CDU-Vorsitz: Freut euch nicht zu früh auf ihn

Robert Pausch
·Lesedauer: 2 Min.

Ist Friedrich Merz in Wahrheit der Wunschkandidat von Rot-Rot-Grün, weil es dann endlich einen klaren Gegner gäbe? Eine CDU, die man wieder hassen kann? Vergesst es.

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz © Felix Zahn/​photothek.net/​imago images
Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz © Felix Zahn/​photothek.net/​imago images

Es gibt ja bekanntermaßen wenig, worauf sich Linke hierzulande einigen können, weshalb es umso interessanter ist, wenn sie plötzlich von kollektiven Sehnsuchtsanfällen erwischt werden, weil ein Mann mit Erlöserqualitäten auftaucht, den sich alle schleunigst herbeiwünschen.

Die Rede ist, natürlich, von Friedrich Merz.

Wenn man mit Linksparteilern, Sozialdemokraten und manchen Grünen in diesen Tagen spricht, kann man diese Sehnsucht überall spüren. Sollte Merz CDU-Vorsitzender werden, heißt es dann, gäbe es endlich wieder einen klaren Gegner, einen konturierten Wahlkampf um all die urlinken Themen, die man sich in den letzten Jahren mit eher bescheidenem Erfolg auf die Plakate gemalt hat.

Wahlkampf in den Kulissen von Sabine Christiansen

Friedrich Merz, so viel ist klar, redet noch immer so zackig wie vor zwanzig Jahren, er sticht mit dem Zeigefinger so energisch in die Luft, wie man es seinerzeit in Leadership-Seminaren lernte, und hat überdies auch noch einige der Ansichten dieser Jahre und der Leipziger-Parteitags-CDU konserviert. Das verführerische Angebot an die Linke sieht also so aus: Mit Merz als Gegner könnte man noch einmal in die Kostüme der Nullerjahre schlüpfen und jene Kämpfe führen, die das linke Lager damals zuerst (an der Wahlurne) gewann, um sie schließlich (in der Regierung) zu verlieren. Merz, das wäre politisches reenactment. Wahlkampf in den Kulissen von Sabine Christiansen und irgendwann sagt irgendjemand Standortdeutschland.

Das Problem ist, dass die Linken in ihrer Merzsehnsucht einige Tatsachen außer Acht lassen: den Konservatismus, die Wähler und Friedrich Merz selbst.

Zunächst zur CDU: Sollte Merz die Wahl tatsächlich gewinnen, dürfte es sich bei seinem Sieg keinesfalls um einen landslide handeln, sondern mit einiger Sicherheit um einen Vorsprung im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Dies freilich bedeutet, dass sich der Konservative Merz im Handumdrehen in einer Art umgekehrten AKK-Situation wiederfinden würde. Annegret Kramp-Karrenbauer hatte schließlich vor gut zwei Jahren die Wahl ebenfalls knapp gegen Friedrich Merz gewonnen und war, man erinnert sich noch dunkel, danach damit ausgelastet, allerlei Friedensangebote an die unterlegene Seite zu unterbreiten, die so weitreichend waren, dass man mit bloßem Auge kaum noch erkennen konnte, wer eigentlich die Siegerin war und wer Besiegter.

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