Vor Bund-Länder-Beratungen Debatte über Für und Wider von verkürzter Quarantäne

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Pfleger auf Intensivstation in Bochum (AFP/Ina FASSBENDER) (Ina FASSBENDER)

Vor den neuerlichen Bund-Länder-Beratungen zur Corona-Lage wird weiter das Für und Wider einer verkürzten Quarantänezeit diskutiert. Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen sagte am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin", er sei bezüglich einer pauschalen Verkürzung der Quarantäne "sehr vorsichtig". Der Parlamentsgeschäftsführer der Unionsfraktion, Thorsten Frei (CDU), sieht derzeit noch keine Überlastung wichtiger Einrichtungen wie Polizei und Feuerwehr. Mit den aktuellen Corona-Fragen wollte sich auch der Expertenrat der Bundesregierung befassen.

Dahmen sagte, es sei in Ordnung, bei Geimpften, die sich infizierten, aber keine Symptome zeigten, die Quarantäne am fünften Tag mit einem negativen PCR-Test zu beenden. Das gelte auch für bestimmte Beschäftigte mit geringen Kontakten, wie etwa in Wasserwerken. Doch "die Krankenschwester, die sich um den Herzinfarkt oder Schlaganfall kümmert, aus den Quarantäneregeln auszunehmen, die dann möglicherweise weitere Patienten ansteckt, das öffnet für Omikron zu viele Türen."

Frei sagte in der Sendung "Frühstart" von RTL/ntv, zwar könne es "durchaus sein, dass man am Ende dazu kommen muss, Quarantänezeiten zu reduzieren". Allerdings sei dies auch mit Risiken verbunden und müsse in der jeweiligen Situation entschieden werden. "Momentan und aktuell absehbar haben wir nicht die Situation, dass wir von einer Überlastung der kritischen Infrastruktur ausgehen müssen."

Die Spitzen von Bund und Ländern wollen am Freitag über eine Verkürzung der Quarantäne- und Isolationszeiten beraten, mit der personelle Engpässe bei wichtigen Einrichtungen vermieden werden sollen. Dazu will sich bis Freitag auch das Robert-Koch-Institut äußern. Über die Beratungen des Expertenrates am Dienstag wurde zunächst nichts bekannt.

"Die Regierungschefs müssen tägliche PCR-Tests für das Personal in Krankenhäusern, Pflegeheimen und ambulante Pflegediensten anordnen", forderte der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. "Ohne diese Vorschrift darf es für diese Berufe keine Verkürzung der Quarantäne geben." Nötig sei eine PCR-Test-Priorisierung für Mitarbeiter, die sich um Pflegebedürftige und Kranke kümmern.

Der Virologe Klaus Stöhr hält eine Anpassung der Quarantäne- und Isolationsregeln für notwendig. "Es sind immer mehr Menschen infiziert, aber immer milder", sagte er zu "Bild Live". Es gebe sehr gute Daten aus den USA, wie wenig Kinder betroffen sind, fast noch weniger als Erwachsene. Nötig sei daher ein Stufenplan, "der sich anpasst"

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission, Thomas Mertens, äußerte sich optimistisch über die Entwicklung der Lage. Auch für 2022 könne auf einen entspannten Sommer gehofft werden, sagte er dem Nachrichtenportal ZDFheute.de

Der Inzidenzwert bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland stieg derweil am sechsten Tag in Folge. Das Robert-Koch-Institut (RKI) gab die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstagmorgen mit 239,9 an. Am Vortag hatte sie bei 232,4 gelegen, vor einer Woche bei 215,6. Der Wert beziffert die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen.

Wie das RKI nun unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter weiter mitteilte, wurden binnen 24 Stunden 30.561 Neuinfektionen verzeichnet. Ferner wurden in diesem Zeitraum 356 neue Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gezählt. Experten halten die Zahlen wegen der Feiertage aber für unvollständig. Das RKI will bis Freitag eine solide Datenbasis vorlegen.

jp/cha

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