiben, "wenn die Impfstoffe gegen Delta deutlich besser wirken als derzeit bekannt, oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht wird".

Die Sieben-Tage-Inzidenz gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb dieses Zeitraums an. Am Vortag hatte die Inzidenz noch 8,6 betragen, vor einer Woche noch 5,8.

Grund für den seit Anfang Juli kontinuierlich steigenden Inzidenzwert ist die hoch ansteckende Delta-Variante des Virus. Sie ist laut RKI inzwischen für mehr als 50 Prozent der Ansteckungen verantwortlich ist. Nach RKI-Angaben wurden binnen 24 Stunden 1608 Corona-Neuinfektionen sowie 22 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Virus registriert.

Die Wissenschaftler der Technischen Universität Berlin nannten den aktuellen Anstieg der Inzidenzen "beunruhigend"; er werde beschleunigt, wenn die Schulen nach den Sommerferien ohne Schutzmaßnahmen öffnen und im Herbst Aktivitäten nach drinnen verlagert würden, heißt es in ihrem Bericht an das Bundesforschungsministerium. Letzteres werde auch zu einem Anstieg der Aufnahmen in Krankenhäusern führen.

Die Wissenschaftler um den Mobilitätsforscher Kai Nagel empfehlen mechanische Lüftungssysteme in den Schulen, verbunden mit dem flächendeckenden Einsatz von Schnelltests und/oder PCR-Tests, was die Infektionsdynamik "deutlich" reduzieren könne. "Bei konsequenter Umsetzung sind Schulschließungen oder Wechselunterricht nicht notwendig." Die derzeit üblichen zwei Schnelltests pro Woche seien aber "bei weitem nicht ausreichend."

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat mögliche neue Corona-Einschränkungen im Herbst und Winter vom Fortschritt bei den Impfungen abhängig gemacht; bei einer Impfquote von mehr als 70 Prozent würden wahrscheinlich nur "Basismaßnahmen" wie Abstand und Masken gebraucht, hatte er am Freitag gesagt.

Experten halten für einen Schutz der Bevölkerung vor schweren und tödlichen Verläufen der Infektion eine Quote von 85 Prozent bei Menschen zwischen zwölf und 59 Jahren und 90 Prozent bei den Älteren für erforderlich.

Der Anteil der vollständig Geimpften in Deutschland betrug am Freitag laut Gesundheitsministerium 45,9 Prozent; einmal geimpft waren demnach mindestens 59,7 Prozent.

In Bremen und im Saarland bekam bereits rund die Hälfte der Bevölkerung die Zweitimpfung gegen das Coronavirus: Die Quote in Bremen lag nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums vom Samstag bei 50,6 Prozent und im Saarland bei 50,1 Prozent.

Schlusslicht bei den Bundesländern war Brandenburg mit einer Quote von 42,6 Prozent bei den zweimal Geimpften. Die Wehrbeauftragte Eva Högl forderte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben) eine Corona-Impfpflicht für alle Bundeswehrsoldaten und -soldatinnen.

ilo/ju

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.