Bürgermeisterin von Chicago kündigt verändertes Polizeigesetz an

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 2 Min.

In Chicago sollen sich Polizisten an neue Regeln halten, um tödliche Zwischenfälle zu vermeiden. Die Bürgermeisterin kündigte die Maßnahme an, nachdem ein Beamter einen 13-Jährigen erschossen hatte.

Auch in Chicago gibt es immer wieder Proteste gegen Polizeigewalt, wie hier nach den tödlichen Schüssen auf den Teenager Laquan McDonald (Bild: REUTERS/Andrew Nelles)
Auch in Chicago gibt es immer wieder Proteste gegen Polizeigewalt, wie hier nach den tödlichen Schüssen auf den Teenager Laquan McDonald (Bild: REUTERS/Andrew Nelles)

In Chicago deutet sich einen Tag nach dem viel beachteten Urteil im Prozess um Georg Floyds Tod eine massive Neuerung der Polizeistrategie an. Überall in den USA gab es im vergangenen Jahr große Proteste gegen Polizeigewalt, weil es immer wieder zu tödlichen Einsätzen kommt. Der Tod des 46-Jährigen Floyd im vergangenen Mai durch den nun schuldig gesprochenen Polizisten Derek Chauvin löste eine Welle von Demonstrationen aus und belebte die Black Lives Matter-Bewegung erneut. Doch neben den Protesten wurde auch eine generellere öffentliche Debatte um die Art und Weise angestoßen, mit der in den USA Polizeiarbeit betrieben wird.

Bürgermeisterin mit Insider-Wissen

Die Bürgermeisterin von Chicago im im US-Bundesstaat Illinois ist Lori Lightfoot, die seit 2019 verantwortlich für die Geschicke der viereinhalb Millionen Einwohner ist. Sie ist die erste schwarze Frau und die erste homosexuelle Person im Amt. Mit der Polizei in Chicago kennt sich die Anwältin aus, denn sie war zunächst als Präsidentin der Polizeikommission und später drei Jahre als Vorsitzende der Taskforce für "Police Accountability", also die Rechenschaftspflicht der Polizei tätig. 

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Lightfoot kündigte nun eine einschneidende Maßnahme an. Bevor ein Beamter im Außendienst sich auf eine Verfolgungsjagd zu Fuß begibt, soll er zunächst die Erlaubnis eines Vorgesetzten einholen. "Niemand sollte als Resultat einer Verfolgungsjagd sterben," sagte die Bürgermeisterin gegenüber dem Lokalsender Fox 32. Noch ist ihr Vorschlag nicht im Polizeigesetzt verankert, doch Lightfoot kündigte baldige Details zur Umsetzung an. 

13-jähriger stirbt durch Polizei-Schüsse

Endgültiger Auslöser für den Vorschlag für eine striktere Regulierung der Polizeieinsätze war der Tod eines Teenagers im März. Der 13-jährige Adam Toledo war am 29. März in einer Seitenstraße in der Southwest Side unweit der Farragut Career Academy High School von einem Polizisten erschossen worden. Aufnahmen der Body-Cam zeigten den Tod des Teenagers und lösten Proteste aus. Bürgerrechts-Aktivisten wie der Anwalt Arturo Jauregui hatten danach vehement eine Polizeireform gefordert. Im Rathaus wurde seitdem heftig über Reformen debattiert.

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Von Seiten der Polizei wurde die von Lightfoot vorgeschlagene Regel skeptisch aufgenommen. Die Bürgermeisterin erkannte dieses Problem durchaus an. Sie wolle nicht, dass gefährliche Verdächtige nun einfach dächten, "Wenn ich nur renne, dann bin ich sicher", so Lightfoot gegenüber den Medien. Die Reform soll klare Richtlinien für die Polizisten enthalten, an denen sie sich orientieren können und die gleichzeitig weitere vermeidbare Todesfälle wie den von Adam Toledo in Zukunft verhindern.

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